daß der schöne junge Mann auf einem der Schlachtfelder des österreichischen Feldzuges seinen frühen Tod gefunden habe . Je weiter Renatus aber auf seinem Wege vorwärts kam , um so mehr wurde er von den Erinnerungen an die Vergangenheit abgezogen , denn der Anblick , welcher sich ihm überall darbot , war kein freundlicher . Seit Monaten hatten die Truppen-Durchmärsche auf dieser Straße nicht aufgehört , und überall waren die Spuren davon in trauriger Weise bemerkbar . In den Krügen , in denen er füttern ließ , auf dem Gute , auf welchem er übernachtete , waren die Klagen groß , der wirkliche Nothstand unverkennbar , und die Sorge , wie er es in Richten finden werde , fing an , sich des jungen Freiherrn immer ernstlicher zu bemächtigen . Dazu gesellte sich jenes Bangen , das man stets empfindet , wenn man sich einem ersehnten Wiedersehen naht . Renatus fing zu berechnen an , seit wann er keine Nachrichten aus der Heimath empfangen hatte . Er überlegte , daß er seinen Vater nun seit zwei Jahren nicht gesehen habe , daß sein Vater bei Jahren sei , daß die letzten Monate wohl auch für seines Vaters Güter große Lasten mit sich gebracht haben müßten , und er sagte sich jetzt zum ersten Male , daß es im Grunde doch eine üble Nachricht sei , zu deren Ueberbringer er sich habe machen lassen . Am letzten Tage war für die frühe Jahreszeit das Wetter schwül . In der Ferne zog ein Gewitter vorüber , das seine Regenwolken über das ganze Land ausbreitete . Renatus war nach der Hauptstadt des Kreises gekommen , in welchem seine väterlichen Güter gelegen waren . Er hatte dort der Behörde die Anzeige des bevorstehenden Truppen-Durchmarsches zu machen , die nöthigen Vorkehrungen zu besprechen , und es war ihm sonderbar dabei zu Muthe , daß er hier etwas Anderes , als seine eigenen Geschäfte zu besorgen hatte . Als er seinen Auftrag ausgerichtet , rastete er bei dem Wirthe , in dessen Gasthause der Freiherr einzukehren und zu dem man die Vorlegepferde hinzubestellen gewohnt war , wenn sich Jemand von der Familie auf Reisen befand oder wenn man Besuche erwartete . Der Wirth sagte , daß der reitende Bote aus Richten heute in der Stadt gewesen sei , die Postsendung zu holen ; daß der Herr Baron sich lange nicht hätten sehen lassen und daß er die Zeit nicht denken könne , seit welcher die Frau Baronin zuletzt durch den Ort gekommen sei , die freilich im Winter zu reisen nicht liebe . Er hegte nach Art seiner Standesgenossen offenbar Neigung , mit dem jungen Freiherrn zu verkehren , klagte über die schweren Zeiten , von denen hier Jeder mehr als anderswo gelitten habe und durch die man auf den Gütern noch weit schwerer als in den Städten getroffen worden sei . Er meinte , der junge Herr Baron werde ja wohl von Hause auch davon vernommen haben und nun selber sehen , wie es Alles stehe . Aber Renatus schenkte ihm nicht recht Gehör . Er war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt , um Verlangen nach gleichgültigem Gespräche zu tragen , und gerade weil er viel darum gegeben hätte , den Zwischenraum überfliegen und die Stunden abkürzen zu können , die ihn noch von seinem Ziele trennten , hatte er eine Scheu vor jenen zufälligen Nachrichten aus der Heimath , wie sie dem Entferntgewesenen entgegen gebracht zu werden pflegen . Er hatte Anfangs das Aufhören des Regens abwarten wollen ; aber der Wunsch , vorwärts zu kommen und bei den Seinigen zu sein , wurde mit jeder Stunde lebhafter , und es ward ihm , er wußte selber nicht , weßhalb , je länger desto unheimlicher zu Sinne . Er ging selbst nach dem Stalle , zu sehen , ob man mit den Pferden noch nicht wieder aufbrechen könne , er trat mehrmals vor die Thüre hinaus , nach dem Wetter auszuspähen ; das sah aber gar nicht darnach aus , als ob man ein baldiges Aufhellen erwarten dürfe . Der Wirth unterhielt ihn davon , wie viel Mann Einquartierung er voraussichtlich bekommen werde , berechnete , wie viel Mann auf seine Nachbarn fallen würden , und Renatus dachte , daß er heute zum ersten Male bei seiner Heimkehr in das Vaterhaus hier nicht den Wagen und die Dienerschaft seines Vaters fände . Es ging das freilich mit natürlichen Dingen zu , indeß es war ihm deßhalb nicht weniger unangenehm . Mit einem nicht zu überwindenden Mißgefühle setzte er den Czacko auf und blieb dann neben dem Wirthe unter dem Vordache des Hauses stehen , um zu warten , bis sein Bursche die Pferde gesattelt haben werde . Er konnte es in der geheizten , mit Tabacksdampf erfüllten Gaststube vor Ungeduld nicht mehr ertragen . Als sie so vor der Thüre standen , sahen sie durch den Regen einen verdeckten , leichten Korbwagen herankommen , den zwei starke Braune zogen . Das ist der Steinert aus Marienfelde , sagte der Wirth ; dem können der Herr Baron nur auch gleich sagen , was ihm bevorsteht , denn leer ausgehen wird der auch nicht . Er trat mit diesen Worten an den Wagen heran , weil er meinte , daß Steinert einkehren werde . Dieser hatte es jedoch nur auf ein kurzes Anhalten abgesehen , denn er war nicht weit gefahren , hatte kaum noch eine Stunde bis nach Hause und wollte nur noch hören , ob und was es etwa Neues gäbe . So wie er den Kopf zum Verdeck hervorbog , erkannte er den jungen Edelmann , obschon er ihn seit Jahren nicht gesehen hatte , und mit jener Freude , die jeder Gutgeartete über das schöne Heranwachsen eines Menschen empfindet , den er als Kind gekannt hat , rief er Renatus ein herzliches Willkommen und die Frage zu , was er denn Gutes aus der Ferne bringe . Aber Renatus vermochte ihm nicht in gleicher Weise zu erwiedern . Es verdroß