und ich würde dennoch keine Demütigung empfinden . Ja , ich weiß , es hat auch Mädchen gegeben in meiner Lage , die winselnd sprachen : O wärst du ein armer Hirt , mein hoher Liebster ! - Ich aber , ich wünsche mir ihn gar nicht zum Hirten herunter ; nicht soll er seine Größe ablegen um meine Kleinheit ! Sondern das ist eine neue Seligkeit für mich , daß er so vornehm ist , und mich emporhebt aus meiner Niedrigkeit und mich zur Gräfin macht und auf sein hohes Schloß führt . Ach , ich will ja nichts mehr von mir oder durch mich , sondern alles nur von ihm , alles , alles , neben seinem Gefühle auch Ruhm , Ansehen , Reichtum ! Je mehr er mir gibt , desto beglückter fühle ich mich . Denn seine Liebe ist überströmendes Geben und meine durstiges , lechzendes Empfangen . Ich bin sein Geschöpf , er ist mein irdischer Schöpfer ; Gott schafft mich durch ihn zum zweiten Male . Unter den Flügeln der Liebe will ich schlummern und träumen , auf der Höhe , wohin mich diese Schwingen tragen , erwachen , und sie mit frohem Lerchengesange als die Wohnstätte begrüßen , die mir mein Schicksal anwies . « Noch schneidender sagte Clelia , vielleicht um eine entgegengesetzte Regung , die sich anmelden mochte , zu verbergen : » Es ist allerdings höchst wohlfeil und bequem , auf solche Art eine schrankenlose Zärtlichkeit zu beweisen . « Aber Lisbeth blieb ganz ruhig und antwortete im mildesten Tone : » Gnädige Frau , das kam nicht aus Ihrem Herzen . Sie sagten es nur , weil Sie sich so in den Eifer gegen mich hineingesprochen haben . - Wir sind hier zwei Frauen allein , kein Mann hört uns und deshalb darf ich wohl dreister reden , als sich sonst für mich ziemte . Ich weiß nicht , wie mir wird , mein Auge schwimmt , und meine Lippe fühl ' ich zittern , zum Äußersten haben Sie mich gebracht , hören Sie denn das Äußerste , was ein Mädchen sprechen kann . Bin ich ' s noch selbst ? Wie kommen mir solche Gedanken ? Aber Sie sollen sie hören . - Sie sind Frau , und Sie waren Mädchen . Bebten und erröteten Sie nicht , wenn Sie nur dachten , daß eine andere Hand als die Ihrige Ihre Schulter berühre ? Und nun haben Sie Ihrem Gemahle Seele und Leib ergeben , Ihre Person haben Sie ihm hingegeben und Ihre jungfräuliche Ehre ! Sind wir darin nicht gleich ? Hat die Braut eines Kaisers etwas Höheres als die Majestät ihrer jungfräulichen Ehre ? Ich bin eine Jungfrau , meine gnädige Baronesse . In der Ehre der Jungfrau fühle ich mich geadelt und der Braut des Kaisers gleich . Demütig nehme ich alles an von Oswald , aber nicht gedemütiget , mit freudigem Stolze kann auch ich Mitgift nennen und Eingebrachtes , denn was Ihr Vetter mir geben mag , ich gebe ihm stets doch mehr , als er zu geben jemals imstande sein wird . « Sie schwieg . Die Glut der süßesten Scham flammte ihr auf Wangen , Hals und Nacken . Ihr Blick ruhte durchdringend auf Clelien . Diese fühlte ihre Mittel erschöpft . Sie winkte , daß Lisbeth sich entfernen möge . Lisbeth ging nach der Türe . Sobald aber Clelia die unwiderstehlichen Augen des Mädchens nicht mehr sah , kam ihr noch einmal der den Weltkindern eigentümliche Übermut zurück . Sie rief der Abgehenden leichthin nach : » Ihr seid beide törichte und unsinnige Kinder ! Für jetzt weiß ich nichts mit dir anzufangen , aber ich wette , in wenigen Tagen sprichst du ganz anders und gibst mir recht , denn das verfliegt , wie es angeflogen ist . « Die Jungfrau wandte sich um und näherte sich mit dem Ansehen einer Priesterin der Weltdame . Erhaben leuchteten ihre Augen , mit voller , tönender und gehaltener Stimme sprach sie : » Wie täuschen Sie sich ! Lassen Sie ab von der Täuschung , welche Sie um eine heilige Erscheinung bringt ! Ich bitte Sie , lassen Sie ab von dem Wahne , hier mit einer Grille , mit einer Laune des Augenblicks zu tun zu haben . Sie würden in diesem Wahne uns noch bittere Schmerzen und sich fruchtlose Mühe machen . Kennen Sie das Wort : Ewig , Frau Baronesse ? Ich hatte es , glaube ich , früher nie gesprochen , denn ich pflegte überhaupt nichts zu sagen , wobei ich mir nichts zu denken wußte . Aber als er mich in der Kirche aufhob und mich vor den Altar niederwarf , ein Weihegeschenk der Liebe für Gott den Allmächtigen , da durchtönte plötzlich das Wort wie mit tausend Zungen mein Innerstes und seit der Stunde singt es durch alle meine Gedanken und Empfindungen immer und immer wie ein himmlisches Halleluja : Ewig ! Denn wer die wahre Liebe empfängt , der empfängt die Ewigkeit in seinem Herzen . An der Ewigkeit aber ist kein Vergang und so rühren Sie denn auch nicht weiter das ewige Wort meines Herzens an , gnädige Baronesse ! - Die Frau unseres Wirtes hier , die sich hin und wieder mit mir beschäftiget hat und der Meinung ist , ein Mädchen brauche aus Büchern nicht viel zu lernen , aber durch den Anblick schöner Menschen lerne ein Mädchen etwas , gab mir in den letzten Wochen Briefe von einer Freundin zu lesen . Die Freundin hat mit ihrem Manne in einer kurzen , himmlischen Ehe gestanden , und der Mann hatte immer gesagt , das Glück sei zu schön , als daß es lange dauern könne . So war denn auch sein Tod wirklich bald erfolgt . Von den letzten Tagen schrieb nun die Freundin unter anderem auch . Er hatte eine fürchterliche Krankheit , die den Hals zusammenschnürte , so daß der Mensch ersticken muß . Den letzten Tag nun