daß er als Würgengel zum Spanier gegangen . Er eilte in den Gasthof des Oheims . Ein Bedienter sagte ihm , ein Rotmantel mit einem dicken Stocke sei dagewesen und habe vor den Herrn gewollt , aber man habe ihn auf des letztern Befehl ins Schloß geschickt , unterdessen sei der Herr nach dem Prinzengarten abgereiset , um dem starken Bruder entgegenzugehen . Albano fragte : » Wer ist der starke Bruder ? « - » Dero Herr Vater « , versetzte der Bediente . Albano eilte auf das Schloß . Hier war laufende Verwirrung um das Krankenbette des Fürsten , der es bald mit dem Paradebette zu vertauschen drohte . Eilige Diener begegneten ihm . Einer konnt ' ihm sagen , er habe einen Rotmantel ins große Spiegelzimmer gehen sehen . Albano trat hinein , es war leer , aber voll seltsamer Spuren . Ein großer Spiegel lag auf der Erde , eine Tapetentür darhinter stand offen , ein offnes Souvenir , Räder und weibliche Kleidungsstücke waren um einen wächsernen alten Kopf verstreuet . Ihm war , als seh ' er etwas , was er schon gesehen , und konnte sichs doch nicht nennen . Plötzlich erblickte er in einem Eckspiegel tief hinter seinem jungen Gesicht sich noch einmal , aber mit Alter bedeckt und dem wächsernen Kopfe ähnlich . Er blickte sich um , ein erhobner Spiegel Zylinder schloß ihm gleichsam die Zeit auf , und er sah in ihrer Tiefe sein graues Alter . Schaudernd verließ er das sonderbare Gemach . Eine Kammerfrau Juliennens stieß ihm auf , sie konnte ihm sagen , daß sie den » Schatten-Schneider « im roten Mantel mit einem Perspektive in der Hand über den Schloßhof habe hinausgehen sehen . Er eilte nach , da kam ihm Augusti unter dem Tore entgegen mit der Bitte des Fürsten , ihn noch einmal zu besuchen ; » jetzt unmöglich , ich muß erst den wahnsinnigen Schoppe wieder haben « , versetzt ' er . In seiner Brust lebte nur der Freund ; auch nahm er den Fürsten nur für die Maske seiner sprechsüchtigen Schwester . » Ich sah ihn auf dem Wege nach Blumenbühl « , sagte der Lektor . Er flog davon . Am Tore wurde Augustis Nachricht von der Wache bestätigt . Auf der Blumenbühler Straße begegnete ihm der Wagen des Hofpredigers Spener , der zum Fürsten fuhr . Albano fragte nach Schoppe . Spener berichtete , er habe mit ihm , da er vor einem einzelnen Hause , einer kranken alten Beichttochter wegen , eine Stunde lang gehalten , viel gesprochen , ihn gesund , ungemein vernünftig , nur älter und zurückhaltender als gewöhnlich gefunden . Auf die Frage nach seinem Wege versetzte der Hofprediger : er sei nach der Stadt . Das schien ihm unmöglich , aber Speners Leute bestätigten es vom Grünrock . Albano sprach von einem roten Mantel , alle und Spener blieben bei dem grünen Rock . Er kehrte wieder um in sein eignes Haus , wo vielleicht ihn selber , dacht ' er , Schoppe suche und erwarte . Der Leibeigne des Doktors , der hagere Malz , sprang ihm mit der Nachricht entgegen , Herr v. Augusti hab ' ihn eben gesucht , und der kranke Herr sei zum alten Tor hinaus spazieren gegangen in einem neuen grünen Rock . Es war die Straße nach dem Prinzengarten , die er nach Albanos Vermutung gewiß genommen , sobald ihm des Spaniers gleiche kund geworden . Draußen wurde sie durch Falterle bestätigt , welcher erzählte , er habe bei dem Austritt ihn eingeholt und sogleich befragt : » Wohin so eilig , Herr Bibliothekar ? « ; darauf sei er still gestanden , hab ' ihn ernsthaft angesehen und die Antwort gegeben : » Wer sind Sie ? Sie irren sich « und sei fortgegangen . Albano fragte nach der Kleidung ; » in grüner « , versetzte Falterle . Jetzt war sein Weg entschieden . Der müßige Reiter konnte sogar bekräftigen , daß der Oheim früher denselben genommen . Spät abends kam Albano im Prinzengarten an . Er sah einige Wagen an dem Hofe des kleinen Gartenschlosses . Endlich begegneten ihm Leute seines Vaters , die ihm sagen konnten , Schoppe sei ruhig , froh und lange in dem Garten mit einem Herrn von Hafenreffer aus Haarhaar umhergegangen und mit ihm nach der Stadt gefahren . » An einem Menschen hat er doch wieder einen Schutzgeist und Wärter « , dachte Albano , und der kalte Regen , der ihn bisher quälte , war weggezogen , obgleich der Himmel noch trübe blieb . Er wich mit seinem angegriffnen Herzen , das in dieser Landschaft nur von einem dunkeln Horizont umgeben war , jeder Gesellschaft und dem Lustschloß aus . Fern vorübergehend , wagt ' er es , einen traurigen Blick auf die Schlummerinsel zu werfen , wo Roquairols Grabhügel , wie ein ausgebrannter Vulkan , neben der weißen Sphinx zu sehen war . » Still liegt endlich das unbändige Schwungrad um , aus dem Strom der Zeit gehoben , nur mit dem Grabe schloß sich der Janustempel deines Lebens zu , du gequälter und quälender Geist « , dachte Albano voll Mitleiden , denn er hatte den Toten sonst so sehr geliebt . Droben auf dem Gartenberg mit einem Lindenbaum ruhte seine sanfte Schwester , der freundliche , liebliche Friedensengel mitten im Kriegsgetümmel des Lebens , sie der ewige Friede , wie er der ewige Krieg . Er beschloß , hinaufzugehen und allein oben bei der Himmelsbraut zu sein und auf dem den Blumen geweihten Boden das Beet aufzusuchen , unter welchem ihre Blumen-Asche sich vor den Stürmen zugedeckt . Da er den Vorsatz nur dachte , so drangen Tränenströme wie Schmerzen aus seinen Augen ; denn die bisherigen Nachtwachen und Sorgen hatten ihn träumerisch aufgelöset und so manches Unglück in so kurzer Zeit dazu , das ihm das schöne feste Leben von einem Ende zum andern mit giftigem Stachel und Zahn durchgraben hatte . Als