schönen Welt keine Freude , und mag sich auf den Friedhof legen , wann es ihm gefällt , ihm zum Nutzen und seinem Nachbar zum Frommen . Aber das könnt Ihr nicht ; das sagt mir Euer glänzendes Auge , das sich aufgethan hat bei meinen Worten , Eure hochathmende Brust , die sich endlich wieder hebt , wie es einem jungen Kämpen geziemt , und die Leibfarbe der kecken Jugend , die sich abermals auf Euerm Gesichte zeigt . Werft sie vollends ab , diese Trauer , diese unmännliche Schwermuth . Ich bin ein rauher und derber Geselle , aber weinen möchte ich , wie ein gepeitschtes Kind , sehe ich Eure angeborne Fröhlichkeit in solch traurigen unnatürlichen Banden liegen . « - Dagobert rieb sich die Stirne , hielt die Hand einen Augenblick auf der Brust , schüttelte dann mit mildwehmüthigem Lächeln seine Locken , und des Freundes Hand . » Wahrlich , « sagte er : » Gerhard ! ich hätte nicht so viele Anlagen zu einem Sänger hinter Dir gesucht . Deine Worte haben mich um so mehr ergriffen , als ich ihrer aus Deinem Munde nicht gewärtig war . O , warum sprachst Du nicht blos von dem , was Du besonders liebst : von Deinem Rosse , Deinen Fechterkünsten , Deiner Trinklust und Deinen Schulden ? Ich wäre im Geleise geblieben , und das Leben mir noch abgestandner erschienen , denn zuvor , aber wie ein Zauber hat Deine Rede auf mich gewirkt . Seit Wochen schon glaubte ich , mit mir fertig geworden zu seyn . Indem ich das Vaterhaus verließ , und wieder zu dieser Zelle zog , dachte ich die ganze Welt dahinten gelassen zu haben , aber nun war mir es plötzlich , als müßte ich mindestens noch einmal hinaus in die weite Schöpfung , und noch einmal ihr ganzes Bild in meine Augen ziehen , um sie dann auf ewig in Klosternacht zu schließen . Der alte Muth hat angeklopft in meiner Brust ; der alte Frohsinn lüftete meine Stirn , und wenn auch gleich diese herrliche entzückende Bewegung nicht zur That werden darf , so habe Dank dafür , Du gute treue Seele . Gehörte mein die Jakobskirche zu Compostell mit all ihren Kronen und Schätzen , - wären mein die Kleinodien des Reichs , - Dein müßten sie werden für das Hochgefühl dieses Augenblicks . « - » Seht Ihr wohl , wie Ihr schwärmt ! « lächelte Gerhard zufrieden : » Die Kronen des heiligen Jakob , wie unsers Herrn und Kaisers wolltet Ihr hinwerfen um den Schatten dessen , was Euch die Wirklichkeit umsonst bietet , und eine Grille nur verhindert anzunehmen ! Ich schenke Euch indessen meinen Lohn nicht , und Ihr werdet , statt mir Silber und Gold zu schenken , mir etwas zu Liebe thun . « » Sprich ! « entgegnete Dagobert mißtrauisch . - » Thut einen einzigen Schritt noch zurück in die Welt , der Ihr Valet zu sagen denkt ; « sprach Gerhard : » erheitert noch für einen Augenblick das Haus Euers Vaters . Er feiert heute den Jahrstag seiner Vermählung , und - ich darf ' s nicht läugnen , - er , der ehedem nie gute Freundschaft mit mir hielt , er hat mich aufgesucht , und mich gebeten , auf meine Weise zu versuchen , was nicht seinem Munde und nicht dem Munde Frau Margarethens gelingen mochte . « - Dagobert schwieg erschüttert ; dann sagte er , den Kopf schüttelnd : » Dieser Gang wird mir weh thun ; denn alle Proben meiner Standhaftigkeit werden sich verdoppelt erneuern . « - » Ei , so zeigt Euch doppelt standhaft ; « versetzte mit gutmüthigem Scherz der Edelknecht : » kommt aber mit mir ; noch ehe der Pförtner das Kloster schließt , bringe ich Euch frei und frank hieher zurück , und Ihr mögt Euch meinentwegen Morgen schon die Platte scheeren lassen . Aber heute seyd noch einmal den Euern ; heute fehlt nicht in Eurer Eltern Mitte ; denn nicht froh würden sie seyn , sagten sie , wenn der Schutzgeist ihres Glücks unter ihnen fehlte . Darum , wollet nicht des Tages Freudenwein durch Eure halsstarrige Weigerung in Wermuth verkehren . Es gibt ja in dem Ehestand . Galle genug durch ' s ganze übrige Jahr . « Dagobert ' s Augen wurden feucht ; seine Blicke flogen gen Himmel und mit einem freundlichen : » Keinen Wermuth in den Becher meiner Ältern ! « ergriff er das Barett , die Hand des Freundes und verließ mit ihm schneller , als dieser es gedacht hatte , das Haus des heiligen Dominikus , um seinen Ältern festliche Wohnung einmal , das Letztemal - dachte er - vor seiner Einkleidung zu betreten . - Wie wurde ihm zu Muthe , da er dieses Haus wieder sah , geschmückt mit der alten gediegenen Pracht , die nur bei den feierlichsten Anlässen hervorgeholt würde aus den bergenden Schreinen . Schon die Flur , die Treppe verkündete Festlichkeit , und aus den Mienen der , dem Sohne des Hauses entgegeneilend Diener leuchtete das Behagen , den willkommensten Gast , zu empfangen . Der alte Diether , von der guten Botschaft erfreut , umarmte den Sohn auf der letzten Treppenstufe , und Frau Margarethe trug in ihren zarten Händen den aus silbernen Münzen kunstfertig zusammengefügten Pokal herbei , um ihn , mit duftendem Weine gefüllt , dem lieben Dagobert zu kredenzen . » O , meine Ältern ! « sprach der überraschte und gerührte Jüngling , ihre Liebkosungen dankbar vergeltend , ... » wie macht Ihr mir es doch so schwer , dieses Haus wieder zu betreten , da ich es ja doch wieder meiden muß ? Aber Euers Vermählungsfestes Jahrstag , der zugleich meiner wackern Mutter Geburtstag ist , forderte meine Gegenwart , obgleich noch in diesen unheiligen Kleidern dabei erscheinen muß . « » Vor dem Herrn ist der reine unbescholtne Sinn das hochzeitlichste Gewand