zurück . « Wandel bewunderte die Laune der Fürstin und die Farben ihrer Stickerei . Sie stieß halb muthwillig seine Hand fort . - » Mir ist immer bange , wenn Sie etwas anfassen , daß die Farbe ausgeht . Haben Sie nicht wieder eine chemische Tinktur an der Hand kleben ? « - » Erlaucht vergessen , daß die Chemie die schönsten Farbestoffe präparirt . « - » Bis sie nicht die Schminke erfindet , die einen Todten lebendig macht , geb ' ich nichts auf Ihre Wissenschaft . « - » Sie fordern zu viel . Den Schein des Lebens herzustellen , gilt doch für das höchste - « » Was sie geleistet hat , « fiel die Fürstin ein , » und eben darum hasse ich sie . Eine scheinbare Tugend , ein scheinbarer Reichthum , ein anscheinend blühender Staat , und Alles übertünchte Gräber - durch Ihre Chemie . - Was fixiren Sie Adelheids Freund ? « Wandel senkte die Augen : » Hippokratische Züge . « - » Qu ' importe ! Schmeckt der Blumenhonig den Schmetterlingen darum weniger süß , weil sie nur ein Schmetterlingsleben führen ? « - » Der Schmetterling weiß freilich nicht , wie lang sein Lebensfaden ihm zugemessen ist , aber - « der Legationsrath beugte sich näher zur Fürstin - » aber , ich kann Ihnen nicht verhehlen , man begreift meine erlauchte Freundin nicht . Sie begünstigten das Verhältniß , und thun nichts , ihm eine Zukunft zu sichern . « - » Was heißt Zukunft ? « - » Der alte Bovillard stellt sich auf die Hinterfüße . Seit er die Flasche alten Weines , die seinen provencalischen Adel enthält , entkorkt , ist der Duft ihm ins Gehirn gestiegen . Er will nichts für seinen Sohn thun . Mamsell Alltags Vater ist eben so närrisch von seiner neuen Würde benommen . Am Hofe hat man noch einen Degout gegen den jungen Wüstling . Wenn Niemand etwas für sie thut ! Verschaffen Erlaucht ihm bei Ihrer Legation eine Stellung , und er ist vernünftig genug geworden , um zu wissen , was der Begriff Vaterland werth ist . « - » Haben Sie für nichts Anderes zu sorgen ? « sagte die Füistin , wieder mit ihrer Arbeit beschäftigt . Der Legationsrath griff gedankenlos nach dem Hut . Es kam zwischen Seufzen und Gähnen heraus : » Wenn man nur nicht so viel Gefälligkeiten übernommen hätte ! « - » Und sich nicht so rücksichtslos für seine Freunde und Freundinnen opferte ! « fiel die Gargazin ein . - » Spotten Sie nur ! Mir wird der Kopf zuweilen wüst . « - » Dafür haben Sie ja Arkana zur Hand . « - » Die larmoyante Liebelei des Rittmeisters und der Baronin ennuyirt die Freunde . « - » Les Georges Dandins l ' ont voulu . « - » Nun soll ich die Platoniker wieder auseinander bringen , oder vielmehr aneinander . Man wünscht ein Gezänk , wobei sie sich in die Haare geriethen , einen Eclat , einen coup de main , eine Pulverexplosion . « - » Ich auch , « sagte die Fürstin . » Die Luft wird unerträglich schwül . « - » Der Mann , der Baron , ist zu gar nichts zu gebrauchen . Das ist das Schlimme . « - » Die Baronin scheinen Sie seit einiger Zeit wirklich in Affection genommen zu haben . « - » Ich ? « - Pardon ! Ich vergaß , daß Sie keine Affrktionen haben . » Gehen Sie morgen wieder zur Lupinus ? « - » Die unglückliche Frau bedarf des Trostes . « - - » Der Mann wohl nicht ? « - » Er ist in Momenten so glücklich . Er kann sich über das Geringste , was seinen Phantasieen schmeichelt , wie ein Kind freuen . Ein alter Einband , eine neue Lesart , die er entdeckt zu haben glaubt . Auch . , meine erlauchte Freundin würde ihre Lust daran haben , denn man kann sagen , es schwebt gewissermaßen schon die Glorie der Erlösung um seine Stirn . Lange wird er es nicht machen . Da ist es denn Pflicht seiner Freunde , was sie vermögen , die letzten Augenblicke ihm zu versüßen . « - » Die Luft im Krankenhause soll abscheulich sein . Nehmen Sie sich in Acht . « - » Die Geheimräthin ist zu eifrig in ihrer Pflege , zu excentrisch , um immer die gehörige Vorsicht zu beobachten . Sie erinnern sich , bei dem Jean Paulfeste , wie Adelheid beinahe verbrannt wäre . « Die Fürstin sah über die Arbeit starr vor sich hin : » Es ist etwas eigenes , das Kapitel von Sympathieen und Antipathieen . « - » Von den Sympathieen haben wir das corpus delicti vor uns , « lächelte Wandel , auf das Liebespaar blickend . - » Aber die Antipathieen haben etwas Monströses , « sagte die Gargazin , » weil wir sie mit allem Verstande uns nicht zu erklären wissen . Giebt es einen Gegensatz zum Magnet , einen Stein , der abstößt ? « - » Feuer und Wasser mischen sich nicht . « - » Das ist es nicht , was ich meine . Das eine löscht doch , das andere durchglüht das andere . Aber wer erklärt diese innere Seelen- und Körperangst , die ein vernünftiges Wesen oft vom ersten Erblicken an gegen das andere empfindet ? den angebornen Widerwillen , den geheimen Schauder , wo gar kein vernünftiger Grund da ist ? « - » Doch vielleicht der Kitzel zu Paradorieen ! Das häßlich zu finden , was Andere entzückt , fordert der Widerspruchsgeist von selbst auf , der gerade begabten Naturen eigen ist . « - » Warum fürchtet sich Haugwitz vor Ihnen ? « Wandel schien etwas betroffen . Er wollte von dem Unglück sprechen , von geheimen Feinden verredet zu werden , wo ein Ehrenmann