traktieren ! — Nun habe ich aber eine Schöne ! Die kann ich doch zum Modell brauchen ! ” Laut und triumphierend schlug sie auf den Tisch . Die Hauptmann Gärtner machte ein Gesicht , als thue man ihr weh . Sie bemerkte mit schwachem Lächeln , eine besondere Schönheit könne sie an Woszenskis jetziger Köchin nicht finden — aber Künstler wären in allem so originell . Frau von Woszenska grinste mit der lustigen Mohrenfratze zu Agathe hinüber . Sie verabschiedete sich höflich und versicherte , ihr Mann warte schon unten auf sie . Er kam aus der höheren Etage und traf mit ihnen auf der Treppe zusammen . “ Da hab ' ich ja nicht ' mal gelogen ! ” rief die Malerin . “ Kommt doch einen Augenblick herauf , Lutz möchte Dir sein Bild zeigen . Das Atelier wird Fräulein Agathe auch interessieren , ” sagte Woszenski . “ Sie wird sich doch nicht verlieben ? ” flüsterte Frau von Woszenska und machte strenge Augen . “ Kind — laß das lieber — der da oben ist nichts für Dich . ” Agathe lächelte , sie dachte an Lord Byron . — Ein junger Mann hielt den Vorhang , durch den sie eintreten sollten , zurück und nahm den Hut ab . Er war schon zum Fortgehen gerüstet und trug Überschuhe , die für seine schmale , dürftige Figur viel zu groß und plump erschienen . Die Bewegung , mit der er grüßte und hinter seinen drei Gästen den alten Gobelin fallen ließ , war von eigentümlich zarter , liebenswürdiger Anmut . Als Agathe in ihr Gastzimmerchen bei Woszenskis zurückkehrte , schloß sie eilig die Thür hinter sich . Sie blieb einen Augenblick stehen , sah erstaunt und verwirrt umher . Plötzlich fiel sie vor dem Bett auf die Knie , drückte ihren Kopf in die Arme und blieb so eine lange Weile , das Gesicht in den weißen Decken verborgen , ohne sich zu regen . Sie weinte nicht . Ein heftiges , anhaltendes Zittern lief durch ihren Körper . Dann war es , als ob die Luft ihr fehle . Sie warf den Kopf in den Nacken und blickte mit geöffneten , bebenden Lippen empor . “ Ach Gott ! Ach Gott — ach mein lieber Gott ! ” Ungeduldig zerrte sie die Handschuhe ab , sprang auf , schleuderte ihre Mütze , ihre Jacke von sich und lief planlos , die Augen mit Thränen gefüllt , in dem engen Raum umher . Sie blieb stehen . . . . . . . . Wie eine Erscheinung sah sie das Profil — die Linien seines Kopfes vor sich in der Luft . Allmählich erblühte aus der Qual in ihrem Antlitz ein Lächeln , ein trunkenes Leuchten der Augen . Tief aus der Brust rang sich seufzend der Atem , die Thränen quollen und rannen klar über die glutheißen Wangen . Das Mädchen faltete die Hände und sprach leise , feierlich : “ Ich liebe ihn . ” — Erschöpft saß sie auf dem Rand ihres Lagers , preßte die gefalteten Hände gegen die Brust und wiederholte entzückt : “ Ich hab ' ihn lieb — ich hab ' ihn lieb . . . ” So versank sie in Träume . Wie war nur alles gewesen ? — sie erinnerte sich nicht mehr , was er mit ihr gesprochen . . . . Wie er den kleinen schwarzen Hut von dem hellen Kopf genommen und ihr seinen Blick zugewandt — das wußte sie noch . Ja — hell und zart — mit seinen schlanken Formen , ein wenig blaß und müde um die Augen — so trat seine Erscheinung wie hinter einen leichten Nebel , der alles nur undeutlich erkennen ließ , vor ihre Phantasie . — Sie hatten wenige Worte gewechselt — er redete mit Frau von Woszenska über seine begonnene Arbeit . Da gebrauchten sie Ausdrücke , die Agathe fremd waren , die auch ihr Vater niemals benutzte , wenn er über die Kunst sprach . Und sie machten mit Händen und Fingern andeutende , zeichnende und fortwischende Bewegungen in der Luft . Frau von Woszenska rührte an bunte Stoffe , die auf einem weißlackierten Tischchen lagen , und entschuldigte sich ernsthaft , als habe sie eine große Rücksichtslosigkeit begangen . Er lächelte und bemerkte , das habe nichts auf sich . Er hob einen der Stoffe in die Höhe und liebkoste ihn gleichsam mit seinen unruhigen Händen — eine weiche , weiße , türkische Seide von kühlen , blaugrünen Streifen durchzogen . Sie war auf dem Bilde wiedergegeben , ein bronzener Amor sprang aus ihren Falten . Agathe wagte zu sagen , sie möge Stillleben nicht leiden — aber diese Idee wäre lustig . . . . Da sah er sie noch einmal schnell und flüchtig an . “ Ja ? — Meinen Sie ? Ich denke auch . ” — Sie hörte , daß er Herrn von Woszenski “ mein Freund Hamlet ” nannte und ihm riet , nach München zu ziehen . Hier würde er kein Modell zu der Nonne finden . “ Das Naive ist hier immer gleich roh ! ” Schüchtern hatte Agathe sich in dem Atelier umgesehen . Eine kleine Chaiselongue mit blauem Seidenplüsch bezogen — Kissen von verblaßtem , blumendurchwirktem Damast auf graziös geschweiften Stühlen — alles andere war ein Gewirr von weichen , einschmeichelnden Farben — Formen — Stoffen — Dunkelheiten , die durch alte Radierungen und Bronzen in die lichte Eleganz gebracht wurden . Die Einrichtung unterschied sich stark von dem herben Künstlergeschmack , der bei Woszenskis herrschte . Niemals hatte Agathe dergleichen gesehen . Aber in ihr tauchte eine Erinnerung auf , als habe sie davon geträumt — als habe sie das alles unbewußt gesucht . Sie hob ihre Hand , die der Maler beim Abschied flüchtig gedrückt — ein süßes , liebes Gefühl war ihr in den Nerven geblieben . Zitternd näherte sie sie den Lippen — es war kein Kuß , nur