den Waffen dieser stolzen Königin , aber schon damals brachten die Imperatoren mit ihren Adlern die milden Sitten und eine Gesetzgebung , die die Freiheit selbst war und das Menschenrecht und die geschriebene Vernunft ! Roms Sprache ist die Sprache der Religion , der Wissenschaft , der Denkmäler ! In alle Sprachen der Barbaren mußte sie eingeführt werden , wenn sie die Gedanken der Civilisation aufnehmen wollten , für welche diese keinen Ausdruck hatten . Roms Bischöfe wurden die neuen Befreier der Welt ! Der Ring des Fischers drückt das Siegel auf alle Freiheitsurkunden , die noch die Nationen den Händen ihrer Henker abtrotzen werden ! Roms Hirtenstab hat die Leibeigenen befreit , die Städte gegründet , die Gemeinden geschaffen , die Republiken erleuchtet , sie geschmückt mit Bildern und mit Denkmälern des menschlichen Geistes ! Rom , ohne Waffen , Rom , ein Gedanke , hat allein dem treulosen Corsen ins Auge zu sehen gewagt , muthiger , als Könige und Kaiser , die vor ihm im Staube krochen ! Durch Rom wird das Christenthum erhalten bleiben als ein linder Balsam , der das Gemüth von seinen Wunden heilt ! Nicht , Signora , das jesuitische Rom mein ' ich , das ich hasse , weil die Jesuiten die Freiheit hassen und die Unabhängigkeit der Völker und die wahre Größe des Menschen ... Ha ! Ceccone ! Daß Menschen , wie du , dem wahren Rom ein falsches Gewand umhängen durften ! Ceccone ! Politiker statt Priester , Schergen , die die Patrioten verfolgen , statt sie zu schützen gegen die Feinde Italiens ! Signora ! Lassen Sie Italien frei sein von seinen Tyrannen , von seinen - Ceccones und die Geschichte wird ein Volk der Größe finden , Republiken , die sich mäßigen , ein Rom , das den katholischen Glauben wieder zur Sehnsucht aller Völker macht , auch der abgefallenen ! Das Auge des Italieners leuchtete . Sein weißes Haar schien sich zu sträuben . Der rechte Arm begleitete seine Worte wie mit den Gesticulationen der Rednerbühne ... Monika folgte mit Aufmerksamkeit und voll prüfender Ueberlegung ... Cardinal Ceccone war ein in diesem Augenblick oft genanntes Glied der römischen Curie ... Die Arme auf die Lehne des Sessels stemmend und die Locken schüttelnd , sagte sie : Nein , nein ! Es gibt andere Italiener , die an diese Siege der katholischen Lehre nicht mehr glauben wollen ! Ich verachte sie ! warf ihr Biancchi entgegen . Sie berufen sich darauf , daß gerade ein Ceccone den Purpur tragen kann ! Noch las Ceccone keine Messe ... Nun gut ! Aber aus allem , was Ihr mir von Euren Meinungen verrathet , erseh ' ich doch , daß Ihr dem Unbekannten zu danken habt , der Euch rathen ließ , nach England zurückzukehren ! Was aber Porzia betrifft , laßt sie nicht zu viel in der schönen Bibel lesen , bei der ich sie zuweilen überrasche und die sie so heilig zu halten scheint , wie ihre Guitarre ! Es ist das Geschenk eines freundlichen Mannes , der schon ein wenig alt ist , sonst würd ' ich glauben , daß sie sich schwer von seinem Lande trennt ! sagte Marco und wandte sich mit höflicher Verbeugung zu Porzia ' s Thüre ... Ihr glaubt an die ewige Jugend Roms , das schon so alt ist ? Dann müßt Ihr auch dem Geiste und der Liebe eine Verjüngungskraft zuschreiben ! Wer ist denn der Verehrer dieser Bibel , in der Porzia so eifrig liest , daß ich fast glaube , sie studirt auch die deutsche Sprache darin , ihm zu gefallen ? Biancchi blickte immer auf die Nebenthür und schien auszuweichen , den Namen zu nennen ... Der deutsche Name wird für Eure Zunge zu schwer sein ... Ein Signore Hedemann ist es ! sagte der Italiener festbetonend und verrieth in der prüfenden Schärfe seines Blickes , daß ihm die Beziehung dieses Namens wohlbekannt war zu dem Gatten der freundlichen Dame , die so vertraulich und wohlwollend und offenbar von seinen Aeußerungen angezogen mit ihm plauderte ... zugleich wollte er , als guter Anwalt seiner Nichte , die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen , über einen Mann Erkundigungen einzuziehen , der die in St.-Wolfgang und Kocher am Fall angeknüpfte Bekanntschaft auch noch in der Residenz des Kirchenfürsten fortgesetzt hatte , als er zum Betrieb seiner Ankäufe hieher gekommen und so lange geblieben war , bis Frau von Hülleshoven von Ostende zurückkehrte , wo die Gräfin von Salem-Camphausen Porzia dann beim Wandeln in der Kathedrale entdeckte . Porzia war nach der Abreise ihres Vaters geblieben , um nach Frankfurt erst mit dem Onkel Marco zurückzureisen . Welchen Namen nannten Sie ? sagte Monika und erhob aufhorchend ihr gebeugtes , in Gedanken verlorenes Haupt ... Remigius Hedemann ! wiederholte der Italiener und setzte frank und frei hinzu : Un intendente del Signore Colonello de Hülleshoven ! Bei dieser Bezeichnung schien ihm das italienische Verhältniß zwischen Diener und Freund vorzuschweben , das bei Landbesitzern und großen Adelsfamilien sich dort noch im Sinne der alten römischen Clientel erhalten hat . Hedemann ! sagte Monika erregt und erhob sich ... Statt dem Wunsche des Italieners entgegenzukommen und ihm nun über Hedemann weitere Nachrichten zu geben , winkte sie ihm , er möchte jetzt selbst ins Nebenzimmer treten ... aber auch Porzia hatte eben leise ihre Thüre geöffnet und die Stimme des Onkels gehört ... der Italiener trat zu ihr ein . Wie Monika allein war , sammelte sie sich erst langsam von dem Eindruck , den ihr das plötzliche Nennen eines Namens gemacht hatte , der mit ihren ernsten Lebensbeziehungen in so naher Verbindung stand . Hedemann war , solange sie denken konnte , mit ihrer Familie in der unzertrennlichen Verbindung eines sich nie überhebenden Dieners , Rathgebers und Helfers in aller Noth gewesen ... Daß er und mit ihm der Oberst schon so in ihre nächsten Kreise eingetreten und daß dies zu ihrer Begleitung und Bedienung bestimmte junge Mädchen mit einem sie