aus sie die Lage des Processes übersehen , den Triumph der günstigen Entscheidung genießen , vielleicht eine Beziehung der Etikette zur Gräfin Paula und ihren Umgebungen anknüpfen konnte . Hätte sich jene die Religionsbedingung betreffende Urkunde gefunden , die seit zwei Jahren in Westerhof , Neuhof , Witoborn , Wien , Schloß Salem und Castellungo gesucht wurde , dann hätte ihre mütterliche Liebe einen andern Rettungsplan aufgreifen müssen , eine Verbindung Hugo ' s mit der Gräfin Paula - eine Auskunft , die auch in der Familie traditionell eine sich von selbst verstehende Thatsache , ein lautes Geheimniß war - freilich für ihr Gefühl ein entsetzliches Unglück ! Denn Paula war in einem fanatischen Geiste für ihren Glauben erzogen worden und Hugo sollte dann scheiden - von seinen Gewohnheiten , sollte brechen mit allen seinen Verbindlichkeiten , sollte » Opfer « bringen , wie sie etwas nannte , was Monika von Hülleshoven eines Tages einmal leise , ganz leise und schüchtern nur der Gräfin eine - sittliche Wiedergeburt genannt hatte ? Die kleine schöne Frau » mit den silbernen Locken « war erst seit einem Jahre in den Lebenskreis der stolzen , immer nur ernsten und feierlich gestimmten Matrone eingetreten . Sie hatte jahrelang bei einer Jugendfreundin , der inzwischen Oberin der Hospitaliterinnen gewordenen Schwester Scholastika , einer geborenen Freiin von Tüngel-Heide , aus ihrer Heimat , im Kloster gelebt und an den beschwerlichen Mühewaltungen derselben theilgenommen . Ihre Gesundheit , ohnehin erschüttert durch die Folge jenes Verstecks ( beiläufig bemerkt in einem chemischen Laboratorium ihres Schwagers auf Schloß Westerhof ) und durch die darauf folgende Nervenkrankheit fing zu wanken an in dem täglichen Verkehr mit dem zum Kloster gehörenden großen Spitale . Offen bekannte sie ihrer Freundin Scholastika , da sie kein Gelübde bände , würde sie in die Welt zurückkehren , » denn die Pflicht der Selbsterhaltung ginge über alle Sorge für Fremde , die nicht auf uns allein angewiesen sind « . Es war dies einer der Sätze , die zu einem immer mehr von der jungen Frau ausgebildeten System der Lebensphilosophie gehörten . Sie schied aus dem Kloster und verwarf damit zugleich das Klosterleben in seiner überlieferten Form . Sie sagte schon damals am ersten Abend , wo sie auf der Herrenstraße im Palais der Salem-Camphausen in einem prächtigen Rococozimmer mit Goldleisten und Spiegelwänden neben der Gräfin am Theetisch saß : » Es sollte keine andern Lebenszwecke geben , außerhalb der Bewährung unserer eigenen Kraft und unserer Erziehung zur Vollkommenheit ! Eine Institution , die mich auch klein , unbedeutend , sklavisch gebunden , krank brauchen kann , ist des Menschen unwürdig . Nur dem sollen wir uns unterwerfen , was unsere Kraft in ihrer Größe braucht , sie entwickelt , uns die Frische des Willens und der Thatkraft erhält . Daß gewisse Gedanken in der Welt realisirt werden müssen , nur um als solche zu glänzen , während das Einzelwesen , das zur Realisirung derselben beiträgt , dabei gering erscheint , werd ' ich nie für gut finden . « Eine Aeußerung , die die Gräfin nachdenken ließ , sie aber zu dem Worte bestimmte : » Ich finde in diesem Ausspruch Wahrheit , aber Sie drücken sie mit zu vielem Menschenstolze aus . Wir ermangeln alle eines andern Ruhmes als dessen , den wir vor Gott haben . « Leicht möglich , daß selbst der Gräfin Bonaventura ' s Auffassung besser gefallen hätte , die wir damals berichteten , als dieser den Pater Sebastus vor dem Goldnen Lamm unter Bettlern sah - die Unterordnung gerade der stolzesten Individualität unter einen allgemeinen , der Menschheit im großen und ganzen als ein Schauspiel zur Nacheiferung zugute kommenden Begriff . Freilich war Bonaventura von dieser Auffassung schon am Tage darauf nach der Scene beim Kirchenfürsten schmerzlich zurückgekommen . Trotz dieser Verschiedenheit der Ansichten hatte die Gräfin an Monika ein großes Gefallen gefunden . Sie war ihr ein lebendiger und höchst willkommener Beweis , wie der Katholicismus consequent durchgeführt zur Freigeisterei führen müsse . Sie suchte in ihr eine Proselytin zu gewinnen für die Lehre von der Wiedergeburt lediglich durch den Glauben . Die Bekanntschaft schrieb sich aus dem Briefwechsel her , der zwischen einem wiener Anwalt Monika ' s und Schloß Westerhof entstehen mußte ihrer Erhaltung wegen . Monika besaß ein kleines Vermögen , das der Oberst unangerührt gelassen hatte , als er nach Amerika ging . Im Kloster bedurfte Monika nichts , sie ließ ihre Zinsen stehen . Jetzt erhob sie Ansprüche auf das , was ihr gehörte und ihr noth that . Bereitwillig stellte ihr der Schwager Levin jedes Gewünschte zur Verfügung , ja Tante Benigna , ihre Schwester , wollte zulegen ; letzteres lehnte Monika ab . Der regelmäßige Bezug ihrer Mittel führte sie durch jenen Advocaten mit Terschka zusammen , der der chargé d ' affaires aller Finanzsachen seines Freundes war und tagelang mit der Gräfin rechnen konnte - Graf Hugo behauptete , für die Zusammenstellung von Zahlen kein Geistesvermögen zu besitzen . Terschka , angezogen von Monika ' s interessanter Erscheinung , aufmerksam auf die Namen Ubbelohde und Hülleshoven , die täglich in seinen Correspondenzen mit Westerhof und mit Nück vorkamen , gab der Gräfin Kunde von ihr und nun schien es den künftigen Besitzern der Erblassenschaft des Grafen Joseph standesgebührlich , die Schwester und Schwägerin der beiden Namen , die Paula hüteten und erzogen hatten , an sich zu ziehen . Die Gräfin wollte sogar ein Bewohnen des Palais auf der Herrengasse und bot Monika eine Stellung bei ihr an , die zwischen Freundin und Gesellschafterin die Mitte hielt . Doch auch Graf Hugo und Terschka wohnten zuweilen in diesem Palais und so mußte sie die freundliche Aufforderung ablehnen . Doch blieb ein ganz nahes Verhältniß . Fast täglich , wenn die Gräfin in Wien oder auf Schloß Salem wohnte , leistete ihr Monika Gesellschaft . Nur nach Castellungo , wo die Gräfin das Frühjahr zubrachte , war sie ihr noch nicht gefolgt , hatte das aber für dies laufende Jahr