ein unverbrüchliches Stillschweigen bewahren über das , was man ihnen anvertraut , daß sie schweigsam sind wie das Grab . « » Aus welchem sie kommen , « sagte schaudernd Herr Beil . » Ich höre und werde ebenso schweigsam sein , stumm wie das Grab , - ganz Gespenst . « Der Baron lehnte sich in seinen Sessel zurück , blickte an die Decke empor und drückte die Fingerspitzen beider Hände fest gegen einander . » Sie haben noch nie Deutschland verlassen , « sagte er , » Sie gingen noch nie südlich , überstiegen noch nie die schneebedeckten Alpen , um von ihnen herabsteigend Italien zu erreichen . « Ah ! das ist ein schönes , herrliches Land , ein angenehmer Himmel , prächtige Gegenden , schöne Menschen ; glücklich , wer dort hindurch fliegen kann mit einem leichten , fröhlichen Herzen , sich bald hier aufhaltend , bald dort , wie es ihm gerade gefällt , bald in großen , lebhaften Städten , bald in der malerischen Einsamkeit des Landes ; jetzt an des Meeres prächtigen Felsgestaden , bewundernd dem Tosen der Wellen zulauschend , jetzt in die Berge hineinfliehend , wo man nichts mehr vernimmt als das Rauschen der Lorbeer- und Orangenzweige und den Gesang eines Vogels . - » Wenn man einmal dort war und man ist zurückgekehrt nach dem kalten Norden , so zieht es Einen beständig wieder dorthin , man vergißt , daß das schöne Land auch seine Plagen , seine Unannehmlichkeiten hat ; man denkt nur an den blauen Himmel und den blitzenden Sonnenschein , der das reichste Gold auf die Landschaft ausgießt , der hervorzaubert all ' die göttlichen Tinten , die wir mit keinem Namen bezeichnen können . Man träumt nur von jenen wunderbar klaren , duftreichen Nächten , wo die Mondsichel in einer unbegreiflichen Klarheit am Himmel steht , wo Leuchtwürmer hin- und herschwärmen , wo aus dem dunkeln Laub der Orangen die weißen Blüthen sichtbar sind im geheimnißvollen und reizenden Schimmer . - Ah ! eine solche Nacht ist herrlich ; dazu das Leuchten des Meeres , wenn dein Boot nun vom Ruder zurückgehalten , an die Ballustrade des prächtigen Gartens rauscht , wo herüberhängende Lorbeerzweige eine sichere Bucht bilden , wo man auf die Gefahr hin , zu stranden , unaufhörlich nach den dunkeln Gebüschen blickt , unter denen ein flatterndes Gewand hervorleuchtet . - Ah ! - Doch weiter ! - Dem Süden zu , gleich den Zugvögeln ! Vorbei an dem heitern Florenz , dem ernsten Rom , dem lustigen Neapel . Laßt hinter uns liegen den mächtigen Vesuv mit seiner ewigen Rauchwolke , die , einer riesigen Pinie gleich , in der klaren Luft fast unbeweglich über ihm steht ; vorbei an dem tiefblauen Golfe , den die malerischen Gestade umgeben , aus dem die seltsam geformten Inseln hervortreten , der übersät ist mit weißen kleinen Segeln . - Vorbei an allem Dem , über das Meer hinüber , den Gestaden entlang , welche dir der Steuermann in der Dunkelheit zeigt und die sich fast grauenhaft bemerkbar machen in der Nacht auf dem finstern Wasser . Funken und Flammen steigen donnernd aus ihnen empor , und wie glühend übergossen , zeigt sich blitzartig der Krater , um gleich darauf wieder zu verschwinden - Stromboli . Noch einige Stunden und Palermo liegt vor dir . O Palermo , reizende Stadt ! mit deinem prächtigen Hafen , mit dem Monte Pellegrino , deinem Wahrzeichen und riesenhaften Leuchtthurme ; denn glänzt er nicht weit in die See hinaus , namentlich Abends und Morgens in immer wechselnden , brennenden Farben ! Ja , bis zum späten Abend , wo die violetten Schatten seiner Schluchten immer größer und bedeutender werden , langsam die Gluth seiner Lichter auslöschen , und ihn endlich mit dem nächtlichen Schleier überziehen . O Monte Pellegrino , wie oft hing mein Auge an deinen seltsamen , zackigen Formen , wie oft verfolgte es den Weg , der dich in den eigensinnigsten Wendungen erklimmt ; - und ruhig blickst du auf Palermo , die prächtige glänzende Stadt mit ihren gelben Kuppeln und strahlenden Zinnen , rings umgeben von den zahllosen Orangen- und Citronengärten , die mit ihrem tiefdunkeln Laube einen Kranz um dich bilden , so daß es aussieht , als läge sie ganz von Bergen eingefaßt - eine kostbare goldglänzende Frucht , mitten in einer ungeheuren Felsenschaale , sanft gebettet auf dem saftigen Grün . - Laßt uns still die Stadt durchschreiten , ich will nicht sehen und gesehen sein , gehen wir hinaus zu einem der Landthore , dem Wege folgend , dessen hohe Ränder mit uralten Aloen bewachsen sind , theils im frischen Safte prangend , auch wohl mit verwelkten Blättern , denn sie trieben einen Blüthenstengel , der , dreißig Fuß hoch , nach allen Seiten seine zahlreichen Kronen hinaus streckt , und nun , als er seine Bestimmung erfüllt , vergehen mußte . - Ueber eine Brücke führt uns der Weg , unten rauscht über die glatten Kiesel ein klares Wasser still und behaglich dahin ; es fließt im Schatten großer Oleanderbüsche , deren prächtige Blumen sich kokett in seinen Wellen spiegeln . An einfachen gelben Häusern kommen wir vorüber , meistens uralten Gebäuden von eigentümlicher malerischer Bauart ; man glaubt hinter den vergitterten Fenstern müßte noch heute Turban und Kaftan erscheinen . Schmucklose aber kunstreiche Wasserleitungen lehnen sich an ihre Ecken oder laufen auch wohl auf schlanken Bögen von einem zum andern ; Schlingpflanzen umranken sie , schauen aber neugierig in die offene Rinne und das rieselnde Wasser , und die tiefer hängenden Blätter schaukeln sich auf der Fluth , aufwärts gekehrt und ihre Blüthen blicken zu den schlanken Palmen empor , welche die spitzigen Blätter wie schützend über das alte Gemäuer ausstrecken . - Alles hier ist Gluth und Glanz , strahlende Lichter und die tiefsten Schatten neben einander , keine nebelhaften , matten Uebergänge wie im kalten Norden . - So immer weiter wandelnd sind wir langsam aus