auf eine Probe gestellt . Selten wird es vorgekommen sein , daß ein Geistlicher sich scharf tadeln lassen muß vor einer heiligen Handlung , die man von ihm begehrt . Folgte ich einer kleinlichen Empfindlichkeit , so würde ich bei meinem Versagen beharren . Ich bin aber nicht empfindlich , sondern erkläre Ihnen ganz einfach : Sie haben recht . Ich bin bereit , dem Bunde , welcher uns alle , wie es scheint , durch seine liebliche Kraft über das Gewöhnliche erhebt , Weihe und Unlösbarkeit zu geben . « Fancy hatte sich schon während der letzten Worte mit dem Ornate in der Türe gezeigt . Der Diakonus ging hinaus und kam nach einigen Augenblicken im priesterlichen Kleide zurück . - » Wollen wir ihn nicht vorbereiten lassen ? « fragte Clelia . - » Wozu ? « versetzte der Diakonus . - » Das Göttliche regt nicht auf ; es beruhigt . Still treten wir bei ihm ein und ich sage ihm dann in kurzen Worten sanft , was wir wollen ; das ist wohl die beste Vorbereitung . « Er nahm Lisbeth bei der Hand , die Frauen folgten . Schweigend und gefaßt gingen diese guten Menschen nach dem Zimmer , in welchem sich auf den Glücklichen , der noch nichts ahnete , sogleich ein Segen herniederlassen sollte , rein , groß , himmlisch . Ende Zwei Briefe I Sie wollen mir , lieber Herr Buchbinder , wie ein Londoner Publikum , das Nachspiel zu der Tragödie , die einen heiteren Ausgang gewann , nicht erlassen . Sie fragen mich nach unterschiedlichen Dingen und Personen , und da Sie mir während der Arbeit rechtschaffen beigestanden haben , teils durch Heften des Manuskripts , teils durch guten Rat , so will ich Ihnen auch darin gern , inwieweit ich kann , gefällig sein . Vor allen Dingen wünschen Sie zu wissen , was der Arzt zu der Vermählung gesagt habe . Herr Buchbinder , Sie sind ein schlauer Vogel . Der Doktor kam ungefähr eine Stunde nach der Trauung in das Haus und fand noch alles in Entzücken und Tränen . Er war aber gar nicht entzückt und vergoß auch keine Träne . Sondern bitterböse war er und rief : » Verdammt , daß der Humor immer wörtlich genommen wird ! Allerdings war der Graf in großer Gefahr , und noch jetzt ist ein Rückfall zu besorgen , wenn man ihn nicht vor Gemütsbewegungen in acht nimmt . « Er hatte hierauf mit der Baronesse ein Gespräch unter vier Augen . Infolge desselben wußte die junge Dame die neue Gräfin zu bestimmen , daß sie noch an ihrem Hochzeittage mit ihr abreiste , und so trennte sich das Paar wenige Stunden nach seiner ewigen Vereinigung unter heißen Tränen , aber mit freiem und würdigem Entschlusse . Nachdem Clelia ihren entronnenen Gemahl aus dem Osnabrückschen sich wiedergeholt hatte , reisten sie zusammen durch Holland , Belgien , Frankreich , England bis nach Schottland . Die junge Frau oder Braut sah vieles , merkte auf alles und wechselte mit ihrem Gemahle oder Bräutigam die schönsten Briefe . Man sah ihr nirgend an , daß sie nur ein Findling war , sondern sie betrug sich wie eine geborene Gräfin . In England wurde sie der Königin vorgestellt , diese küßte sie auf die Wange und die Frau von Lehtzen nannte sie » my dear Eliza « . Endlich nach sechs oder sieben Monaten schlug die Stunde der Heimkehr . Der Graf , nun ganz wiederhergestellt , kam den Reisenden bis Rotterdam entgegen und führte sein bräutliches Weib in großer Wonne auf das hohe Schloß am Neckar . Der alte Baron , über welchen sich bei dem Einsturze des Schlosses schützend ein Stück Dach gespreitet hatte , wurde dadurch vor dem Zerquetschen bewahrt . Er schlug nur mit der Stirn auf einen harten Körper , einen Stein oder Balken , auf und trug eine große Brausche davon . Einige Tage lag er betäubt , als er aber wieder zukehrte , war er von allen und jeglichen Einbildungen geheilt . Entweder muß daher an ihm das Dogma des Dorfchirurgen vom Schock und Gegenschock sich bewährt haben , oder die fixen Ideen sind ihm früher von einem Knoten im Hirne entstanden , den ihm die Erschütterung des Falles gesprengt hat . Genug , er war auf den Kopf gefallen und dadurch zu Verstande gekommen . Einen großen Schmerz hatte der alte Mann über die Gefühllosigkeit seiner Pflegetochter , wie er ihr Benehmen nannte . Er wollte sie auch deshalb gar nicht sehen , als sie ihn endlich besuchte , und sie mußte , nachdem sie drei Tage inständig bittend verweilt hatte , unverrichteter Sache abreisen . Jede Einladung nach dem Schlosse am Neckar hat er beharrlich abgelehnt . Die jungen Gatten sorgen aber dennoch für ihn durch einen seiner alten Freunde , der von ihnen ins Vertrauen gezogen worden ist . Dieser zahlt ihm nämlich reichliche Summen aus unter dem Vorwande , es seien Rückstände von Zinsen , die sein ehemaliger Rentmeister nachlässigerweise uneingefordert gelassen habe . Der alte Baron wohnt bei diesem Freunde zur Miete , hat sich wieder Jagdgewehr angeschafft , schießt Rehe , so viele er treffen kann , trinkt Rheinwein nach Bedürfnis und lebt ganz der Gegenwart . Der Schulmeister Agesel ließ in den » Rheinisch-Westfälischen Anzeiger « einrücken , er erkläre jeden , der ihn nicht für einen gewöhnlichen Menschen im vollen Sinne des Worts halte , für einen Schurken , worauf der Küster aus Furcht , insultiert zu werden , seine andere Furcht nach und nach bemeistern gelernt hat . In Dünkelblasenheim steht alles beim alten . Nationallied ist noch immer der Gesang der Fische aus Wielands Märchen : Hätten ' s gern besser Statt immer schlimmer ; Und raten immer , Und treffen ' s nie . Münchhausen wird in den höchsten Kreisen der Gesellschaft ganz außerordentlich vermißt . Von dem Verschwinden dieses wunderbaren Mannes ist der Schleier nie gelüftet worden . Natürlich muß die Krypte einen