ihm mehrmals erzählt werden . Sein durstiger Wunsch war , so gesund zu werden , als er zum Kriege mit dem Spanier brauchte , und dann als ein Toller ihm die Beichte aller Streiche und Gauklereien auf einem Sterbebette , worauf er ihn zu legen dachte , abzupressen : » Dann « ( setzt ' er jedesmal lächelnd hinzu ) » kann es mir wohl egal sein , ob die Welt rund wird oder eckig , und nach Frankreich ist mein erster Schritt . « Albano mußte dieses griechische Feuer des Zorns , das am Ende zur stärkenden Kur des durch Demütigung erfrornen Körpers wirkte , immer tiefer unter sich brennen lassen , da jedes Löschen es nur nährte ; nur mußt ' er wachen , daß er keine freie einsame Minute bekäme , um brennend zu entspringen und den Spanier aufzusuchen . Albano wich Tag und Nacht nicht von seinem Kanapee-Lager , auch aus andern Gründen . Denn war Schoppe einsam und sein Mordian schlief ( den er niemals weckte , weil der Hund , sagt ' er , offenbar träume und da in idealischen Welten fliege und schnuppere , wovon auf den Gassen der wirklichen kaum eine Schatten-Spur zu wittern sei ) , war er also allein mit dem stillen Tier ( denn wacht ' es , so hatt ' er Gesellschaft genug ) und sein Blick fiel zufällig auf seine Beine oder Hände : so fuhr seine kalte Furcht über ihn her , daß er sich erscheinen und den Ich sehen könne . Der Spiegel mußte verhangen werden , damit er sich nicht fände . Seine Nächte waren ohne Schlaf , aber die Träume gingen nackt und keck um ihn . Albano opferte ihm leicht seine gesunden Nächte , konnt ' aber doch nicht alle Träume des Freundes , diese Gespenster , die sonst vor Lebendigen entfliegen und einsinken , von dannen treiben . Sie schlichen und blickten in Winkel-Schatten der Stube . - Einst gegen Mitternacht war Albano hinausgegangen und traf wiederkommend ihn an , wie er eben mit einer Hand die andere fing und sagte : » Wen hab ' ich da , Mensch ? « - » O guter , bester Schoppe , « ( rief Albano halbzürnend ) » solche grundlose Spiele ! Ebensogut könnte ein Finger den andern fassen ! « - » Ja freilich « , versetzt ' er . » Aber höre , « ( sagt ' er leise und kauerte sich , bückte den Kopf und wies mit dem rechten Zeigefinger über die Nase hin in die Höhe ) » du nanntest mich Schoppe - so heiß ' ich nicht , aber ich darf meinen Namen nicht aussprechen , der Ich , der mich so lange sucht , hörts und fährt her - Ein langer Leichenstein liegt auf dem Namen . Schoppe oder Scioppius konnt ' ich mich sehr wohl nennen , weil mein vielnamiger Namensvetter und Namensvater ( im Bayle steht alles ) sich selber bald so , bald so hieß , bald Junipere d ' Ancone , bald Denius , Vargas , oder Grosippe , oder Krigsöder , Sotelo , bald Hay . - Daß der Mann noch wirklicher Titular-Fürst von Athen und Herzog von Theben war durch ottomanische Kanzlei und Gnade , muß ich ganz zu vergessen scheinen , wenn ich Malteser-Bibliothekar bleiben will . In der Tat trat ich sonst in Gasthöfe noch mit manchem Namen ein , der dem nachsetzenden Ich prächtig mitspielte und vormachte , z.B. Löwenskiold , Leibgeber , Graul , Schoppe ohnehin , Mordian ( den ich meinem Hund schenkte ) , Sakramentierer und einmal Huleu - manche kann ich ganz vergessen haben - Der wahre ist « ( sagte er scheu lispelnd ) » ein ß oder S-s212 - Gib mir eine dritte Hand her - Aus Totenkleidern wird der Name herausgeschnitten , und ich liege darin schon unter dem Grabe . - Ich bin ich das waren zwar des alten hübschen Swifts Endworte , der sonst wenig sagte in seiner so langen Tollheit - Ich möcht ' es aber nicht wagen , so bei mir zu sein - Nu , getrost , die unendliche Weisheit hat alles geschaffen , auch Tollheit in Menge . - Aber Gott gebe nur , daß Gott selber niemals zu sich sagt : Ich ! das Universum zitterte auseinander , glaub ' ich , denn Gott findet keine dritte Hand . « Albano schauderte über den Sinn des Unsinns - Schoppe schien Eis - dann warf er sich plötzlich an die Bruder-Brust - beide sprachen nichts über die Sache - und Albano fing heitere Schilderungen vom glücklichen Hesperien an . So bracht ' er pflegend , schonend , liebkosend , geduldig und einsam die Tage , die er gern zu seiner Flucht aus Deutschland verwendet hätte , mit dem kranken Freunde zu ; und liebte ihn immer heftiger , je mehr er für ihn tat und ausstand . Er wollt ' es durchaus vom Schicksal nicht leiden , daß eine solche Welt voll Ideen ihrem Erdbrand und ein so freies Herz voll Redlichkeit dem letzten Schlage näherkomme . Schoppe hatte in des Jünglings Herzen sogar noch ein größeres Reich als Dian ; denn er nahm das Leben freier , tiefer , größer , mutiger ; und wenn Dians Lebensgesetz Schönheit war , so hieß seines Freiheit , und er ging wie unser Sonnensystem , nach dem Gestirne des Herkules zu . Aller Bitten ungeachtet nahm er keine Heilmittel vom Doktor Sphex ; denn er habe schon , sagt ' er , sich einem alten bekannten Praktiker und Kreisphysikus anvertrauet , der Zeit . Er verstattete Sphexen gern , ein Rezept aufzusetzen , es zu bringen , sah es willig durch , disputierte über den Inhalt , merkte an , es sei leichter , ein Gesundheitsrat zu sein als einen Gesundheitsrat zu ! geben , und er sehe wohl , daß er seinen Zustand treffe , weil er ihn schwächend behandle , was bei Wahnsinnigen