und dem man nicht über den Zaun traut ? Jesus Christus ! Werden Österreichs Farben nicht höher geachtet , als der Bettelbrief eines Gauners ? Nein fürwahr ; das mögt Ihr abstellen , ihr Herren , denn ich werde mich nimmer herablassen , Eure Erlaubniß zu fordern , will ich mein Geleit zurücksenden , wie Heute geschieht . Um Eure Verbrecher kümmre ich mich nicht , und frei will ich Alle sehen , die mein Wappen und Zeichen tragen . Darum befehlt stracklich und ohne Verzug , daß man meinen Wildmeister auf Schloß Ambras , sammt seinem , in jenem Rollwagen befindlichen Weibe und Kinde und dem anvertrauten Gefolge , das ich gen Tyrol sende , ungehindert ziehen lasse , bei meiner Ungnade . « - Diese ernstlichen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht . Ein Schöffe eilte , um das Gebot des Fürsten schleunigst vollziehen zu lassen , und mahnte die Wächter ab , die sich noch immer ungestüm in den Weg des reisigen Trosses warfen , und sich auch nicht so willig den Geboten des Schöffen fügten , als dieser es erwartet hatte . - » Seht , ehrsamer Herr ! « behauptete der Anführer der Söldner : » ich will nicht selig werden , wenn das Weib , das sich so ängstlich hinter jenes Wagens Vorhänge verbirgt , nicht dasselbe ist , das gestern und erst noch Heute mit einem Kinde zu diesem Hause kam , um den darin versteckten Mörder heimzusuchen , und ganz gewiß befindet sich der Letztere unter diesem übermüthigen Trosse . « - » Und wenn es wäre , « erwiederte der Schöffe heftig , - » so befiehlt , doch hier der Rath , und an Euch ist ' s Gehorsam zu üben . « - » Ei , so waschen wir unsre Hände in Unschuld ; « antwortete der Führer unmuthig , und wendete sich gegen die Seinigen . Indem ritt der Anführer des Zuges heran , und fragte : » Wird ' s bald , Herr Schöff ? Wie lange soll ' s noch dauern , frage ich ? « - Der Schöffe , der dem Frager in ' s Auge sah , vermochte nichts zu entgegnen , denn er selbst , der den Todtschläger vor wenig Tagen bis zu der Thüre des deutschen Hauses verfolgt hatte , glaubte in dem schmucken Jägersmann den Gebannten zu erkennen . Dachte er sich den wirren Bart sauber geschoren , die grobe Kutte vertauscht mit einem grünen prächtigem Rock , an der Stelle des Gürtelstricks Österreichs . Schärpe , so waren es die Augen , die Züge , die Gestalt , die Stimme des flüchtigen Mörders . Der Schöffe , ein junger Mann , war in feiner Überraschung auf dem Punkte , das Gebot seiner Herren eigenmächtig zu wiederrufen , aber zu eben derselben Zeit donnerte der Ruf des Hauptsmanns : » Laßt freien Paß ! durch die Reihen der Fußknechte ; « auseinander flog der drohende Trupp ; und unter Hörnerschall jubelte der reisige Troß , den bedeckten Wagen in der Mitte , durch die staunenden Hüter hindurch , entlang die Straßen von Sachsenhausen , hinaus aus dem Thore , und ohne Säumen fort auf dem Heerwege , den der Herzog am verwichenen Tage einhergezogen . Und als die Warte , hinter den Reitern lag , und mit ihr die Gränze der Reichsstadt , da näherte sich der Anführer , nach dankbarem , den Vornehmsten des Geleits gereichten Handschlage , dem Wagen , aus welchem ein in Thränen schwimmendes Frauenantlitz , und ein rosiges Kindergesicht ihn anlächelten . Gerührt reichte er die Hand seinen Lieben , und rief : » Segne Gott den edeln Herzog und den biedern Comthur . Wir sind frei , und ein guter Engel möge Dich , Katharine und unser Mägdlein erhalten zu meiner langen Freude , und mich einst ruhig sterben lassen in Euern Armen . Sieh , mein gutes Weib , dort hinter jenen aufdämmernden Bergen , dort liegt unsre neue Heimath . Laß ' uns vergessen , was bis jetzo uns schmerzlich gepeinigt . Ich hatte die schwere Prüfung verschuldet , aber Gott ist gnädig und Deine Fürbitte , Du Reine , von ihm erhört worden . Wir dürfen - ich ahne es , - wir dürfen noch glücklich seyn ! « - Fußnoten 1 Das dem Musikkenner wohlbewußte Lied , welches seine Anfangssylben zu Bildung der Tonleiter hergab , und in mittelalterlicher Zeit als Mittel gegen die Heiterkeit gesungen wurde . Ut queant resonare fibris etc. Zehntes Kapitel . Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren , Und nicht in Dir , Du bleibst noch ewiglich verloren . Geistlicher Spruch . In einer einsam Zelle des Predigerklosters saß Dagobert , die Laute in der Hand , und sang mit halblauter Stimme ein frommes Lied , zu welchem das schwermüthige Antlitz des Jünglings , wie die klagenden Töne , die er den Saiten entlockte , passende Begleiter waren . Er überhörte , ganz seinem Tiefsinn hingegeben , daß man schon einigemal leise an die Thüre gepocht hatte , bis dem rüstigen Klopfer draussen die Zeit lange wurde , und seine Hand die Klinke öffnete , ohne ferner ein einladendes Wort von innen zu erwarten . Dagobert staunte , den Hülshofner vor sich zu sehen ; allein , da mit dem Gesichte des Bekannten auch zugleich manche wohlthuende Erinnerung wieder vor seiner Seele wach wurde , so verzog sich unwillkürlich sein ernst geschlossener Mund zu einem freundlich bewillkommenden Lächeln , und er fragte sanft : » Ei , alter Freund , wie kommt Dein fröhlich Angesicht in diese Klause ? Mich befremdet das , obgleich ich Dich gerne hier sehe . « - » Laßt mich Euch mit einer andern Frage antworten ; « entgegnete Gerhard , der sich ohne weiters neben den jungen Mann setzte : » Wie kommt der weiland fröhlichste Geselle in der Wetterau in diese enge Zelle , wo alle Freuden des Lebens schon vor der Thüre Valet nehmen ? Traun , ich hätte