welcher sagte , es geschehe seinem Vater ganz recht , wenn er sich die Hand erfröre , warum kaufe er ihm keine Handschuhe ? Doch dann schlug dies Vergnügen wieder in Traurigkeit um , als er sich ernstlicher bedachte und befand , daß nun gar keine Rede mehr davon sein könne , Dortchen etwas zu sagen , da die Sache bedenklich würde und ihr Sorgen und Befangenheit erwecken müßte . Er suchte jetzt sein Wäldchen wieder auf am Berge , das indessen schön grün geworden war und von Vogelsang ertönte . Auf dem Baume , unter dem Heinrich den ganzen Tag saß , war ein Star und guckte , wenn er genug Würmchen gefressen hatte , zutulich auf ihn herunter und stieg jeden Tag um einen Ast näher herab . Während nun Heinrich darüber nachsann , wie dieser Kummer alles andere , was ihn schon gequält , weit hinter sich lasse , wie das Leid der Liebe so schuldlos sei , denn was habe man getan , daß einem ein anderes Wesen so wohl gefalle ? und dennoch so unerträglich und bitter und unvernünftig und einen zugrunde zu richten vermöge , und während er sich jedoch vornahm , daß dies nicht geschehen solle und er sich schon seiner Haut wehren wolle , sprach er nichts mehr als immer den gleichen Seufzer » O Dortchen , Dortchen - Dortchen , Dortchen Schönfund ! Wenn du wüßtest , wie mir es ergeht ! « und dies so oft , daß eines schönen Morgens über seinem Kopfe unversehens eine seltsame Stimme rief : » O Dortchen , Dortchen Schönfund ! Wenn du wüßtest , wie mir es ergeht ! « Dies war der Star , der diese Worte gemächlich auswendig gelernt und nun jedesmal damit fortfuhr , wenn Heinrich eine Weile geschwiegen , so daß sie nun unablässig in dem grünen Busch ertönten . Manchmal , wenn Heinrich nur abgebrochen Dortchen rief und wieder schwieg , sang der Star » Dortchen ? « worauf Heinrich antwortete » Ja , Dortchen ist nicht hierchen ! « Oder wenn er bloß seufzte » Wenn du wüßtest ! « so rief der Vogel nach einem Weilchen » Wie mir es ergeht ! « Es erging ihm aber auch so schlimm , daß er sich nach Dorotheens Wiederkehr sehnte , bloß um eine äußerliche Veränderung zu erfahren und sie noch einmal zu sehen , um dann unverzüglich fortzugehen . Als er gerade am letzten Abend der drei Wochen sich ins Haus begab , hoffte er nicht , daß sie schon dasein würde , sah aber schon vom Garten her , daß Licht in ihrem Zimmer war , und erfuhr , daß sie schon am Nachmittage pünktlich angekommen sei . Sogleich befand er sich um vieles besser und schlief wieder einmal ziemlich gut , ohne von ihr zu träumen , da sie sonst immer ihm im Traume erschienen war . Dies hatte ihn auch immer so gequält , wenn die Geträumte ihm durchaus wohlgeneigt nahte , ein leises gütiges Wort flüsterte oder ihn freundlich ansah und er dann nach dem Erwachen nicht fassen und begreifen konnte , warum es nicht wahr sein und er nicht zu seinem erträumten Rechte kommen sollte , als ob die Gute für das verantwortlich wäre , was er träumte . Am Morgen erklang schon früh ihre Stimme durch das Haus ; sie spielte und sang wie eine Nachtigall an einem Pfingstmorgen , und das Haus war voll Leben und Fröhlichkeit . Heinrich wurde zum Frühstück eingeladen , um die Wiedergekehrte zu begrüßen . Hastig und mit klopfendem Herzen ging er hin ; aber sie war so lustig und aufgeweckt , daß der Erznarr sogleich wieder traurig wurde , da sie auch gar nichts zu merken schien von dem , was mit ihm vorging . Dennoch wirkte ihre Gegenwart so wohltuend auf ihn , daß er sich zusammennahm , nicht mehr weglief und sich still und bescheiden verhielt , ohne viel Worte zu verlieren , allein darauf bedacht , bald fortzukommen . Aber sie machte ihm dies nicht so leicht , sondern trieb hundertfachen Mutwillen , der ihn immer wieder aufregte und störte , wobei sie sich immer an andere wandte und vorzüglich Apollönchen dazu brauchte , welche für sie kichern und lachen mußte , so daß Heinrich nie wußte , wem es gelten sollte , und hundertmal in Versuchung geriet , die Kleine beim Kopf zu nehmen und zu sagen » Du Gänschen , was willst denn du ? « Endlich wurden zwei große Kisten gebracht , in welche die fertigen Bilder gepackt wurden . Heinrich schickte den Tischler fort und nagelte die Kisten selber zu auf dem Hausflur , um nur etwas auszutoben . Er saß bitterlich wehmütig auf dem Deckel und trieb die Nägel mit zornigen Schlägen in das Holz , daß das Haus davon widerhallte ; denn mit jedem Nagel , den er einschlug , nahm er sich gewisser vor , am nächsten Tage fortzugehen , und so dünkte es ihn , als nagle er seinen eigenen Sarg zu . Aber nach jedem Schlage schallte ein klangreiches Gelächter oder ein fröhlicher Triller aus den oberen Gängen des Hauses , die Mädchen jagten hin und her und schlugen die Türen auf und zu . Dies bewirkte , daß Heinrich auf sein Zimmer ging und gleich auch den Reisekoffer packte . Als er damit fertig war , ging er höchst schwermütig , aber gefaßt ins Freie und nach dem Kirchhofe ; dort setzte er sich auf eine Bank und hoffte , Dortchen werde etwa herkommen und er wenigstens einige Minuten noch allein und ohne Bosheit bei ihr sitzen können , um sie noch einmal recht anzusehen . Sie kam auch richtig nach einer Viertelstunde herangerauscht , aber von der Gärtnerstochter und dem großen Haushunde begleitet . Da entfernte er sich eiligst , glaubend , sie hätten ihn noch nicht gesehen , und lief hinter die Kirche . Als er dort die Mädchen wieder sprechen und lachen hörte , ging er in der