gelten lasse , als seine eigene , und also sein großes politisches Geheimmittel gegen alle die Menschheit drückenden Uebel darauf hinaus laufe : daß alle Regenten zu Platonen werden , oder vielmehr ( da dieß , wenn sie auch wollten , nicht in ihrer Macht steht ) daß der einzige mögliche und wirkliche Plato , Aristons und Periktyonens Sohn , zum Universalmonarchen des Erdkreises erhoben werden müßte , wofern das Reich der Themis und die goldne Zeit des alten Kronos wiederkehren sollte ? Wenn nun aber auch zu dieser einzigen kleinen Veränderung , wie heilbringend sie immer für das gesammte Menschengeschlecht wäre , nicht die mindeste Hoffnung vorhanden ist , wofür will er daß wir seine Republik ansehen sollen ? Doch , dem sey wie ihm wolle , das große Wort ist nun einmal gesprochen , und wir können uns auf unsern Mann verlassen , daß er , seiner verstellten Schüchternheit oder Schamhaftigkeit ungeachtet , keinen Augenblick verlegen ist , wie er sich aus dem Handel ziehen wolle . Er hat sich eines mächtigen Zauberworts bemeistert , womit er sich gegen Hieb und Stich fest machen , womit er , wie man eine Hand umkehrt , Berge versetzen und Meere austrocknen , womit er Alles in Nichts und Nichts in Alles verwandeln kann . Das Bild , das kein Bild ist - des Dings das kein Ding ist , weil es weder von den Sinnen ertastet , noch von der Einbildungskraft dargestellt , noch vom Verstande gedacht und bezeichnet werden kann , mit Einem Wort , die Idee des Dings an sich , das wahre unaussprechliche Wort der Platonischen Mystagogie , die formlose Form dessen was keine Form hat . - Was ist unserm dialektischen Thaumaturgen nicht mit diesem einzigen Aski Kataski 24 möglich ? Ja , wenn unter dem Wort Philosoph so ein Mensch gemeint wäre , wie unsre gewöhnlich sogenannten Philosophen , Sophisten , Allwisser , Liebhaber und Kenner des vermeinten Wahren , Schönen und Guten , welches mit den Augen gesehen , mit den Ohren gehört , mit irgend einem äußern oder innern Sinn gefühlt , von der Einbildungskraft gemalt , von der plastischen Kunst gebildet , vom Verstand erkannt , von der Sprache bezeichnet , und im wirklichen Leben als Mittel zu irgend einem Zweck oder als Zweck irgend eines Mittels , als Ursache irgend einer Wirkung oder Wirkung irgend einer Ursache , gebraucht werden könnte : wenn solche Philosophen die Welt regieren sollten , dann , meint er , würde sie freilich um kein Haar besser regiert werden als dermalen . Aber der Philosoph , der an der Spitze seiner Republik stehen soll und an der Spitze des ganzen menschlichen Geschlechts zu stehen verdient , ist ein ganz anderer Mann ; der hält es unter seiner Würde , sich mit Betrachtung und Erforschung all des armseligen Plunders der materiellen und einzelnen Dinge , abzugeben , welche ( wie der verkappte Sokrates dem ehrlichen Glaukon mit seiner gewöhnlichen dialektischen Taschenspielerkunst sehr wortreich und auf mehr als Eine Manier vorspiegelt ) weder Etwas noch Nichts , sondern eine Art von Mitteldingen zwischen Nichts und Etwas sind . Das hauptsächlichste , wo nicht einzige Geschäft seines Lebens ist , sich auf den Stufen der Arithmetik , Geometrie und Dialektik zur Betrachtung der einfachen und unwandelbaren Ideen der Dinge , und von diesen übersinnlichen Wesen bis zum mystischen Anschauen des höchsten Ontôs On oder Urwesens aller Wesen zu erheben , über welches , als etwas an sich Unbegreifliches und Unaussprechliches , ihm eine deutliche Erklärung nicht wohl zuzumuthen ist , und da er durch diese gänzliche Versenkung seines Geistes in das , was an sich wahr , schön , gerecht und gut ist , nothwendig selbst durch und durch wahr , edel , gerecht und gut werden muß : wo könnten wir einen Sterblichen finden , welcher tauglicher und würdiger wäre , die Welt zu regieren , als er ? Alles dieß aus einander zu setzen , und nach seiner Manier zu beweisen , d.i. seinen glaubigen Zuhörern durch weit ausgeholte Fragen , Inductionen , allegorische Gleichnisse und subtile Trugschlüsse weiß zu machen , beschäftigt unsern Sokrates in dem größten Theil des sechsten und siebenten Buchs ; und da die Natur des Dialogs ihm völlige Freiheit läßt sich nach Belieben vorwärts und seitwärts zu bewegen , und sich über dieses und jenes , was er mit Vortheil in ein helleres Licht zu setzen glaubt , mit Gefälligkeit auszubreiten , so war natürlich , daß er - bei Gelegenheit der Schilderung des ächten Philosophen , der bis zum Wahren und Schönen selbst vorzudringen und es in seinem Wesen anzuschauen vermag , im Gegensatz mit den eingebildeten Allwissern und Philodoxen 25 , die ihre Meinungen von den Dingen für die Wahrheit selbst ansehen - über die Quellen der Vorurtheile , welche der große Haufe , besonders in den höhern Classen , gegen die ächten Philosophen heget , über die Ursachen , warum man sie mit anscheinendem Recht für unnütze und vornehmlich zum Regieren ganz untaugliche Leute halte , und über den Grund , warum auch die Philosophen ihres Orts mit Verwaltung solcher heilloser Republiken , wie die gegenwärtigen alle seyen , nichts zu thun haben mögen - sich alles dessen , was er vermuthlich schon lange auf dem Herzen hat , mit vieler Freimüthigkeit entledigt . Dieser Theil des sechsten Buchs , wo Adimanth wieder an die Rede kommt , und durch den Versuch einer Rechtfertigung des popularen Vorurtheils gegen die Philosophen den Sokrates auffordert , sich umständlicher über diese Materie vernehmen zu lassen , scheint mir ( dem persönlichen Antheil , welchen Plato an der Sache nimmt , gemäß ) mit vorzüglichem Fleiß ausgearbeitet zu seyn ; und ausnehmend schön ist unter andern , was er den Sokrates ( den ich hier wieder erkenne und reden zu hören glaube ) von den Ursachen sagen läßt , woher es komme , daß wahrhaft weise und gute Menschen so selten sind , und so manche Jünglinge , mit den herrlichsten Anlagen ,