; aber der andere Herr ist eben so wenig Ihr Bedienter , als ich es bin ! Sie müssen beide mit mir umkehren , ich habe Sie nach der nächsten Kreisstadt abzuliefern ! Sehen Sie Sich vor , was Sie thun ! rief Paul ihm zu . Sie sind kein Beamter unseres Königs ! Sie haben keine Vollmacht , Sie haben kein Recht , friedliche Reisende aufzuhalten , die sich durch ihre Pässe ausweisen können ! Sehen Sie selbst Sich vor , Monsieur Tremann ! versetzte hohnlachend der Franzose . Sie sind der Spionage verdächtig , und der Bundesgenosse und Herr Ihres Königs , der Kaiser Napoleon , pflegt mit Spionen keinen langen Proceß zu machen ! Ich rufe Sie zum Zeugen an , wendete sich Paul , da Herr von Werben sich in der Rolle des Bedienten , wenn auch mit großer Selbstüberwindung , schweigend und zuwartend verhalten mußte , an den preußischen Gensd ' armen , der inzwischen ruhig die Pässe der Reisenden durchgesehen hatte - ich rufe Sie zum Zeugen an , daß hier die Majestät Ihres Königs und Herrn beleidigt wird ! Sie sind ein preußischer Unterthan und Soldat , wollen Sie das geschehen lassen ? Der Angeredete war sichtlich bewegt . Er versuchte , sich in das Mittel zu legen ; aber es war vergebens , daß er dem Franzosen bemerklich machte , daß die Papiere der Reisenden völlig in Ordnung seien und daß also gar kein Grund vorliege , dieselben weiter aufzuhalten . Kein Grund ? rief der Franzose . Aber wenn ich Ihnen nun sage , daß dieser Bediente ein Offizier , ein preußischer Offizier , daß es der Hauptmann von Werben ist , den ich hiermit als Deserteur verhafte ! Wie ein Blitz zuckte es über das Gesicht des Gensd ' armen , als Herr von Werben , nun er sich entdeckt sah , der Verstellung ohnehin längst müde , die Mütze zurückschlug , welche sein Antlitz verborgen hatte , und Jener ihn erkannte . Herr Hauptmann , mein Herr Hauptmann ! Sind Sie es denn wirklich ? rief er in freudiger Bewegung aus . Ja , ich bin es ! entgegnete Werben , indem er aus seiner Brieftasche ein Papier hervorzog - aber ich bin kein Deserteur ! Hier ist mein Abschied , von Seiner Majestät unserem Könige unterzeichnet ! Ich bin frei , zu gehen , wohin ich will , und Gott der Allmächtige weiß es , setzte er knirschend hinzu , warum ein preußischer Soldat und Edelmann gezwungen ist , heimlich zu thun , was er offen zu thun berechtigt ist ! Willst Du Deinen Hauptmann an die Franzosen verrathen , Wendland ? - Er hatte den Schlitten verlassen und war mit dem Gensd ' armen ein wenig seitwärts an den Rand des Gehölzes getreten , als plötzlich dicht hinter ihnen ein Pistolenschuß fiel , dem auf der Stelle ein zweiter folgte . Sie blickten zurück : der Franzose , durch den Kopf geschossen , stürzte von dem Pferde , das , davon aufgeschreckt , zurück jagte . Paul stand aufrecht im Schlitten , die abgefeuerte Waffe in der Hand . Er hat es gewollt ! sagte er finster - der Elende hat seinen Lohn ! Er schoß zuerst , fügte er hinzu , indem er mit der Hand nach der linken Schulter fuhr und sie blutig zurückzog . Sein Blut komme über ihn ! Und jetzt vorwärts , Herr von Werben ! Wir sind jetzt Zwei gegen Einen ! Gott bewahre , wir sind unserer Drei , rief der Gensd ' arme , denn wo mein Herr Hauptmann bleibt , da bleib ' ich auch ! Mag der Teufel noch länger preußischer Gensd ' arme in französischen Diensten sein ! Ich gehe mit Ihnen zu den Russen und über die Grenze ! Zweites Buch Erstes Capitel Das Regiment , in welchem Renatus stand , hatte seine vorgezeichnete Straße über die freiherrlichen Güter zu nehmen und sollte dort ein paar Rasttage halten . Der Commandeur bot es also dem jungen Freiherrn an , als Quartiermacher vorauszugehen , um auf diese Weise ein längeres Verweilen in seinem Vaterhause zu gewinnen , und Renatus machte mit Freuden davon Gebrauch . Während des langsamen und in der frühen Jahreszeit noch beschwerlichen Marsches waren seine Gedanken ihm ohnehin oft genug in die Heimath vorausgeeilt . Er hatte die Seinigen seit zwei Jahren nicht gesehen , und er hatte ihnen mitzutheilen , was jetzt ausschließlich seine Seele erfüllte , er hatte von seinem Vater die Zustimmung und den Segen zu seiner Verlobung zu erbitten . Von seinen Kameraden mit der Versicherung entlassen , daß man sich danach sehne , ihm bald nachzukommen , um sich in Richten für die gehabten Unbequemlichkeiten und Strapazen zu entschädigen und für die vorauszusehenden Entbehrungen und Anstrengungen zu stärken , machte der junge Offizier sich auf den Weg . Der Freiherr von Arten galt immer noch für einen reichen Mann , seine Gastlichkeit war weit und breit berühmt ; Renatus selber hatte ihrer oft gegen seine Kameraden gedacht , unter denen sich auch Blutsverwandte und Befreundete des Hauses befanden , und er hatte ihnen mit gutem Glauben die beste Aufnahme bei seinem Vater verheißen können . Freilich wußte er , daß Truppen-Durchmärsche für den Gutsbesitzer eine schwere Last seien . Er hatte es mit erlebt , wie furchtbar die Franzosen im Lande gehaust und wie die Italiener durch viele Monate in Richten im Quartier gelegen hatten . Aber Maßlosigkeiten und Gewaltthaten , wie man sie von den Franzosen erdulden müssen , waren von den Landsleuten und unter der strengen preußischen strengen Mannszucht nicht zu befahren , und wenn der lange Aufenthalt der Italiener auch große Summen gekostet hatte , so erinnerte sich Renatus doch sehr deutlich , in welch gutem Einvernehmen man mit ihnen gestanden , wie sein Vater für den Grafen Mariani eingenommen gewesen war , der die Reiterei befehligte , und wie bitterlich Vittoria seinen Tod betrauert hatte , als man später einmal die Nachricht erhalten ,