daß ein Schwarm Spatzen einen Adler mürbe zupft . Aber darum foll man doch nicht mit Kanonenkugeln gegen Spatzen schießen , denn damit trifft man sie am schlechtesten . Gegen die Spatzen-Verschwörungen der Welt hilft keinerlei Waffe . Sie zersausen sich schon untereinander ums liebe Futter ; so lösen sie sich selbst in Wohlgefallen auf . Bei dieser Spatzen-Theorie flogen ihm unwillkührlich all die Spatzenschwärme vorüber , die im Leben herumpiepen . Da sind die magern Spatzen mit geblähtem aristokratischem Kropf , die dem sogenannten » Staate « ihre Dienste weihen . Jeder dieser Wichte hält sich für ein hochwichtiges Rad des Regierungswagens und alles , was außerhalb dieser Sphäre liegt , für untergeordnetes Unterthanengesindel . Jeder muß kriechen vor Jedem über ihm - der Hauptmann vorm Obersten , der General vorm Commandirenden , der Regierungsrath vorm Geheimrath , der Geheimrath vorm Minister , und alle miteinander kriechen bäuchlings vor jedem gräflichen Hofschranzen und Titularlakeien , um endlich vor » höchsten und allerhöchsten Herrschaften « einen Veitstanz des Byzantinismus aufzuführen . Der Adelspöbel vollendet dies größenwahntolle Strebergepiepe als Massenchorus . Jeder dieser Leute hält sich für hochanständig und bieder , weil er keine silbernen Löffel stiehlt , die bürgerliche Moral intus hat , und dem Nebenmanne nur indirekt das Futter vor der Nase wegstiehlt . Von Interesse für höhere Dinge keine Spur ; die Begriffe der höheren Moral nie auch nur geahnt . Alles eingezäunt in den engsten Kreis hochtrabender Berufspflichten , die höchstens ein fleißiges Biberthum oder eine Fuchsschläue ausbilden können . Zu dieser » Gesellschaft « par excellence gesellt sich nun noch das fette Protzenthum , sei es als Finanzparvenü und Waarenfeilscher jeder Sorte , sei es als Juristen-Rechtsverfälschung , sei es als Gelehrtendünkel Maulwurfshügel für Alpen ansehn , darin beruht der eigentliche Scharfsinn der lieben Welt . Unter den sogenannten » Wissenschaften « stellt lediglich die Chirurgie und die exakte Naturwissenschaft noch etwas Reales vor , schlägt aber ins Urkomische um , wenn sie aus ihrer Seichtigkeit eine Weltanschauung zurechtzimmern will und in kindlichem Unfehlbarkeitsdusel über höhere Gebiete aburtheilt , wie Dubois-Reymond einmal über Goethes » Faust « . Und neben diesen werthlosen Wust und Krimskrams setzt endlich auch noch das Allererbärmlichste , die » Aesthetik « , ihr Häufchen windiger Spreu . Da wimmelt es von Shakespeare-Jahrbüchern und Goethe-Jahrbüchern daß Einem Hören und Sehen vergeht . Von einem Verständniß der Meister natürlich keine Ahnung , statt dessen geistlose Compilationen über jeden Hosenknopf , den man irgendwo in einem Kehricht entdeckte - steht weit abseit , ihr Profanen ! Da entdeckt Einer einen Dritten Theil des » Faust « und beweist , daß der erste Theil ursprünglich in Prosa geschrieben . Darauf aber wird die Urschrift entdeckt , natürlich in Versen - welterschütternde Großthat ! So wird Einer dieser Goethepfaffen stets vom Andern abgethan . » Was ist das für ein Gewäsch über den Faust ! Gebt mir 3000 Thaler jährlich und ich schreibe euch einen Faust , daß ihr die Schwerenoth kriegt ! « rief der titanische Grabbe . In reklame-berühmten Litteraturgeschichten wird daher auch » der thörichte Grabbe « mit einem Fußtritt bei Seite geschleudert . Andre » christliche « Litteraturgeschichten erfrechen sich , den » frivolen Juden Heine « als eine dreiste Null abzuthun . So etwas nennt sich in Deutschland ästhetische Wissenschaft . O Tollheit , o unergründliche Dummheit der Menschen ! Dieses Corps der Rache rümpft die Nase über » moderne Litteraten « und schwindelt einen seichten Reklamegötzen in die Akademie der Wissenschaften hinein : Denn man finde in unsrer traurigen Zeit der Decadence keinen » Litteraten « , sondern nur einen germanistischen Litterarhistoriker würdig , in so illustrer Genossenschaft zu thronen ! Ja , so wird man » groß « in dieser Welt des Humbugs . Man schmiert eine von gröbstem Cretinismus strotzende Litteraturgeschichte , in der man mit oberfauler » Gelehrsamkeit « die scheußliche Lachmannsche Theorie über das Nibelungenlied wiederkäut und über Goethe in heuchlerische Verzückungen geräth , um die » Epigonen « herzlos mit blödem Unverständniß abschlachten zu dürfen . Dann verschafft man sich vor allem einen Nachschub von liebedienerischen Scholaren und schmuggelt dieselben auf alle leer werdenden Lehrstühle ein . Stirbt man dann , so hat man sich solch einen Famulus als Nachfolger herangezüchtet , der eiligst den vakanten Papststuhl des verehrten Vorbilds einnimmt und in seinem Stile weiterackert . So hat man sogar noch seinen Nachruhm sorglich vorweg » versichert . « In den bildenden Künsten derselbe Lügenmechanismus . Gottsträfliche Intriguanten , die als Künstler nichts als geschickte Macher , erobern sich das höchste Ansehn , indem sie die Feigheit der Schwächeren terrorisiren . Denn nicht das künstlerische Können entscheidet . Wer versteht heut etwas davon , heut , wo der Eine bloß die Sujets beäugelt und die schlechtesten Historienbilder für Heldenthaten ansieht , der Andre bloß die Handwerksmätzchen bestaunt und ein raffinirtes Virtuosenportrait für den Gipfel der Kunst hält ! Und als Untergrund dieser ganzen gleißenden Firniß-Gesellschaft die großen Massen , die als Atlas auf ihren nimmer müden Armen diesen Olympos tragen . Bei ihnen regiert wenigstens nur der Kampf ums Dasein in der rohen äußerlichen Form , und man schachert bei ihnen nicht mit den heiligsten Gütern der Menschheit , mit Wahrheit und Kunst . Sie fürchten Gott und das Kriminalgericht , nähren sich schlecht und recht , und schwören im Uebrigen auf ihre Zeitung . Denn was man Schwarz auf Weiß besitzt , kann man getrost nach Hause tragen . Allerdings steht ja dem so beschaffenen Kasernen-Organismus einer bureaukratisch-kaufmännischen Gesellschaft der Originalmensch und gar das Genie wehrlos gegenüber , und muß nothwendig untergehn . Wie darf es sich unterstehn , die Preise zu drücken , den Markt durch seine Ueberproduction zu stören ! Allein , das ist weise das ist naturgemäß . Was sollte aus einer Welt werden wohin würde die Entwickelung gerathen , wenn man statt des hohlen Scheins das Sein anbeten , wenn man die wahren Könige der Menschheit nicht verborgen im Dunkel stehen und die Nichtse auf dem Markte sich spreizen