daß man die Hülfsquellen seiner väterlichen Besitzungen nicht nach Gebühr benutze , daß man aus den Gütern nicht mache , was sie werden könnten , daß man nicht die nöthigen Kapitalien in sie hineinstecke , um sie im Grund und Boden wuchern und Zinsen tragen zu lassen . Allein eben das flüssige Kapital fehlte seinem Vater , und dieser hatte dem Sohne in guten Stunden wohl den Rath gegeben , sich bei Zeiten nach einer reichen Erbin zur Gattin für sich umzusehen , damit man wieder in größerer Freiheit des eigenen Grundbesitzes froh werden möge . Wie würde der Freiherr nun die Nachricht aufnehmen , daß Renatus die völlig Mittellose in das Haus zu führen denke ? Bei dem Regenwetter dunkelte es früh , und der Sinn des jungen Mannes wurde dadurch eben auch nicht heiterer . Der Nebel stieg aus dem Boden der sumpfigen Wiesen empor und zog in langen , schwebenden Streifen langsam neben und um ihn her . Er ritt mit wachsender Ungeduld in schnellem Trabe vorwärts ; er wollte das Schloß noch erreichen , ehe es Nacht ward . Es dünkte ihn , als sei der Weg weit länger geworden , als komme er nicht von der Stelle ; und wie er den Weg nicht bewältigen zu können glaubte , so kam er auch mit seinen Gedanken nicht vom Flecke . Wenn er sich es vorstellen wollte , wie er seinem Vater sein Herz enthüllen und was Vittoria zu seiner Verlobung sagen werde , sah er Adam Steinert vor sich stehen und es klang ihm das Wort vom letzten Thaler und von dem Unsegen , der jetzt auf den großen Schlössern laste , in den Ohren . Er war froh , als er endlich aus den Wiesen heraus war , als aus dem Nebel der Kirchthurm von Rothenfeld hervortrat und der Anblick der allbekannten , ihm engvertrauten Umgebung ihn von seinem Grübeln abzog . Er schwankte , ob er in der Pfarre vorsprechen und seinem greisen Lehrer seine Ankunft melden solle ; aber seine Ungeduld sträubte sich dagegen , und auch sein Schimmel schien sich der Nähe des Stalles zu erinnern , in welchem er auferzogen worden war , denn er griff , ohne daß sein Herr ihn dazu antrieb , mit Einem Male lustig aus , so daß Renatus in wenigen Minuten die große Eichen-Allee zu erreichen hoffen durfte , die sich von dem letzten Vorwerke bis zur Rampe des Schlosses hin erstreckte . Aber er ritt und ritt , die Allee wollte noch nicht kommen . Er drückte dem Pferde die Sporen in die Seite , es sprang empor und ging mit raschem Satze vorwärts - aber sie kam nicht , die Allee . Was ist das ? fragte Renatus sich , und es fuhr ihm kalt über den Rücken . Er sah um sich , weil er meinte , nur der Nebel verhülle ihm die Bäume und der Nebel sei es auch , der ihn so erkälte ; indeß der Nebel hatte sich verzogen , er konnte an einzelnen Stellen sogar die Sterne durch die Wolken schimmern sehen , und es war auch nicht der Nebel , der ihm das Herz in der Brust erstarren machte und ihm den Hals zusammenschnürte . Denn nun lag es ja vor ihm , das Schloß seiner Väter ; er sah das Licht aus dem Fenster über dem Portale schimmern , das die riesigen , alten Bäume jetzt nicht mehr verdeckten . Schon breitete der Hofraum sich weit und öde vor ihm aus , aber es war nicht mehr , wie es gewesen war , es war nicht mehr die alte Heimath ! Das Schloß seiner Väter war seines schönsten Schmuckes beraubt , der Stolz der Herren von Arten-Richten , die prächtige , uralte Eichen-Allee war niedergeschlagen bis auf den letzten Baum . Jetzt wußte er , was die Worte Steinert ' s bedeutet hatten - und die Thränen stürzten ihm aus den Augen . Oben in dem Zimmer des Freiherrn brannte das Feuer im Kamin . Der reitende Bote , welcher zweimal in der Woche die Briefe für den Freiherrn aus der Kreisstadt abholte , war um die bestimmte Stunde nach dem Schlosse zurückgekehrt , und fast gleichzeitig mit ihm war der Caplan bei dem Freiherrn angelangt . Er kam trotz seiner vorgerückten Jahre und seiner schwachen Gesundheit regelmäßig an den Abenden von Rothenfeld , wohin er gezogen war , bald nachdem Renatus zum ersten Male das Vaterhaus verlassen hatte , nach Richten herüber , um dem Freiherrn , dessen Augen in der letzten Zeit gelitten , zur Hand zu sein , falls er sich eines Vorlesers bedürftig fühlte oder Briefe zu beantworten hatte ; denn der Sekretär des Freiherrn war noch während des ersten Krieges in die Dienste eines französischen Generals getreten , und man hatte seine Stelle nicht wieder besetzt . Die Lichte waren bereits angezündet , aber es waren nicht die vielarmigen Leuchter , deren der Freiherr sich in früheren Jahren bedient hatte , als er am Abende noch selbst zu lesen und zu schreiben pflegte . Der große Raum war also nicht vollständig erhellt , und das Sopha , auf welchem Vittoria , die beiden Arme mit der anmuthigen Lässigkeit eines Kindes unter das Haupt gelegt , in stillem Hindämmern zu ruhen schien , war ganz in Schatten gehüllt . An dem Tische , auf welchem die eingegangenen Briefe und die Zeitungen der letzten Woche lagen , saß der Caplan , und der Freiherr ging , dem Vorlesenden zuhörend , langsam in dem Zimmer auf und nieder , wie es seine Gewohnheit war . Mit Einem Male blieb er stehen . Es wird immer nutzloser , diese Blätter kommen zu lassen , sagte er , indem er den Caplan unterbrach . Man müßte sich mitten im tiefsten Frieden glauben , wenn man keine anderen Nachrichten empfinge , als diejenigen , welche die Zeitungen uns verkünden . Nur von den friedlichen Gesinnungen Napoleon ' s , nur von seinen Decreten in der Gesetzgebung