, daß sie von Porzia Biancchi kamen , die schon zur Reise alle ihre eigenen kleinen Geräthschaften geordnet hatte und vielleicht eben noch ihre Guitarre einpackend sich nicht überwinden konnte , das Instrument , das sie mit Gewandtheit spielte , anzuschlagen ... Allmählich wurde aus den Accorden ein Lied und Monika hörte nun zu schreiben auf ... Ob sie wol endlich wahr macht , sagte sie sich , was sie uns so oft versprochen , daß sie einmal singen würde ? Ich glaube , sie fürchtet sich immer nur vor der Gräfin , die die menschliche Stimme nur geschaffen erklärt zum Lobe Gottes ! Leise und wie schüchtern erklang zu den angeschlagenen Accorden ein melodischer Gesang ... Porzia hatte eine schöne Altstimme ... Monika , um die italienischen Worte zu verstehen , lauschte ... Indem meldete der Courier einen Besuch und wollte im Nebenzimmer , wo Porzia sang , gleichfalls mittheilen , daß es Marco Biancchi war , ihr vor vier Monaten aus England gekommener Onkel , der in großer Eile sie zu sprechen begehrte ... Lassen Sie doch ! sagte Monika und bedeutete den Meldenden , die Sängerin nicht zu unterbrechen . Sie wollte den Italiener selbst empfangen ... Der Sprache desselben war sie mächtig ... Sie sagte , sie würde Porzien das Nöthige dann schon mittheilen ... Marco Biancchi kam in großer Aufregung . Er wollte der Gräfin ankündigen , daß er mit ihr zugleich nach England reisen würde , wo er seit Jahren schon heimisch geworden ... Monika wußte , daß er von dieser Stadt aus noch weiter ins Innere Deutschlands wollte , daß er für seine Kunst , Bilder zu restauriren , Aufträge nach Frankfurt und München hatte und zuletzt einen dritten Bruder zu besuchen gedachte , der in Wien lebte und ihr selbst wohlbekannt war als ein dort vielgesuchter Musiklehrer ... Auf ihr Erstaunen , wie er seinen Plan so schnell hatte ändern können , gab Marco ausweichende Antworten und bald bemerkte sie , daß seine Rückkehr nach England keine freiwillige war , ja daß er mit einem längeren Verweilen in dieser Stadt sich einer Gefahr aussetzen würde ... Porzia schien so in ihrem Gesang verloren , daß sie die nicht leise geführte Conversation des Nebenzimmers nicht hörte ... sie sang und spielte alle die Lieder , die sie schon im Gasthof Zum goldnen Lamm , auf Befehl ihres längst nach Frankfurt zurückgekehrten Vaters , dem Onkel Marco sogleich nach dem ersten Wiedersehen als Probe ihrer Gaben hatte vortragen müssen ... Theils das angeborene lebhafte Naturell , theils das Gefühl von Sicherheit , das in einer in der vaterländischen Sprache geführten Conversation für ihn lag , veranlaßten das Geständniß des Italieners , Herr Benno von Asselyn hätte ihn aufmerksam gemacht , daß eine der Sicherheitspolizei angehörende einflußreiche Person ihm dringend anriethe , sofort Deutschland zu verlassen . Er würde bereits seit seinem ersten Ankommen beobachtet und gelte für einen Emissär der auf englischem Boden stattfindenden italienischen Conspirationen ... Für Monika war es nach dem ersten Ausdruck des Bedauerns und Erstaunens wohlthuend , in Verbindung mit einem , wie sie bald sah , so wohlangebrachten Rathe den Namen Benno ' s zu vernehmen , der seit einiger Zeit sie nicht wieder besucht hatte , während Thiebold fast alle Tage kam und längst auch für sie seine gewohnte Schwärmerei zur Schau trug ... O das ist ja brav von Herrn von Asselyn ! sagte Monika und forschte teilnehmend : Würden Sie sich denn nicht gegen diesen Verdacht haben rechtfertigen können ? Die Miene des Italieners wurde eigentümlich von dem Gesange seiner Nichte begleitet ... Es war ein Ausdruck , der zwar zunächst nur der der Verschmitztheit schien und doch mischte sich ihm etwas Elegisches bei , das Monika vollkommen als die Liebe zum Vaterlande und zur Freiheit erkannte . Ja wäret ihr Italiener wirklich nur fähig , die Freiheit zu ertragen ! sagte sie . Ihr seid aber wahrhaft ein Volk von entthronten Königen ! Entweder müßt ihr herrschen oder in Ketten gehalten werden . - Deshalb verstand euch Napoleon so gut ! Weil nur Er herrschen wollte , hat er euch mehr mit Füßen getreten , als irgendeine andere Nation ! Italia la regina del mondo ! rief Marco und begann , sich in die Stimmung des leisen Gesanges nebenan versetzend , eines der vielen Gedichte zu recitiren , an denen für dies Thema seine Nation so reich ist und deren Zahl auch jeder einigermaßen gebildete Italiener durch die Kunst der Improvisation zu vermehren weiß ... Deshalb wollt ihr die Freiheit für euch , unterbrach Monika seinen langen Monolog , um sie wieder den andern Völkern zu entziehen ! Wir wollen nur das Joch der Fremden brechen ! rief Marco . Ein Volk von Brüdern , von den Alpen bis zum Meere ! Ein einziger Bund von Bruderstaaten ! Republik oder Monarchie , nur keine Trennung mehr ! Aber dem Schlüssel Petri gönnt ihr dabei alle Pforten des Himmels , nur am wenigsten die eurer großen Roma ! Ihr wollt ihn ganz nur zu einem Heiligen machen und aus der Liste der weltlichen Souveräne streichen ! Aber thätet ihr das , so hat ja eure letzte Stunde geschlagen ! Alle katholischen Nationen würden sich zu einem neuen Kreuzzuge rüsten und Rom würde , wenn es den Kampf aufnähme , zerstört werden . Das ist schon oft geschehen ! erwiderte Marco mit einiger Ironie . Ja , ich weiß , es gibt Italiener , die unserm Glauben untreu geworden sind ! Ich gehöre nicht zu ihnen . Ich will den wahren christlichen Glauben und ich will , daß er eine große Macht besitzt . Aber ein geistiges verjüngtes Rom soll herrschen ! Der Heilige Vater in Wahrheit ein Vater der Menschheit , erhalten von seinen liebenden Kindern , zunächst von den Römern , die durch ihn ihre alte Freiheit und Größe gewinnen müssen ! Rom , der Sitz des Lichtes ! Rom , die Sonne , deren Strahlen die Erde erleuchten ! Einst zitterte die Welt vor