mit aufrichtiger Verwunderung . „ So etwas muß ihm erst sein alter Vater sagen ! Aber das kommt davon , wenn man die Nase immer in Dinge steckt , die einem nur den Kopf wirr machen ! Weiß Gott , Ulrich , es wäre Zeit , daß Du endlich einmal all den anderen Geschichten den Abschied gäbest und eine ordentliche Frau nähmest , die Dich auf bessere Gedanken bringt . “ Ulrich blickte nach dem Parke hinüber und seine Augen nahmen wieder den starren , düsteren Ausdruck an , wie vorhin . „ Du hast Recht , Vater , “ sagte er langsam , „ es wäre Zeit ! “ Der Alte ließ vor Ueberraschung beinahe die Pfeife fallen . „ Junge , das ist das erste gescheite Wort , was ich von Dir höre ! Bist Du endlich zu Verstande gekommen ? Ja , freilich ist es Zeit ! Du kannst längst eine Frau ernähren und Du findest weit und breit keine hübschere , bravere , gescheitere , als die Martha . Wie froh ich wäre , wenn aus Euch beiden ein Paar würde , das brauche ich Dir doch nicht erst zu sagen . Ueberlege Dir die Sache einmal ! “ Der junge Mann war aufgesprungen und ging heftig auf und nieder . „ Vielleicht wär ’ s das Beste ! Ein Ende muß doch einmal gemacht werden , es muß ! das habe ich heut erst wieder gesehen , also – je eher , je lieber ! “ „ Was hast Du denn ? Womit soll ein Ende gemacht werden ? “ „ Nichts , Vater , nichts . Aber Du hast ganz Recht , wenn ich erst eine Frau habe , dann weiß ich auch , wo ich mit meinen Gedanken hingehöre – Du glaubst also , daß die Martha mich gern hat ? “ „ Geh hin und frage sie selbst ! “ rief der Schichtmeister lachend . „ Meinst Du denn , daß ich das Mädchen noch im Hause hätte , wenn sie einen Anderen wollte ? Der fehlt es wahrhaftig nicht an Freiern ! Ich weiß genug , die sie möchten , und der Lorenz giebt sich nun schon seit Jahr und Tag vergebene Mühe . Er hat noch immer kein Ja bekommen ; Du bekommst es noch heute , wenn Du willst , verlaß Dich darauf ! “ Ulrich hörte gespannt zu , aber trotz dieser für ihn doch so schmeichelhaften Erklärung war nicht viel von Glück oder Befriedigung auf seinem Gesichte zu lesen . Er sah aus , als zwinge er mit Gewalt irgend ein rebellisches Etwas nieder , das ihn nicht zum Entschluß kommen lassen wollte , und es war auch etwas Wildes , Krampfhaftes in dem jäh aufflammenden Entschluß , mit dem er sich jetzt zum Vater wandte . „ Nun gut , wenn Du meinst , daß ich keinen Abschlag bekomme , so – so will ich mit der Martha sprechen . “ „ Jetzt gleich ? “ fragte der Schichtmeister betroffen . „ Aber , Ulrich , man freit doch nicht so über Hals und Kopf , wenn man eine Viertelstunde vorher noch keine Idee davon gehabt hat ! Ueberlege Dir die Sache doch erst . “ Ulrich machte eine ungeduldige Bewegung . „ Wozu das lange Abwarten ! Ich muß wissen , woran ich bin . Laß mich hinein , Vater ! “ Der Vater schüttelte den Kopf , aber er hatte viel zu große Furcht , der so plötzlich gefaßte Entschluß könne seinem Sohne wieder leid werden , um ihn ernstlich zurückzuhalten . In seiner Herzensfreude kümmerte es ihn wenig , wenn die so sehnlichst gewünschte Verbindung in etwas ungewöhnlicher Art zu Stande kam ; er beschloß im Gegentheil , ganz ruhig hier draußen zu bleiben , damit die jungen Leute drinnen ungestört mit einander fertig werden könnten , denn er kannte Ulrich genug , um zu wissen , daß eine unzeitige Einmischung seinerseits jetzt alles verderben würde . Der junge Mann war inzwischen rasch , als wolle und dürfe er sich auch nicht eine Minute Zeit zum Besinnen gönnen , durch den Hausflur geschritten und hatte die Thüre der Wohnstube geöffnet . Martha saß am Tisch , die sonst so fleißigen Hände müßig im Schooße ; sie schaute nicht auf , als er eintrat , und schien sich auch nicht darum zu kümmern , daß er dicht neben ihrem Stuhle stehen blieb ; desto besser sah er , daß sie geweint hatte . „ Trägst Du es mir nach , Martha , daß ich vorhin wieder einmal aufgefahren bin ? Es thut mir leid – was siehst Du mich so an ? “ „ Weil es das erste Mal ist , daß Dir das leid thut ! Du hast sonst wenig darnach gefragt , wie ich ’ s nehme – so laß es auch heut . “ Der Ton klang kalt und abweisend genug , aber Ulrich ließ sich dadurch nicht zurückscheuchen . Die Enthüllungen des Vaters mußten trotz alledem doch mächtig auf seine störrische Natur gewirkt haben , denn seine Stimme klang ungewöhnlich milde , als er entgegnete : „ Ich weiß , daß ich ein ganzes Theil schlimmer bin , als die Anderen , aber ich kann ’ s nun einmal nicht ändern . Du mußt mich schon nehmen , wie ich gerade bin , und vielleicht machst Du auch noch etwas Besseres aus mir . “ Das Mädchen hatte schon beim ersten Ton befremdet aufgeblickt , und in seinem Gesicht mußte wohl etwas Ungewöhnliches liegen , denn sie machte eine heftige Bewegung , um aufzustehen . Ulrich hielt sie fest . „ Bleib ’ hier , Martha ! Ich habe mit Dir zu reden ; ich wollte Dich fragen – nun , viel Worte kann ich nicht machen , und das braucht ’ s ja auch nicht zwischen uns . Wir sind Geschwisterkinder , sind seit Jahren zusammen in einem Hause ; Du wirst am besten wissen , was Du von