sich ein so merkwürdiger Mensch , über dessen Vergangenheit noch dazu die verschiedensten , kaum glaubhaften Geschichten circulirten , dennoch der von allen Seiten auf ihn gespannten Neugier entziehen will , muß er eben alle die Künste verstehen und ausüben , deren er sich in seinem früheren dunklen Puppenstadium allerdings entrathen mochte . Ich kann nicht sagen , daß ich in der Ausübung dieser mir so neuen Künste immer das Rechte traf , oder immer vom Glück begünstigt wurde . Wir hatten , als wir nach einem vierzehntägigen Aufenthalt in Zehrendorf nach der Stadt zurückkehrten , eine keineswegs kostbare , aber schöne und geräumige Miethswohnung bezogen , an welcher ich für meinen Theil nichts auszusetzen wußte , als daß sie allzuweit von der Fabrik entfernt lag , die aber Herminen , gewohnt wie sie von Jugend auf es war , ein Haus allein inne zu haben , gründlich mißfiel . Nun glaubte ich , da ich Herminens Wünsche kannte und theilte , es recht gut zu machen , und hoffte nebenbei einen Lieblingstraum zu realisiren , wenn ich in aller Stille , aber mit um so größerem Eifer , unter der Beihülfe meines treuen Architekten , das Häuschen auf dem Fabrikhofe , das ich so lange bewohnt , seiner eigentlichen Bestimmung wiedergab und es mit Benutzung des alten Planes zu der reizendsten kleinen Villa ausbaute . Ich hatte unendliche Künste anwenden müssen , um mehrere Monate hindurch das Geheimniß zu bewahren , und eine ganz kindische Freude empfunden , als ich von einer Winterreise nach Zehrendorf , auf welcher mich Hermine begleitete , vorläufig allein zurückkehrend , Alles und Jedes nach Wunsch ausgeführt fand . Ich hatte in der Freude meines Herzens den guten Architekten , der sich als ein ebenso geschmackvoller Decorateur erwiesen , umarmt und den Tag zum Voraus gesegnet , an welchem ich Herminen aus der ihr so verhaßten Stadtwohnung in dieses kleine Paradies führen könnte . Ich sollte nur zu bald erfahren , daß Niemand , aber am allerwenigsten ein junger Ehemann , die Rechnung ohne den Wirth , oder vielmehr ohne die liebenswürdige Wirthin , seine Frau , machen darf . » Du lieber Junge ! « sagte Hermine , als ich ihr am Tage nach ihrer Rückkehr im Triumph meine neue Schöpfung zeigte : » Du lieber Junge , das ist ja Alles recht schön und gut ; und später im Sommer , auf ein paar Wochen oder Monate , die wir nicht in Zehrendorf , sondern hier in der leidigen Stadt zubringen müssen , ist es gewiß ein ganz passender Aufenthalt , aber jetzt , mitten im Winter - nein , Georg , das geht wahrlich nicht ! Mich friert , wenn ich nur daran denke . Und dann die großen kahlen Gebäude rings umher ! und die hohen Schornsteine , die aussehen , als wenn sie uns jeden Augenblick über dem Kopf zusammenfallen wollten - der eine wackelt wirklich ; sieh doch nur einmal genau hin ! - ich könnte keine Nacht hier ruhig schlafen . Und Du bist so schon in den greulichen Wirrwarr und den abscheulichen Lärm , der uns hier umgiebt , mehr als billig , verliebt , so daß ich mich immer mit dem schrecklichen Gedanken trage , Du könntest Dich eines Tages in so eine entsetzliche Riesenmaschine verwandeln , Du Ungeheuer ! Nein , Du mußt mehr unter Menschen , in Gesellschaft ; mußt auch endlich einmal anfangen , das Leben zu genießen , Du armer , arbeitgeplagter Mensch ! Das ist denn doch eher möglich in unserer alten Wohnung , und in der , denke ich , wollen wir den Winter über wenigstens bleiben . Die Miethe ist ja ohnedies bezahlt und wir müssen sparsam sein , wie es sich für solche Anfänger schickt . Habe ich das nicht aus Ihrem eigenen allerhöchsten Munde , mein Herr ? und nun neigen Sie Ihren allerhöchsten Mund und geben Sie mir einen Kuß und die Sache ist abgemacht . « Natürlich war die Sache abgemacht ; hatte ich doch dabei wahrlich mehr an Hermine , als an mich gedacht ! Und wenn sie wirklich den Wunsch hatte , von unserer einsamen Insel aus ein oder die andere Vergnügungsfahrt auf das Meer des großstädtischen Lebens zu machen , so war ich gewiß nicht der Mann , nein zu sagen . Sah ich doch nur zu wohl , daß ich in meiner jetzigen Stellung gewisse gesellschaftliche Pflichten durchaus erfüllen mußte , wenn nicht zu meinem Vergnügen , so doch im Interesse meines Geschäfts , und daß ich nach dieser Seite hin bereits nur zu viel nachzuholen hatte ! So kehrte ich denn ohne Seufzen in unsere Stadtwohnung zurück und noch über Tisch wurde unter mancherlei Scherzen die Liste der einflußreichen Personen entworfen , mit welchen wir , wie Hermine sagte , vorläufig einmal ein gesellschaftliches Experiment machen wollten . Ich wüßte nicht , daß dies Experiment von besonderem Erfolg gekrönt gewesen wäre . Allerdings kam man uns auf das Freundlichste entgegen ; ich meinerseits gab mir die mögliche , und , wie ich mir schmeichelte , nicht ganz vergebliche Mühe , einen guten Gesellschafter und angenehmen Wirth zu machen , und Hermine brauchte sich wahrlich keine Mühe zu geben , um in der Gesellschaft die liebenswürdigste der Liebenswürdigen zu sein . Ueber diesen letzteren Punkt schien auch soweit ein junger Ehemann in einem solchen Falle sich ein unbefangenes Urtheil zutrauen darf , in der Gesellschaft nur eine Stimme . Die Herren waren voll aufrichtiger Bewunderung ihrer Erscheinung , ihres Benehmens und was sich denn sonst noch an einer reifenden jungen Frau bewundern läßt ; und wenn die Bewunderung der Damen vielleicht nicht eben so aufrichtig war , so wußten sie derselben einen um so enthusiastischeren Ausdruck zu geben , daß es eines viel feineren Kopfes , als dessen ich mich rühmen konnte , bedurft hätte , um für all die schönen Dinge , die mir über meine Frau laut in die Ohren geflüstert wurden , immer eine passende Antwort zu