Er könne einen Mann nicht brauchen , der seinen Herrn verraten habe . « Durch ein preußisches Kriegsgericht wurde der Unwürdige später » zum Arkebusieren « verurteilt , entzog sich aber der Urteilsvollstreckung durch Flucht und lebte noch jahrelang in einem Winkel Deutschlands . Arm und ehrlos , meidend und gemieden , – das Los aller , die damals » versagt « hatten . Ob durch Schuld oder Schicksal , war gleich . Küstrin blieb länger als sieben Jahre in den Händen der Franzosen ; erst am 7. März 1814 wurde es an ein preußisches Blockadekorps übergeben . Manches hat es seitdem erfahren , auch als Festung . Der Warthe die vordem rechtwinkelig einmündete , hat man einen zweckentsprechenderen Lauf gegeben , und ein Zirkel von Schanzen und Forts umspannt jetzt das alte Festungsviereck . Was sich aber dem Auge des Laien auch heute noch als » Festung Küstrin « darstellt das sind nach wie vor die sechs alten Bastionen aus Markgraf Hansens Tagen her , mit deren einer ( » Bastion Brandenburg « ) und ihrer nächsten Umgebung wir uns in dem zweiten Abschnitt dieses Kapitels zu beschäftigen haben werden . Die Katte-Tragödie Die Katte-Tragödie Stadt und Festung Küstrin haben eine fünfhundertjährige Geschichte , die zu skizzieren ich in vorstehendem bemüht gewesen bin . Nur über einen Tag innerhalb dieses langen Zeitabschnittes : über den 6. November 1730 , an dem das Haupt Kattes auf Bastion Brandenburg fiel , bin ich hinweggegangen . Und doch wiegt dieser Tag schwerer als die Gesamtsumme dessen , was vorher und nachher an dieser Stelle geschah , und mag als das Gegenstück zu dem 18. Juni 1675 gelten , zu dem » Tage von Fehrbellin « . Mit diesen beiden Tagen , dem heiteren 18. Juni und dem finsteren 6. November , beginnt unsere Großgeschichte . Aber der 6. November ist der größere Tag , denn er veranschaulicht in erschütternder Weise jene moralische Kraft , aus der dieses Land , dieses gleich sehr zu hassende und zu liebende Preußen , erwuchs . Es gibt kaum einen Abschnitt in unserer Historie , der öfter behandelt worden wäre als die Katte-Tragödie . Aber so viele Schilderungen mir vorschweben , das Ereignis selbst ist bisher immer nur auf den Kronprinzen Friedrich hin angesehen worden . Oder wenigstens vorzugsweise . Und doch ist der eigentliche Mittelpunkt dieser Tragödie nicht Friedrich , sondern Katte . Er ist der Held , und er bezahlt die Schuld . Es ist meine Absicht , in nachstehendem dem die Ehre zu geben , dem sie gebührt . Und hierin wird sich meine Darstellung von der anderer nicht unwesentlich unterscheiden , indem sie sich eigens vorsetzt , von allem , was auf den Kronprinzen Fritz Bezug nimmt , nur das Unerläßliche zu geben , nur so viel , wie zum Verständnis des Ganzen überhaupt erforderlich ist . Das ist zunächst , als Grundlage der ganzen Tragödie : Der Fluchtversuch des Kronprinzen Schon im November 1729 hatte der Kronprinz vorgehabt , » weil Dero Herr Vater immer ungnädiger auf ihn geworden « , außer Landes zu gehen , und seitens des ins Vertrauen gezogenen Leutnants von Keith , der damals Pagendienste beim Könige tat , waren einleitende Schritte geschehen , um die Flucht ins Werk zu setzen . Aber man stand schließlich von der Ausführung ab und nahm den Plan erst , nachdem auch ein Entweichen aus dem sächsischen Lager bei Mühlberg im Mai 1730 gescheitert war , im Juli letztgenannten Jahres wieder auf . Um diese Zeit hatte der König eine Reise nach dem Ansbachschen hin angetreten , die bis an den Ober-und Unterrhein ausgedehnt werden sollte . In seiner Begleitung befand sich wie gewöhnlich der Kronprinz , dem noch im Momente der Abreise , seitens des inzwischen als Günstling an die Stelle des von Keith getretenen Leutnants von Katte , aufs dringendste angeraten worden war : seine Flucht nicht von Süddeutschland , sondern lieber erst von Wesel aus zu bewerkstelligen , von welcher Grenzfestung aus er am leichtesten und schnellsten über Holland nach England gelangen könne . Diese Mahnung wurde später schriftlich wiederholt , und zwar in einem Briefe , den der in Berlin zurückgebliebene von Katte nach Ansbach hin richtete . Aber dem Kronprinzen brannte bereits der Boden unter den Füßen und er antwortete : » daß er so lange nicht zu warten , vielmehr von Sinsheim aus ( bei Mannheim ) fortzugehen gedenke . Katte solle nachkommen und ihn , den Kronprinzen , im Haag unter dem Namen Comte d ' Alberville erfragen . Mißlänge die Flucht , so wolle er in einem Kloster Zuflucht suchen , wo man unter Skapulier und Kutte den argen Ketzer nicht entdecken werde . « Dieser der Post anvertraute Brief wurde verhängnisvoll . Auf seiner Adresse , die » An den Leutnant von Katte , über Erlangen , Berlin « , hätte lauten sollen , vergaß der in begreiflicher Hast und Erregung schreibende Kronprinz , die Hinzufügung des Wortes » Berlin « , und so gelangte das Schreiben nur bis Erlangen , wo der Postmeister in Verlegenheit geriet , was damit anzufangen sei . Da sich zufällig ein Rittmeister von Katte , ein Vetter des Leutnants , als Werbeoffizier am Orte befand , so hielt er es für das Geratenste , diesem den Brief einzuhändigen . Der Rittmeister von Katte aber , als er von dem Inhalte Kenntnis genommen , konnte sich seinerseits nicht der Pflicht entziehen , den Brief durch einen Kurier an den König zu schicken . 44 Dieser war mittlerweile ( am 31. ) von Ansbach aufgebrochen und ging über Öttingen , Ludwigsburg und Heilbronn auf Sinsheim zu . Da letzterer Ort , sehr gegen den Wunsch und Willen des Königs , am 4. August nicht mehr erreicht werden konnte , so bequemte man sich , in dem zwei Stunden vorher gelegenen Dorfe Steinsfurth die Nacht in einer Scheune zuzubringen . Für die Pläne des Kronprinzen indes machte Steinsfurth oder Sinsheim keinen Unterschied , und so beschloß er , in selbiger