Als Weib habe ich keine andere Waffe , als die Lust der Rache , die aus Hohn und Spott und Verachtung ihren Honig saugt ; wär ' ich ein Mann , so würde ich Dich vor die Mündung einer Pistole oder die Spitze eines Degens fordern , um Deine schwarze Seele möglichst früh zur Hölle zu senden ! Da ich dies nicht kann , will ich mich wenigstens weiden an der feigen Angst Deiner frechen Seele , an der Qual , die jede Minute Deines unseligen Lebens vergiftet ! O könnte ich noch tausend Jahre leben und Dich in meiner Nähe tausend Jahre leiden sehen , - dann wollte ich meine arme Schwester für hinreichend gerächt halten ! « » Ist es möglich , Bianca ! « wimmerte der zu Boden geschmetterte Graf . » So schön , so voll süßer Reize und so erbarmungslos ? « » Es ist mein Amt . Gott will es , daß ich es treu und redlich übe ! « » O und ich , ich liebte Dich , ich liebe Dich noch ! « » Die Strafe des Himmels ! Das Verhängniß , das richtend über uns waltet ! « » Finsterer Wahnsinn packt mich , wenn Du von mir gehst , wenn ich Dich nicht mehr um mich sehen kann ! « » Zur Steigerung Deiner Seelenqualen will ich nicht von Deiner Seite weichen . « » O diese Nächte ! Diese endlosen , einsamen , gräßlichen Nächte ! « jammerte Adrian . Bianca sah dämonisch lächelnd auf ihn herab . » Sie nennen ihre Nächte einsam ? « sagte sie , aus dem zürnenden Tone plötzlich in einen scherzenden übergehend . » Sie sind sehr ungerecht , Herr Graf . Ich war immer bei Ihnen , oft Stundenlang . - An Ihrem Lager knieend bannte ich Ihre Seele in den Zirkel meiner Macht . Der scharfe Blick meines liebeheuchelnden Auges zauberte sie in die wilde Jagd schreckhafter Träume , und die seelenfolternde Gewalt , die Ihre blinde Leidenschaft mir über Sie gegeben hatte , hob Gestalten und Bilder vor Ihr Auge , die alle Qualen der Hölle über Sie verhingen ! Gewiß , Herr Graf , ich war Ihnen eine treue Haushälterin ! « schloß sie lächelnd , indem sie abermals einen ihrer zärtlichen , zur Liebe reizenden Blicke auf den Unglücklichen warf . Adrian klammerte sich mit beiden Händen an ihre Kleider . » Furie ! « rief er , » göttliche Furie ! Peinige mich im Leben und im Tode , nur ein Mal schließe mich in Deine Arme ! « Lange blickte Bianca auf den zu ihren Füßen sich krümmenden Grafen . Dann schlug sie die Augen zum Himmel auf und sagte : » Schwester Therese , wenn es Dir vergönnt ist , aus dem Jenseits herabzublicken auf diese verbrecherische Welt , dann öffne Dein Auge und sieh , wie ich Deinen Verführer gezüchtigt habe ! Ich bin mit mir zufrieden . « In diesem Augenblicke pochte es . » Man kommt ! « sagte Bianca . » Bitte , Herr Graf , reichen Sie mir die Hand , damit ich Ihnen aus dieser unwürdigen Stellung aufhelfe . « Seufzend erhob sich Adrian . Das Pochen an der Thür wiederholte sich . » Sie erlauben , Herr Graf ? « sagte die schöne Furie und hüpfte graziös zur Thür , die sie öffnete und einige Worte mit dem Bedienten wechselte . Inzwischen war die Sonne untergegangen . Nur blutiges Abendroth überflammte noch Himmel , Haide und See , und warf einen duftigen Widerschein in ' s Zimmer . Adrian stand wie in einer dunkeln Feuerwolke . Bianca trat wieder zu ihm . » Ein Mann wünscht mit Ihnen zu sprechen , gnädigster Herr , « sagte sie mit dem sanftesten und bescheidensten Tone von der Welt , indem sie die Falten ihrer kleinen Atlasschürze , welche Adrians Festhalten in diese gedrückt hatte , mit der Hand sorgfältig ausglättete . » Befehlen Sie , daß ich ihn vorlassen soll ? « » Ich bin nicht in der Stimmung - « » Um Fremde zu empfangen , wollen Sie sagen ? Zu Ihrer Beruhigung , gnädiger Herr , kann ich Ihnen melden , daß es ein sehr naher Bekannter und noch dazu ein ganz schlichter Mann ist . « Adrian sah die boshaft Lächelnde mistrauisch an . » Sein Name ? « » Ihr Bedienter meinte , eigentlich solle er den Mann als Graf Martell melden , indeß - « » Martell ! « wiederholte Adrian und seine verstörten Züge nahmen den Ausdruck des wildesten Hasses an . Bianca aber winkte , hüpfte nach der Thür und warf dem auf der Schwelle ihr begegnenden Spinner mit verliebtem Blick eine Kußhand zu . Als sich Adrian umwandte , stand ihm Martell allein gegenüber . Zweites Kapitel . Adrian und Martell . Die beiden Halbbrüder standen einander Minutenlang schweigend gegenüber und maßen sich mit finstern feindlichen Blicken . So betrachten sich zwei Raubthiere , ehe sie zum tödtenden Sprunge sich erheben . Martell trug noch seine gewöhnliche schlichte Arbeitstracht , grobe leinwandene Beinkleider und eine Zwillichjacke . Seine abgegriffene Pelzmütze hielt er in der Hand . Ein schwarzbaumwollenes Tuch , von dessen Schadhaftigkeit die vielen Fasern und Troddeln am verschlungenen Knoten Zeugniß ablegten , war lose um den stämmigen Hals geschlungen . Ihm gegenüber stand Graf Adrian in einem kostbaren Pelz , im Uebrigen ungezwungen , aber doch vollkommen elegant gekleidet . Der Spinner war sehr bleich , seine tiefliegenden schwarzen Augen brannten in den dunkeln Höhlen , sein dichtes schwarzlockiges Haar schien einen Todtenkopf zu bedecken . » Was beliebt ? « redete Adrian den unversöhnlich beleidigten , fast zum Lastthier herabgewürdigten Bruder an , seine heimliche Furcht in ein trotziges und hochfahrendes Wesen hüllend . » Herr am Stein , « erwiederte Martell , » oder wie ich eigentlich sagen sollte , Herr Bruder , ich komme , Ihnen anzuzeigen , daß ich nicht mehr Ihr unterthäniger Knecht bin und