, wo man unterliegen oder selbst niederwerfen muß , ich kenne ihn zur Genüge . Aber du siehst , es ist nicht so leicht , meine Gefährtin und Vertraute zu sein , wie du es forderst . « » Ja , ich sehe es ! « sagte Edith tonlos . » Und nun fort mit all diesen unerquicklichen Dingen ! « rief Ronald , sich emporrichtend mit einer Bewegung , als werfe er alles weit hinter sich . » Wie kommen wir denn gerade heut darauf ? Sieh nicht so ernsthaft aus , Edith , steh nicht so eisig da ! Du hast mir dein Wort , deine Hand gegeben , nun laß mich auch endlich , endlich einmal glücklich sein ! « Es war ein heißes , stürmisches Flehen , wie ein Aufschrei nach Glück klang es in den Worten , die ganze Leidenschaft des Mannes brach wieder hervor , als er seine Braut umfing . Edith duldete das schweigend , aber sie erwiderte seine Liebkosungen nicht , und sie atmete tief und erleichtert auf , als in diesem Augenblick ihr Vater mit Wilma eintrat . – Es war Abend geworden ; die Verlobung wurde freilich im allerengsten Familienkreise gefeiert , aber sie sollte doch einen festlichen Anstrich haben . Im Eßzimmer überblickte Frau von Maiendorf noch einmal den Abendtisch und hatte dabei Mühe , den neugierigen Fragen ihres Töchterchens stand zu halten , das durchaus wissen wollte , warum die Mama heut , wo doch keine große Gesellschaft war , all das Silberzeug und die schönen Blumen aufstellte . Draußen auf der Terrasse plauderte Marlow in der behaglichsten Stimmung mit seinem Schwiegersohn , und Edith hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen , um noch etwas an ihrem Anzug zu ändern , wie sie erklärte . An dem offenen Fenster , das nach dem Park hinausging , stand die junge Braut , aber sie schien nicht an ihre Toilette zu denken , sondern blickte wie traumverloren hinaus in den dämmernden Maiabend . Der Himmel war noch licht und hell , aber im Park lagerten schon graue Schatten , und von den Wiesen her kamen die Nebel gezogen und woben leichte , duftige Schleier um Bäume und Gesträuch . All das Flattern , Zwitschern und Summen da drüben war verstummt , ringsum herrschte tiefe Abendstille . Nun war das Los gefallen , das bindende Wort gesprochen , aber es lag nichts von bräutlichem Glück auf dem Antlitz des schönen Mädchens , das da so regungslos am Fenster lehnte und dem sich die Zukunft doch jetzt so weit und glanzvoll öffnete . Marlow war ja reich nach gewöhnlichen Begriffen , er nahm eine hochgeachtete Stellung ein , aber es war doch etwas anderes , die Gemahlin des künftigen Freiherrn von Ronald zu sein , den ein märchenhafter Reichtum umgab , und der es eben wieder zeigte , daß seine Macht bis in die höchsten Kreise hinaufreichte . Seine Gattin brauchte sich keinen Wunsch zu versagen , sie konnte , wenn sie wollte , Fürsten verdunkeln mit der Pracht ihres Hauses . Der Traum des Ehrgeizes , den Edith Marlow seit Monaten geträumt , war erfüllt , übertroffen ! Und sie wurde geliebt von dem Manne , dessen Braut sie heut geworden war , so glühend und leidenschaftlich geliebt , wie sie es nie geahnt hatte . Auch dies Höchste wurde ihr gegeben – was wollte sie denn noch ? Da klang drüben in dem dämmernden , nebelduftigen Park noch eine einzelne Vogelstimme . Eine Amsel sang dort ihr spätes , einsames Lied , fern und leise kamen die Töne herüber , halb verweht im Abendwind , und dann verstummten sie . Der kleine Sänger ging zur Ruhe mit dem Maientage – und am Fenster lag die junge Braut auf den Knieen und weinte , wie sie seit ihren Kindertagen nicht geweint hatte . In diesen heißen , verzweifelten Thränen , da kam es – das Erwachen ! Monate waren vergangen , der Sommer war vorüber , und mit dem September hatte der Herbst bereits seinen Einzug gehalten , Heilsberg führte das gewohnte Dasein als halbverschollene , historische Merkwürdigkeit , und Neustadt-Steinfeld stand mehr als je im Vordergründe , denn der längst entworfene Plan , die Steinfelder Werke , deren Besitzer Felix Ronald war , in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln , wurde jetzt in Angriff genommen . Bei dem riesigen Umfange der großen Industriestätten gestaltete sich das zu einem Ereignis für die Finanzwelt und vor allem für die betreffende Provinz . Man wollte die Aktien in möglichst geringen Beträgen ausgeben , weil dabei hauptsächlich auf den Mittelstand und die » kleinen Leute « gerechnet wurde . Die Agenten Ronalds und die Blätter , die er beeinflußte , arbeiteten mit Hochdruck , um dem Publikum die Vorzüglichkeit und den unberechenbaren Gewinn dieser Kapitalanlage klar zu machen . Sie hatten auch die öffentliche Meinung bereits gewonnen , und in Berlin that man jetzt eben die nötigen Schritte , um dem bereits gesicherten Unternehmen die gesetzliche Form und Anerkennung zu geben . In Heilsberg war Max Raimar wieder aufgetaucht , nachdem er seinen Besuch im Frühjahr ziemlich kurz abgebrochen hatte , aber jetzt beglückte er die so lange vernachlässigte Heimat schon wieder mit seiner Gegenwart . Die Empfindlichkeit gehörte nicht zu den Fehlern des jungen Künstlers , er nahm nur da etwas übel , wo es ihm keinen Nachteil brachte . Trotzdem Ernst ihm damals so gründlich den Text gelesen hatte und ihn seit jener Zeit überhaupt sehr kühl behandelte , kam er ganz unbefangen wieder und befleißigte sich sogar einer besonderen Liebenswürdigkeit , denn er war leider noch immer abhängig von dem Bruder . Maxls Hoffnung auf die Million mit dazugehöriger Heirat hatte sich als trügerisch erwiesen , er war ganz plötzlich bei seiner Dame in Ungnade gefallen . Als er das nächste Mal nach Gernsbach kam , nahm ihn Fräulein Marlow gar nicht an , und als er sie in Berlin wiedersah , ließ sie ihm keinen Zweifel über diese Ungnade . Der junge