ihn , daß ihn Steinert nicht , wie in früheren Jahren seinen Vater und die anderen Edelleute , als den gnädigen Herrn ansprach , sondern ihn schlechtweg Herr Lieutenant nannte . Es dünkte ihm eine verkehrte Welt zu sein , in welcher Adam Steinert behaglich und trocken in seinem Wagen einherfuhr , während er , der Freiherr Renatus von Arten-Richten , als Quartiermacher in Regen und Nebel durch das Land zog , und obschon er gleichzeitig diese Empfindungen und die Empfindlichkeit , zu der sie sich in ihm verwandelten , thörichte und zu bekämpfende nannte , fühlte er sie doch in einem solchen Grade , daß sie ihm alle Freiheit des Behabens nahmen . Es dünkte Renatus also doppelt lästig , daß der Wirth sofort wieder von der Einquartierung zu sprechen anfing , da der Lieutenant sie wirklich auch für Marienfelde anzumelden hatte . Steinert verließ , sobald er davon hörte , seinen Wagen , und wie er nun in seiner bestimmten Weise von dem jungen Offizier genaue Auskunft forderte , wie er Fragen stellte , welche Renatus ihm zu beantworten verpflichtet war , da kam noch einmal und noch stärker der Gedanke über diesen , daß die Welt sich umgewandelt habe . Er besaß im Allgemeinen wenig Leichtigkeit , und das Mißbehagen nahm ihm diese vollends . Er gab Steinert kurz und trocken die Zahl der Leute , der Pferde , den Tag ihrer Ankunft in Marienfelde und die Dauer ihres Aufenthaltes an . Steinert , der die kalte , abweisende Haltung des jungen Mannes nach der Freundlichkeit , mit welcher er ihm entgegen gekommen war , mit Recht als einen Hochmuth und eine Unhöflichkeit betrachtete , verzeichnete die Angaben in seinem Taschenbuche , dankte für die Mittheilung und bemerkte , sich zu dem Wirthe wendend , er sei in diesen Zeiten immer recht von Herzen froh darüber , daß er gleich ein tüchtiges Stück von dem Schlosse abgebrochen habe , nachdem er sein Gut gekauft ; denn große Schlösser seien jetzt ein wahres Verderben für den Gutsbesitzer , der in ihnen immer die ganze Generalität zu beherbergen und zu ernähren bekomme , während er schon Noth genug habe , sich mit den Seinigen durchzubringen . Renatus hörte darauf , wie Steinert sich des zeitigen Frühjahres freute und es günstig für die Arbeit nannte , und wie der Wirth ihm kopfschüttelnd entgegnete : Was hilft uns das , wenn sie uns die aufgegangenen Saaten wieder vom Felde in die Raufen schleppen und das reife Korn zu Schüttstroh nehmen , wie vor Jahren ? Man möchte die Arme am liebsten über einander schlagen und die Felder brach liegen lassen , da hätte man wenigstens nicht den Aerger über die ganze vergebliche Mühe ! Ja , nichts thun , oder arbeiten was die Knochen halten wollen , versetzte Steinert , das ist die Frage , um die es sich jetzt handelt . Rasch schaffen , Alles zu Gelde machen , wenig brauchen , das Geld sichern und abwarten , bis man wieder mit Zuversicht an ein Unternehmen gehen kann - so habe ich ' s die ganzen Jahre her gehalten . Wo sie nichts finden , können sie nichts nehmen , und meiner Haut wehre ich mich noch . Es werden Viele zu Grunde gehen in dieser Zeit , denn es sieht bedenklich auf den meisten Gütern aus , und wer den letzten Thaler in der Tasche haben wird , der wird einmal was machen können ! Er trank das Glas Bier aus , das er gefordert hatte , und ging nach seinem Wagen , als der Bursche des jungen Freiherrn diesem sein Pferd vorführte . Steinert sah , wie der Wirth dem jungen Offizier den regenschweren Mantel reichte , wie Renatus ihn um seine Schultern hing . Da kam eine jener Rückerinnerungen , welche dem jungen Edelmanne vorhin seine gute Laune genommen hatten , auch über Steinert ; aber sie hatte jenen hart und ungerecht gemacht und dieser ward durch sie besänftigt . Wollen Sie mit mir fahren , Herr Baron ? fragte er . Es kommt mir auf einen Umweg nicht an , meine Pferde sind frisch ; wir binden Ihren Schimmel an , ich fahre Sie bis Rothenfeld , und bis dahin läßt der Regen vielleicht nach . Er stand an seinem Wagen und schlug das Spritzleder einladend zurück ; aber Renatus konnte sich nicht überwinden , der wohlgemeinten Aufforderung zu folgen . Er dankte ihm für seine gute Absicht . Nun denn , rief Steinert , so leben Sie wohl und kehren Sie Ihrem Vater , dem Freiherrn , aus Rußland wohlbehalten wieder . Es wird ihm nahe gehen , Sie im Felde zu wissen , und er ist kein Jüngling mehr . Sie werden überhaupt hier zu Lande mancherlei verändert finden ! Damit fuhr er fort ; auch Renatus stieg zu Pferde , aber das ganze Zusammentreffen mit Steinert hatte ihm einen peinlichen Eindruck hinterlassen und die letzten Worte desselben waren ihm schwer auf das Herz gefallen . Was hatte er damit andeuten wollen ? Was war geschehen ? - Der schlimmste Reisegefährte , die unbestimmte Sorge , hatte sich dem jungen Manne zugesellt und wollte nicht von ihm weichen , wie er sie auch zu bannen versuchte . Es war das erste Mal , daß er sich der Heimath nicht freien Herzens näherte , daß seine Gedanken sich ernstlich mit den Umständen und Vermögensverhältnissen seines Hauses beschäftigten . Der Freiherr hatte es dem Sohne niemals fehlen lassen , und obschon dieser weder ausschweifende Neigungen noch übertriebene Bedürfnisse besaß , war er doch gewohnt , jeden seiner Wünsche zu befriedigen . Er wußte , daß sein Vater kein guter Rechner , kein umsichtiger Landwirth sei und viel verbrauche . Das war aber , wie Renatus meinte , bei einem Edelmanne sehr erklärlich , und man hatte es nur zu bedauern , daß der Freiherr bisher niemals passenden Ersatz für Steinert hatte finden können ; denn gerade die besten Landwirthe hatten mit Renatus oft davon gesprochen ,