drittens und schließlich handelt . Ihr sagt , alle Blüthen hätten Euerm Leben abgeblüht , alle wären Euch tückisch geraubt worden ? Donner und Hagel ! Ist das eine Sprache für einen Mann , oder überredet sich nicht vielmehr also ein krankes Gemüth , eingesperrt in dumpfiger Zelle ? Welches Glück vermißt Ihr ? Den Besitz einer Jüdin , vor der jeder Rechtgläubige ein Kreuz schlägt , weil sie ein Satanskind ist , wenn gleich ein recht feines . Glaubt mir , junges Herrlein , ob ich gleich nicht gelahrt bin , wie Ihr , durch die Juden ist alles Unglück auf die Erde gekommen . Wer erschlug den guten Christen Abel ? Der abscheuliche rothköpfige Jude Kain . Wer hat unsern Herrn und Heiland verrathen und verkauft , den rechtschaffensten Christen seitdem die Welt steht ? - Der verfluchte rothhaarige Jude Ischarioth . Wer hat den wackern Haman aufhängen lassen , und den ganzen Hofstaat des damaligen römischen Kaisers Ahasverus ? Wer anders als die abscheuliche Esther , die einen Ohm hatte , zehnmal schlechter als der Eure ? Seht , indem ich also an Alles das denke , was mir in der Jugend der Leutpriester zu Friedberg eingebläut hat , so dreht sich mir das Herz um bei dem Namen Esther . Ihr und ich , und die Euern wären nimmer dergestalt in die Tränke gekommen , wären Ben David der Jude nicht gewesen , und nicht dessen Tochter Esther , an deren Haupt Ihr die Hörner nicht sehen wollt , wie unter den Fransen ihres Kleides nicht die Pferdefüße . Wißt Ihr , woher das kömmt ? Weil sie Euch einen Liebestrank beigebracht hat bei zunehmendem Mond . Wenn sie Euch liebte , warum ließ sie sich nicht taufen ? Warum lief sie davon ? Eine schöne Sippschaft in die Ihr schier gerathen wärt . Der Vater hängt vielleicht schon irgendwo am lichten Galgen , oder sucht in der Ferne ein Paar neue Ohren . Der aus den Wolken gefallne Bruder wird vielleicht in diesem Augenblick als Falschmünzer in kochendem Öl gesotten , und das heuchlerische Esterchen ..... Nun , nun ! runzelt nur die Stirne nicht also , und haltet Eure Geduld nur ein klein wenig noch fest . Ich meine es ja nicht so böse , aber ich denke , der liebe Herrgott wird wenig Freude daran haben , wenn er Euch vor seinem Altare stehen sieht , im Meßgewand , den Kelch mit seinem heiligen Blute in Händen , und das Bild einer unheiligen Jüdin im Herzen ! « - Dagobert unterbrach durch eine heftige Bewegung den Redefluß des Edelknechts , der in seinem ganzen Leben nicht so viel auf einmal geredet hatte , und , nachdem er der Freundschaft dieses unerhörte Opfer gebracht , sich allenthalben und vergebens in der dürftigen Zelle nach einem Trunk Wein umsah , um sünen dürren Gaumen zu netzen . » Wir sind Freunde gewesen , so Du weiter fortfährst , altes Sieb ! « sagte Dagobert heftig , und ein Funke des alten lebendigen Geistes schlug aus seinen Augen . » Beinahe kommt mir der Glaube an , daß man Dich , den wunderlichen Redekünstler , abgesandt , um mich kirre zu machen . An den unüberlegten Worten eines rohen Fechtmeisters soll mein Vorsatz stumpf werden , der schon Vaters Ermahnungen , den Bitten der Mutter und der Mißbilligung des hochwürdigen Johannes widerstand ? Welch ein Mensch wär ' ich dann ? Du , - Ihr Alle begreift es nicht , was ich an Esther verloren ; Ihr wißt nicht , daß dieses Mädchen in seinem Irrthume reiner und heiliger ist , als die frömmste Nonne . Ihr ahnt nicht den Werth des Kleinods , das von meiner Brust fiel in das tiefste Meer . Die Welt bietet mir keine Freude mehr ; aber diese kleine Zelle , in welcher ihr Bild zum allererstenmale in mir emporstieg , ist jetzt noch von ihm erfüllt , wird es ewig seyn . Darum will ich selbst der Mutter Schwur erfüllen , und nicht feilen Miethlingen die Sorge überlassen . Hätte ich einen Seelenfreund , einen Blutsverwandten , der aus reiner Anhänglichkeit für mich das Kreuz auf sich nehmen wollte , vielleicht hätte ich , wenn gleich wider Wunsch und Willen , den Bitten der Ältern willfahrt ; aber da dieses nicht war , nicht ist , so ist ' s beschlossen , auf immerdar , hier in Abgeschiedenheit die Lust zu genießen , welcher ich in der Welt entbehren würde auf ewig ! « - » Thor aller Thoren ! « rief Gerhard aufspringend aus : » Ihr redet also , und draußen lacht der blaue Himmel , rauschen die dichten Zweige , und zwischen ihre Schatten streut Frau Sonne ihre Goldstrahlen , welche den Saft der Traube kochen , und im Voraus Jedem Fröhlichkeit in ' s Auge blitzen , wie in ' s Herz ? Wie anders würdet Ihr reden , hättet Ihr mit mir die heitre Rheinfahrt gemacht auf dem blankem Wasserspiegel , durch gesegnete Fluren und heitre Städte ; hättet Ihr mit mir erklimmt die Burgen der Freunde , wo es treuen Händedruck gab , und Sang und Klang und Berglust ; hättet Ihr mit mir die Thäler besucht , wo aus jeder Hütte ein freundlich Dirnengesicht lacht , von jedem Giebel schier der lustige Tannenbusch schwankt , und mit Fidel und Schalmei die Erndte gesammelt wird ; hättet Ihr mit mir gekostet vom herrlichen Weine , den der Keller des Bürgers aufweisen kann , wie die Gewölbe der Schlösser und das plumpe Faß des Weinbauers ! Kreuz und Dorn ! Wer jemals zu Bacharach saß auf dem Stalecker Fels , den Scheitel mit Reblaub bekränzt , ein Mädel im Arm , den Pokal in der Hand , und den Blick weit schweifend über Strom , Städte , Schlösser , Berge und Ebenen , - und hat nicht den Herrn gepriesen unter dem Dache seines prachtvollen Hauses , ... der freilich hat an der ganzen