Verwirrung in das Pfarrhaus hinein , das ganz in der Nähe war , und traf den Pfarrer essend am Tische sitzen , über den die Nachmittagssonne friedlich wegschien . Heinrich setzte sich zu ihm und sah ihm zu . » Ich esse hier mein Vesperbrötchen « , sagte der Pfarrer , » wollen Sie nicht mithalten ? « - » Ich danke « , erwiderte Heinrich , » wenn Sie erlauben , so will ich Ihnen sonst ein wenig Gesellschaft leisten ! « - » Das sind mir junge Leute heutzutage « , sagte der Hochwürdige , » das hat ja gar keinen ordentlichen deutschen Appetit mehr ! Na , die Gedanken sind auch danach , da kann freilich nicht viel anderes herauskommen als nichts und aber nichts ! « Der Pfarrer merkte nicht , wie materialistisch er sich mit dieser speiselustigen Rede selbst ins Gesicht schlug , sondern war eifrig mit der großen Schüssel beschäftigt , die vor ihm stand . Dieselbe enthielt viele Anhängsel eines frischgeschlachteten Schweines , nämlich die Ohren , die Schnauze und den Ringelschwanz , alles soeben gekocht und dem Geistlichen lieblich in die Nase duftend . Er pries das aufgetürmte Gericht als unübertrefflich an einfacher Zartheit und Unschuld und trank einen tüchtigen Krug braunen klaren Bieres dazu . Als Heinrich fünf Minuten traurig dagesessen und dem Pastor zugesehen hatte , klopfte es an der Tür , und Dorothea trat , nur von dem schönen Hunde begleitet , anmutig und höflich herein und schien aber ein ganz klein bißchen befangen zu sein . » Ich will die Herren nicht stören « , sagte sie , » ich wollte Sie nur bitten , Herr Pfarrer , heute abend bei uns zu sein , da Herr Lee morgen fortreist ; Sie sind doch nicht abgehalten ? « - » Gewiß werde ich kommen « , erwiderte der Pfarrer , der sich schon wieder gesetzt hatte , » bitte , mein Liebster , holen Sie doch einen Stuhl für das Fräulein ! « Heinrich tat dies mit großer Herzensfreude und stellte einen zweiten Stuhl an den Tisch , sich gegenüber . » Danke schön ! « sagte Dortchen , freundlich lächelnd und zierlich vor sich niedersehend , indem sie Platz nahm . Nun war Heinrich doch glückselig , da er in der sonnigen und wohnlichen Pfarrersstube ihr gegenübersaß und sie sich so gutmütig und still verhielt . Der Pfarrer , obgleich er fortaß , sprach immer , und die beiden Leutchen brauchten ihm nur zuzuhören , indes der Hund mit feurigen Augen und offenem Maule nach der Schüssel starrte . » Ach , der arme Hund , wie es ihn gelüstet « , sagte Dortchen , » essen Sie dies auch , Herr Pfarrer ? oder erlauben Sie , daß ich es ihm gebe ? « Sie zeigte hiebei auf das krumme Schwänzchen , das sich manierlich auf dem Rande der Schüssel darstellte . » Dies Sauschwänzchen ? « sagte der Pfarrer , » nein , mein Fräulein ! das können Sie ihm nicht geben , das eß ich selbst ! Warten Sie , hier ist was für ihn ! « und er setzte dem gierigen Tiere einen Teller vor , in welchen er allerlei Knöchelchen und Knorpelwerk geworfen hatte . Dortchen und Heinrich sahen sich unwillkürlich einander an und mußten lächeln , nicht über den Pfarrer aus Spott , sondern weil seine vergnügte und selbstzufriedene Freude an dem Sauschwänzchen so lustig war . Auch der Hund , der sich eifrig und begierig mit seinen Knorpeln unterhielt , vermehrte durch seine Behaglichkeit die gute Stimmung der jungen Leute . Dortchen streichelte ihm den Kopf , als Heinrich ihm den Rücken streichelte , und als sie mit ihrer Hand achtlos der seinigen zu begegnen Gefahr lief , wich er ihr aus , wofür sie ihn , irgendeine gleichgültige Frage benutzend , um so freundlicher ansah . Am offenen Fenster blühte ein Apfelbaum , und weiße Schmetterlinge flogen in die Stube , und als es nun gar so lieblich war , dazusitzen der Lieblichen gegenüber , konnte Heinrich nicht anders , als er mußte sich den Pfarrer noch hinwegdenken , die Stabe zu seiner eigenen machen und sich vorstellen , als wäre Dortchen seine junge Frau und säße an einem solchen Mainachmittage am weißgedeckten Tische herzensallein ihm gegenüber . Heiß werdend und verlegen , streichelte er wieder den Hund , und nun fiel ihm plötzlich ein , wie er vor Jahren mit dem ganz jungen Mädchen ja schon einmal gemeinschaftlich einen Hund geliebkost habe , ohne zu ahnen , daß es je wieder begegnen würde . Nun ist sie groß und schön geworden , dachte er , was er freilich schon am ersten Tage Gelegenheit hatte zu bemerken , und wenn abermals eine Reihe von Jahren dahin ist , so wird sie dem Alter entgegengehen und zuletzt dem Tode ! Ist es möglich , daß dies Wesen und diese Lieblichkeit vergehen soll ? Es ergriff ihn heftiges Leiden um sie , und es schien ihm beim Himmel nicht möglich und nicht möglich zu sein , daß sie anders als in seinen Armen glücklich und zufrieden alt werden könne . Er fühlte , daß ihm sogleich die Augen übergehen würden , stand auf und sagte » Ich muß gehen , ich habe noch viel Zu tun . « Er verbeugte sich verzweifelt , Dortchen stand überrascht auf und verbeugte sich ebenfalls , und dies war sehr komisch und wehmütig , da beide bei dem einfachen Tone , der in dem Hause herrschte , sich längst nicht mehr gegeneinander verbeugt hatten , sondern sich aufrecht begrüßten . Heinrich lief in die Kirche hinein , um sich zu verbergen , und da dort ein altes Mütterchen knieete und ihr Vaterunser betete , so flüchtete er in die Sakristei und setzte sich dort in einen dunklen Winkel , um unaufhaltsam zu weinen und zu schluchzen . Werfe niemand einen Stein auf ihn , weil er schwach war ; denn diese Schwäche war nur der