rauschenden Wasser stand , da sahen keine rothen Gesichter heraus vom Bürgermeister , und nicht die hässlichen spitzen der Bürgerfrauen - und da - da hörte ich , daß Du glücklich wärst - ich wusste es schon , unter der Linde auf dem Kirchhofe hatte ich Dich gesehen , und die Herrschaften , die im Wagen vor der Schenke schwätzten , derweil ihre Pferde Muth tranken , und ich trank auch Muth , sie sagten mir nichts Neues - und da stach es mich , und trieb mich , Dich wollte ich noch einmal glücklich sehen . - Und das hab ' ich nun auch aufgegeben , da ich weiß - - « Hier waren einige Zeilen von Thränen verwischt . » Das Geld brauchst Du nicht - das kümmert mich auch nicht mehr , - und mich wirst Du vergessen - aber wenn ich nur etwas wüsste , was Dir recht lieb wäre , ich wollte Alles thun , mir einen Finger abschneiden , mich wieder verkaufen , wenn ich nur wüsste - Und nicht wahr , das war nicht unrecht von mir . Manche hat sich betrunken , ehe sie ins Wasser sprang . Ich wollte ja nur Dich noch einmal sehen , Dich sehen , wenn Dein schön Auge so recht aus voller Seele lacht . - Nein , ich werde es nicht mehr sehen - Lebe wohl , Du mein Alles - « Die Unterschrift war wieder von den Thränen ausgelöscht . Aber dahinter noch einige kaum lesbare Zeilen : » Aber ich muß Dich sehen - hilf mir Gott , wenn ich mein Wort breche . Wenn Du in die Kirche gehst mit ihr . Ganz von ferne - sieh Dich nicht um , Du wirst mich nicht entdecken . Trinken muß ich den Strahl aus Deinem Auge , und dann - « Die letzten Worte gingen in ein fieberhaftes Gekritzel über , Walter war von der Lektüre aufgeregt ; aber sein Entschluß schnell gefasst . » Es giebt doch etwas auch neben dem Vaterlande , um was der Mensch sein Höchstes einsetzt , sich selbst . Und wo ist der Sittenrichter , der es kalt verdammt ? « Er nahm das Papier , salzte es und that es in seine Brieftasche : » Ich will ihr Testamentsvollstrecker sein . Wenn sie nur etwas wüsste , was ihm recht lieb wäre , was sie zu seinem Heile thun könnte ! Ich übernehme es für sie . Sein Liebesglück darf durch diese Erinnerung nicht vergiftet werden . Was könnte er ihr helfen , ohne ihre Liebe zu erwidern ! Sie bleibe vor ihm verschwunden , spurlos . Die Wirthin werde ich instruiren . Was er - ohne Liebe , aus Erbarmen für sie thun könnte , kann ich ebenso gut . « Seinen Vorsatz , auf Louis ' Rückkehr zu warten , um mündlich der Überbringer der frohen Botschaft zu sein , gab er jetzt auf . Der Freund weilte zu lange bei seinem Glück . Er nahm Papier und Feder und theilte ihm kurz und klar , was seiner warte , was von ihm gefordert werde , mit . Er stellte sich in den Hintergrund und ließ den neuen Minister selbst den sein , der zuerst sein Auge auf Louis Bovillard geworfen , für sich die bescheidene Rolle eines um Rath Befragten vindicirend , welcher nur aus vollem Herzen die Eigenschaften bestätigen können , welche der Minister bereits in ihm entdeckt . Einundsiebenzigstes Kapitel . Ein volles Bekenntniß . Im Hause der Fürstin hatte sich seit jenem Gesellschaftsabend Vieles ereignet , von dem wir nicht Zeuge waren ; es drückte sich auf den Physiognomien ab . Adelheid war heut beim Theetisch eine Hebe ; sie ging nicht , sie schwebte . Sie schien fortwährend zu singen . Man hörte es nicht , aber man fühlte es . Ihr Gesicht hatte einen andern Ausdruck . Der Legationsrath bemerkte es gegen die Fürstin . » Ei ! « sagte die Gargazin mit einem besondern Blick . » Ich glaubte , dafür hätten Sie keine Augen ? « - » Für die Schönheit ! « - » Nur für die , welche Sie zergliedern können . Adelheid giebt das den Reiz , was Sie nicht lieben , die Harmonie der Seligkeit . « - » Ein Nebelbild ! « - Wandel blickte dabei scharf aber ruhig auf Louis Bovillard , der in sich versunken im Fauteuil saß , und die Theetasse mit einem verstohlenen Kuß auf die Hand hinnahm , welche sie ihm reichte . Die Beiden hätten das Gespräch kaum gehört , auch wenn es laut geführt worden . Wer sich aber wundert , den Legationsrath auch in dem kleinen Kreise zu erblicken , in dem Louis Bovillard ihm gegenübersitzt , dem sagen wir , daß in der Stadt ein Gerücht umlief , daß zwei Kavaliere neulich in der Jungfernhaide ihre Pistolen versucht ; es sei kein Blut geflossen , aber einige dürre Zweige wären abgefallen . Was ging Louis der Legationsrath noch an ? auch der Legationsrath hatte an anderes zu denken . Er war heut nur auf eine Viertelstunde gelegentlich angesprochen , nachdem die Familie aus dem Thiergarten zurückgekehrt . » Was geht Sie das an ? « replicirte die Fürstin , ihre Stickerei wieder vornehmend . - » Alles Leben ist ein Traum ! « rief der Legationsrath nach einer Pause . Die Fürstin hielt die Nadel an : » Fallen Sie nicht aus der Rolle , Herr von Wandel ? « - » Welcher ? « - » Die Sie die Güte haben , vor sich selbst aufzuführen . A propos , ich bemerke , Sie fangen an , wenig zu essen und vom Glase nur zu nippen . Das ist für Berlin zu spät , man kennt Sie einmal als Gutschmecker . Sparen Sie sich die Rolle des St. Germain für Sibirien . Sie können sich dort mit einem Schamanenzauberer associiren . Vielleicht kommen Sie in einer ganz neuen Incarnation nach Europa