zu Spiel und Lust gestattete , so verwerfe ich auch diese Waffen . - Herr am Stein , wir werden uns schlagen , ohne daß Einer die Hand gegen den Andern erhebt ! Es würde dies Brüdern übel anstehen , und ich meines Theils mag das Kainszeichen nicht auf der Stirn mit mir herumtragen ! « Adrian setzte sich und sah den Spinner halb erstaunt , halb ungläubig an . Der Gedanke , Martell möge in Folge des genossenen Giftes an seinem Verstande gelitten haben , gewann bei ihm die Oberhand . » Das ist Alles recht schön , Herr Martell , « entgegnete er , » und zeugt von einem ungewöhnlich zarten Schicklichkeitsgefühl , allein , da es auf Ihr eigenes Verlangen zwischen uns denn doch zum Blutvergießen kommen soll , so erklären Sie sich jetzt gefälligst , wie wir dies zu bewerkstelligen haben ! « » Ihr Blut , Herr am Stein , habe ich nie gewollt , « sagte Martell mit stolzer , eiserner Ruhe , » nur Genugthuung für alle mir und den Meinigen zugefügten Beleidigungen und Qualen , nur Abrechnung für das , was ich unter Ihrer Willkürherrschaft gelitten habe ! Das sühnt kein Blut , das sühnt nur ein Kampf , wie er mir vorschwebt , ein Kampf , der Sie lehrt , wie dem Elenden zu Muthe ist , der unter der Geißel eines übermüthigen Reichen täglich und stündlich tausend Tode stirbt ! « » Verstehe ich Sie recht , « sagte Adrian erschrocken , » so wollen Sie mich dem Hungertode Preis geben . « » Nichts von alledem ! Ich werde Sie vielmehr sich selbst und Ihrer Geschicklichkeit überlassen . Sie sind ein kluger , ein fürchterlich kluger Mann ; Sie sind gewandt und in tausenderlei Fertigkeiten geübt ; Ihnen gebricht es weder an Um- noch an Vorsicht ! Das Alles geht mir ab . Ich bin rasch , ungestüm , körperlich ungeübt , geistig nicht halb so gewandt , wie Sie . Ueberdies hat das von Ihnen nur beigebrachte Gift meinen Körper geschwächt , daß all seine Muskeln ein krampfhaftes Zittern rastlos bewegt . Ich bin also nur noch der Schatten eines Menschen ! Dennoch vertraue ich Gott und meiner Geschicklichkeit und auf Gott , der ja auch über Ihnen waltet , auf Gott und Ihre Geschicklichkeit sind Sie jetzt von mir gefordert ! « » Mein Gott , das sind aber ja keine Waffen ! « rief Adrian erstaunt aus . » Besäße ich auch hundert Fertigkeiten , wäre ich gelenk wie ein Seiltänzer , ich könnte mich durch solche Kunstfertigkeiten doch nicht schlagen ! Das ist also ein Unsinn , eine Thorheit , die allen vernünftigen Grundes entbehrt ! « » Dennoch bestehe ich darauf , « erwiederte Martell . » Sie haben mir die Wahl der Waffen freigestellt und ich wähle als völlig gleiche Waffen unsere beiderseitige Geschicklichkeit . Antwort : Sind Sie damit zufrieden ? « Adrian sann lange hin und her , was der rachsüchtige Spinner wohl unter einem Kampfe verstehen könne , bei welchem einzig und allein die Geschicklichkeit gleichsam als Waffe dienen sollte , er konnte aber zu keinem haltbaren Resultate kommen . Längst schon der Unterhaltung müde , obwohl ihn das unbeholfene Wesen seines Halbbruders einige Male vergnügt hatte , sagte er ärgerlich : » Nun denn , der bloßen Curiosität wegen bin ich mit dieser neuen Art , einen sogenannten Ehrenhandel zu schlichten , einverstanden . Ich nehme die Waffen an , Waffen , von denen ich zur Stunde noch gar keine Vorstellung habe . « » Morgen um Mitternacht . « » Angenommen ! « » Im Saal der Feinspinner und ohne Zeugen . « » Ohne Zeugen ! « sagte Adrian und legte seine kleine weiße Hand in die harte , zitternde des Spinners . » Gute Nacht denn , auf Wiedersehen ! « Martell ließ die Hand des Grafen sinken , kehrte ihm den Rücken und verließ das kostbar meublirte Zimmer des reichen Halbbruders , ohne einen Laut von diesem als Gegengruß zu vernehmen . » Dieser Mensch ist fürchterlich ! « sagte Adrian , als die schweren Schritte des Davongehenden auf dem Corridor verhallt waren . » Hat je ein Mensch so etwas gehört ! Ein Duell auf Geschicklichkeit ! Man sollte glauben , der Tollkopf wolle mich zwingen , nach Art der Jongleure scharfe Messerklingen im Kreise um mich zu werfen ! Müßte ich nicht wider Willen seiner Ehrlichkeit vertrauen , nie und nimmer wäre ich diesen Handel eingegangen . So aber sei es der puren Seltsamkeit wegen und um zu zeigen , daß der legitime Erbe von Boberstein dem Bastard an Muth in keiner Weise nachsteht . « Drittes Kapitel . Ein Mord . Sehen wir jetzt , welchen Eindruck die erwähnten Vorfälle auf die stillen Bewohner des Zeiselhofes machten . Aurel war nach erfolgter Einkerkerung der Verbrecher mit seinen Freunden wieder abgereist und hatte in den nächsten Tagen Herta auf die schonendste Weise von dem Wiederfinden ihres verlorenen Sohnes unterrichtet . Es war die traurigste Aufgabe für den Kapitän , die so schwer Geprüfte jetzt auf das Entsetzliche vorzubereiten , ihr beizubringen , in welchem Zustande der Erniedrigung Klütken-Hannes betroffen worden war , wie man einen tief gesunkenen Verbrecher in ihm gefunden habe ! Herta bedurfte geraumer Zeit , um dies neue Unglück , das alle früheren harten Prüfungen und Schicksalsschläge noch zu übertreffen schien , mit der ihr eigenen schönen Seelenruhe und wahrhaft christlichen Ergebenheit zu ertragen . Sobald sie sich aber daran gewöhnt und mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte , daß ihr unseliger Sohn ein verabscheuungswürdiger Brudermörder geworden sei , war sie auch schnell entschlossen und einig mit sich über das , was ihr zu thun jetzt obliege . » Also in Boberstein lebt der Unglückliche ? « sagte Herta mit gepreßter Stimme , » und wenn mein Herz dabei brechen , wenn ich auf der Stelle vor Gram und Kummer sterben sollte , noch einmal ihn sehen , vielleicht mit