, der Name des Herrn sei gelobt in Ewigkeit ! der nun aber auch für immer den ganzen Menschen in den Zustand der Entsagung versetzt . Ein Zurückziehen von der Welt , ein starres Festhalten an ihrem Glauben schien der vornehmen Gesellschaft , von der die Gräfin schon längst kalt und schroff genannt worden , jetzt vollkommen gerechtfertigt . Der Ort , in dem die Gräfin den in Presburg erfolgten Tod ihres Gatten erfuhr , war jenes Schloß Castellungo im Piemontesischen , das sie sich aus ihrem Eingebrachten selbst erkauft hatte , weil ihr die Lage und die rings noch lebende Erinnerung an die alten Waldenser , die Vorläufer der Reformation , gefiel . Sie hatte sich diese Erwerbung aus ihren eigenen Mitteln zugetraut , weil sie damals mit begründeter Hoffnung durch den Tod eines Verwandten vermehrt werden sollten . Die Hoffnung schlug aber durch ein Testament fehl und die Gräfin besaß ein verschuldetes Eigenthum , während der Graf selbst , infolge einer seither mit immer größerer Dringlichkeit gesteigerten Erwartung , früher oder später die großen Güter der Dorste-Camphausen im westlichen Deutschland zu gewinnen , in seinem eigenen Haushalt keine Ordnung mehr hielt . Dennoch hatte er die Verlegenheit seiner Gattin auf sich selbst übernommen . Er brachte den Besitz Castellungos für seine Frau so ins Reine , wie eben sein ganzes übriges Besitzthum stand . Er hieß der Herr und war es nur dem Namen nach . Die Aeltern der kleinen Bettina Fuld waren es von Schloß Salem und auch von Castellungo mehr als sein Sohn Hugo , der , als der Vater in der Blüte seiner männlichen Jahre so unglücklich endete , erst sieben Jahre zählte . In einem Anfall von Mismuth über die zunehmende religiöse Neigung seiner Frau hatte sich der Graf bedungen , daß sein Sohn unter allen Umständen Soldat werden sollte . Wenn man in einem so entschieden altgläubig regierten Lande , wie bei uns , innerhalb der Gesellschaft vergißt , daß ein Mitglied des Adels zu den Ketzern gehört , hatte er gesagt , so kann das nur geschehen , wenn ihn der Nimbus der Bravour umgibt ! Unabänderlich war es , daß Graf Hugo Militär wurde . Die Mutter war in Verzweiflung . Schon ihn aus den Augen zu verlieren , schmerzte sie ; nun gar , ihn nicht selbst erziehen , ihn nicht vor den Gefahren der Welt schützen zu können . Graf Hugo besuchte die Militärakademie unter Bedingungen , die ihrer ganzen Stimmung widersprachen . Wenn sie jemals zu einem Lächeln kam , war es in den Augenblicken der Freude , wo Hugo auf einige Zeit der Ihrige sein konnte , nur unter dem Schutze ihrer mütterlichen Liebe stand , bei Ferien , später bei Urlauben , bei einer längeren Pflege , als er einst verwundet wurde in einem Gefecht gegen türkische Grenzer - drei Jahre stand er an der dalmatinischen Küste - und ihr da allein angehörte . Sagten wir , daß an keinem Weibe , wenn wir es auch männlich nennen , Züge fehlen , die allein nur dem Weibe angehören , so ist dies bei der Gräfin Erdmuthe die Liebe zu ihrem Sohne . Diese äußerte sich nicht etwa in der regelmäßigen Form , wie überhaupt die Liebe sich gibt ; nicht etwa z.B. in der Strenge , die von der Liebe nicht im mindesten ausgeschlossen ist , sondern in einer blinden Vergötterung . Graf Hugo war ein liebenswürdiger Cavalier , aber auch in vielem nur das , was man eben einen Cavalier nennt . Besten Herzens und namentlich ganz den Gefühlen für Kameradschaft und Freundschaft zugänglich , führte er ein Leben , das die Mutter unbedingt hätte verwerfen müssen . Aber selbst ihre religiöse Strenge , die sie gegen alle ausübte , war für die Beurtheilung der Dinge , die sie von ihrem Sohn erfuhr , nicht vorhanden . Alles , was nur mit dem Geliebten in Beziehung stand , verklärte sich ihr . Traten ihr die Folgen seines Leichtsinns zu deutlich entgegen , so hatte sie hundert Beispiele der Bibel über die Langmuth des Herrn , über seine Geduld mit denen , die er lieb hat , über die Verirrungen David ' s und Salomo ' s und die künftige Erleuchtung und Gottwohlgefälligkeit auch dieser heiligen Sünder . In jeder Mehrung der Schuldenlast , die schon lange das Haus Salem-Camphausen drückte , sah sie , was die Veranlassungen derselben betraf , einen Beweis mehr nur für den Satz , daß eben das Gute in dieser Welt sehr schwer zu erringen und zu behaupten wäre . Waren die Ausgaben des Sohnes irgendwie auf andere Veranlassungen zurückzuführen , als auf die , welche sich in der Hoffnung auf den endlichen Gewinn in dem seit dem Tode des Grafen Joseph zu Westerhof geführten Proceß sogar bei allem Mangel wieder doch die Verschwendung gestatteten , so wählte sie gewiß die edelsten . Sie übersah die großen Ausgaben für Pferde , Wettrennen , Spiel , Vergnügungen aller Art , wenn sie die kleinen Ausgaben musterte für Bücher , Kupferstiche und Mildthätigkeitsbeweise . Ließ Graf Hugo ein schönes Mädchen , das er bei einer Kunstreitergesellschaft in einer dalmatinischen Stadt am Ufer des Adriatischen Meeres kennen gelernt hatte , in Wien ausbilden und erziehen , so verschlang diese , nach ihrer Meinung und Auslegung so » edle Handlung « , Tausende . Alles , was in den Rubriken des Leichtsinns stand , übertrug sie auf die Rubrik des guten Herzens . » Selig sind die Barmherzigen « , sagte sie , » denn sie werden Barmherzigkeit erlangen ! « Vorzugsweise mußte diese mütterliche Schwäche wunder nehmen in der Beurtheilung auch aller der Verhältnisse , die sich mit dem Sohn verbanden . Der schöne junge Mann stieg in seiner Carrière und befehligte bei wenig über dreißig Jahren schon ein Reiterregiment . Jenes schwarzbraune Mädchen , Angiolina genannt , das er hatte erziehen und überraschend ausbilden lassen , war seine Geliebte geworden . Ihr blieb sie nur des Sohnes Pflegkind , sozusagen ihre Enkelin .