» Wir fahren vor die Stadt , jeden Tag anderswohin , dort spazieren wir umher , bis es dunkelt . Es kommt Niemand Unberufenes in unsere Nähe ; ich würde es aber auch Keinem rathen . « » Das freut mich , « sagte der Baron . » Also Sie bemerkten bis jetzt Niemand , der sich Ihnen zudringlich genähert hätte ? « » Ein einziges Mal etwas der Art vor ein paar Tagen . Ein schäbig gekleideter Kerl , - er trug trotz des kalten Wetters einen dünnen schwarzen Frack , - begegnete uns , wie es schien , ganz zufällig . « » Er war lang und mager ? « fragte aufmerksam der Baron . » Ganz recht , und grüßte uns , als er vorbei ging . Aber der Kleine benahm sich musterhaft ; obgleich er jenen Gruß sah , that er doch nicht dergleichen , und erst , als wir weit von einander entfernt waren , zupfte er mich am Arme und sprach : Den habe ich gekannt . Er war es , der mich aus dem garstigen Hause fort brachte zu dir und der lieben Frau Fischer . « » Und jener Mensch - wo ging er hin ? « » Er schlenderte eine Zeit lang hinter uns drein , ich aber nahm auf dem nächsten Fiakerstand einen Wagen und ließ mich an ' s entgegengesetzte Ende der Stadt bringen , von wo ich mich vollends zu Fuß nach Hause begab . « » Bravo , Herr Beil ! « lächelte der Baron . » O , ich verstehe mich auf das menschliche Gesicht , ich wußte , daß ich in Ihnen den rechten Mann fand ; wahrhaftig den rechten , « setzte er nach einer Pause wie zerstreut hinzu , und wiederholte mit halblauter Stimme : » ja , den rechten , - Jemand , der Vertrauen verdient , vollkommenes Vertrauen ; und den zu finden war schon lange mein sehnlichster Wunsch . « » Sie sind zu freundlich gegen mich , « erwiderte Herr Beil . » Aber was kann Ihnen meine unbedeutende Persönlichkeit sein , Ihnen mit Ihren großen und mächtigen Verbindungen . Ich bin ein Nichts , dessen Sie sich gnädigst annahmen , und um nur Ihre Wohlthaten noch mehr zu versüßen , wiederholen Sie mir beständig , sie seien mit meinen geringen Diensten zufrieden , Sie setzen Ihr Vertrauen in mich . « Wir wissen nicht , ob der Baron diese schöne Rede seines Gegenübers gehört ; er hatte den Kopf in die Hand gestützt , und als er jetzt nach einem tiefen Seufzer empor fuhr und aufstand , sagte er : » Ich will einen Augenblick den Kleinen sehen ; wenn es Sie nicht friert , bleiben Sie hier , ich komme gleich wieder . « - » Wenn es mich nicht friert , « dachte Herr Beil , als Jener das Zimmer verlassen ; » allerdings ist es nicht überflüssig warm , aber dem Manne kann geholfen werden ; die gute alte Frau wird den Ofen schon geladen haben , wie sie es immer des Abends zu machen pflegt ; ich will das Licht darunter halten , und da werden wir bald im Warmen sitzen . « Er that so , zündete das Feuer an , und bald krachte und prasselte es in dem Ofen ; und als der Baron nach einer Viertelstunde zurück kam , entströmte demselben schon eine behagliche Wärme . » Es ist doch besser so , « meinte lächelnd Herr Beil ; » namentlich für Sie , gnädiger Herr , « setzte er forschend hinzu , » denn Ihr Anzug kann den kalten Morgen nicht so gut ertragen als ich . Warum haben Sie Ihren Paletot draußen gelassen ? - Soll ich ihn holen ? « » Sie werden ihn nicht finden , « entgegnete der Baron ; » ich brachte ihn nicht mit , sondern schickte ihn in meinem Wagen nach Hause . « » A-a-h ! - So ! « Baron Brand hatte sich in einen Lehnstuhl nahe beim Ofen niedergelassen , er legte seine Arme auf die Lehne desselben , so daß seine Hände schlaff herabfielen , ebenso der Kopf , der so tief niedersank bis sein Kinn die Brust berührte . So blieb er vielleicht zehn Minuten lang in tiefes Nachsinnen verloren , sein Gesicht war bleich , seine Augen geröthet , als habe er vor dem Lager des Kindes geweint . - Jetzt verbarg er seine rechte Hand auf der Brust , sein ganzer Körper schüttelte sich wie im Fieberfrost , er seufzte tief , worauf er seinen Kopf langsam erhob und Herrn Beil , der ihn forschend betrachtete , mit einem erzwungenen Lächeln ansah . » Jetzt habe auch ich geträumt , « sagte er nach einer Pause , » fast ebenso finster wie Sie , wachend geträumt , und das ist viel schlimmer . Apropos ! erinnern Sie sich auch noch zuweilen jener Nacht , von der Sie mir erzählt , wissen Sie , am Kanale , wo Ihnen das Gespenst erschienen ? « » Ich werde das nie vergessen , « sagte plötzlich sehr ernst werdend Herr Beil . » Sie waren damals in einer traurigen , gedrückten Stimmung und erzählten dem Phantom ihre Lebensgeschichte . « » Ach ja , und ich muß sagen , für ein Gespenst war die Gestalt von damals teilnehmend genug und sprach recht vernünftig . « » Und als Sie erzählt , fühlten Sie sich sehr erleichtert , und auch auf andere Gedanken gebracht ? - - Nun wohlan , auch ich bin heute in einer solchen Stimmung wie Sie damals . Wollen Sie mein Gespenst vorstellen und mich eine halbe Stunde lang geduldig anhören , so hoffe ich , es soll auch mir eine Erleichterung sein . « » Ich werde mich dadurch geehrt fühlen , « entgegnete Herr Beil , indem er die Hand auf ' s Herz legte . » Aber Sie wissen , daß die Gespenster