ihm stark und lebendig , und indem ihm fortwährend neue Witze einfielen , über die er lachen mußte , traten ihm zugleich Tränen in die Augen , so sehr freute er sich darauf , ihr nun endlich gegenüber zu sein und mit ihr zu plaudern . Aber es fand sich , daß Dortchen schon am Sonnabend viele Meilen weit weggefahren war , um eine Freundin zu besuchen , und wenigstens drei Wochen lang wegbleiben wollte . Hilf Himmel ! welch ein Donnerschlag ! Der ganze schöne Sonntagsfrühling in Heinrichs Brust war mit einem Zuge weggewischt , die Narrheiten und Witze tauchten unverweilt ihre Köpfe spurlos unter die Flut der dunkelsten Gesinnung , und der blaue Himmel ward schwarz wie die Nacht vor Heinrichs Augen . Das erste , was er tat , war , daß er wohl zwanzigmal den Weg vom Garten nach dem Kirchhofe hin und zurück ging , und er drückte sich dabei genau an die Kante des Pfades , an welcher Dortchen hinzustreifen pflegte mit dem Saum ihres Gewandes . Aber auf diesen Stationen brachte er weiter nichts heraus , als daß das alte Elend mit verstärkter Gewalt wieder da war und alle Vernunft wie weggeblasen . Das Gewicht im Herzen war auch wieder da und drückte fleißig darauf los . Diese drei Wochen glaubte Heinrich nicht erleben zu können und beschloß , sich so bald als möglich fortzumachen . Er zwang sich deshalb zur Arbeit , so gut es gehen wollte . Zum Glück war dieselbe vor dem Liebeswetter schon so weit gediehen , daß es nur der fortgesetzten Anstrengung weniger Tage bedurfte , um zu Ende zu sein ; allein wenn Heinrich unter bitteren Schmerzen eine Stunde gemalt hatte , mußte er die Pinsel wegwerfen und in den Wald hinauslaufen , um sich wieder zu verbergen ; denn unter den Menschen wußte er nicht , wo er hinsehen sollte . So brauchte er dennoch volle drei Wochen , bis er fertig war , und diese schienen ihm volle drei Jahre zu dauern , während welcher er tausend Dinge und doch immer ein und dasselbe lebte und dachte . Wenn es schönes Wetter war , so machte ihn der blaue Himmel und der Sonnenschein noch tausendmal unglücklicher , und er sehnte sich nach Dunkelheit und Regengüssen , und traten diese ein , so hoffte er auf den Sonnenschein , der ihm helfen würde . Überdies begann er allerlei Unstern zu haben , da er fortwährend zerstreut war . So trat er eines Tages fehl , als er einen steilen Klippenpfad heruntersteigen wollte , und torkelte wie ein Sinnloser über die Felsen hinunter , daß er nicht wußte , wie er unten ankam , und ihm die Sinne vergingen . Dies kränkte und schämte ihn so heftig , daß er elendiglich zu weinen anfing . Ein andermal eilte und klomm er hastig den Berg hinauf , immer höher , um weiter in das Land hinauszusehen , als ob er alsdanm Dortchen entdecken könnte , und als er endlich ganz oben angelangt und sie nirgends sah , legte er sich auf den Boden und schluchzte jämmerlich , und das Unwetter tobte so heftig in ihm , daß es ihn emporschnellte und herumwarf , wie eine Forelle , die man ins grüne Gras geworfen hat und die nach Wasser schnappet . Wiederum ein andermal setzte er sich auf einen verlassenen Pflug , welcher in einer angefangenen Ackerfurche lag , und machte ein trübseliges Gesicht ; denn er begriff nicht , wie jemand noch Freude daran finden könne , zu pflügen , zu säen und zu ernten , und er machte allem Lebendigen umher Leerheit , Nichtigkeit und Seelenlosigkeit zum Vorwurf , da er Dortchen nicht hatte . Da schlenkerte ein vergnügt grinsender Feldlümmel daher , der ein irdenes Krüglein an einem Stricke über der Schulter trug , stand vor ihm still , gaffte ihm in das betrübte Gesicht und fing endlich an , unbändig zu lachen , indem er sich mit dem Ärmel die Nase wischte . Schon das arme Krüglein tat Heinrich weh in den Augen und im Herzen , da es so stillvergnügt und unverschämt am Rücken dieses Burschen baumelte ; wie konnte man ein solches Krügelchen umhertragen , da Dortchen nicht im Lande war ? Da nun der grobe Gesell nicht aufhörte , dazustehen und ihm ins Gesicht zu lachen , stand Heinrich auf , trat weinerlich und leidvoll auf ihn zu und schlug ihm dergestalt hinter das Ohr , daß der arme Kerl zur Seite taumelte , und ehe der sich wieder fassen konnte , prügelte Heinrich all sein Weh auf den fremden Rücken und schlug sich an dem brechenden Kruge die Hand blutig , bis der Feldlümmel , welcher glaubte , der Teufel sei hinter ihm her , sich aus dem Staube machte und erst aus der Entfernung anfing , mit Steinen nach dem tollen Heinrich zu werfen . Langsam ging dieser davon und bedeckte seine überströmenden Augen mit beiden Händen . Solche Kunststücke trieb er nun , und der Himmel mochte wissen , wo er sie gelernt hatte . Endlich aber stellte sich von dem andauernden Druck des besagten goldenen Bildes ein bleibender körperlicher Schmerz auf der linken Seite ein , der erst nur ganz leise war und sich nur allmählich bemerklich machte . Als ihn Heinrich endlich entdeckte und von der gewohnten Beklemmung unterschied , fuhr er unablässig mit der Hand über die Stelle , als ob er wegwischen könnte , was ihm weh tat . Da es aber nicht wegging , sagte er » So , so , nun hat ' s mich ! « denn er dachte , dieses wäre nun das wirkliche und wahrhaftige Herzeleid , an welchem man stürbe , wenn es nicht aufhörte . Und er wunderte sich , daß also das bekannte Herzweh , welches in den Balladen und Romanzen vorkommt , in der Tat und Wahrheit existiere und gerade ihn betreffen müsse . Erst empfand er fast eine kindische Schadenfreude , wie jener Junge ,