wie eine Elfe dort am Rande der Quelle saß , umwogt von der braunen Lockenfülle , umschattet von den blühenden Ranken , Hände und Schooß voll Blumen . Sie blickte nicht ein einziges Mal auf von ihrer Beschäftigung , denn wenn sie es auch nicht wußte , sie fühlte doch , daß seine Augen wieder auf ihr ruhten , fühlte es an jener leise quälenden Empfindung , die sie neulich bis in den Traum hinein verfolgt hatte ; sie wachte immer nur auf unter diesem Blicke . Tiefe schweigende Mittagsstille ringsum im Walde . Nur das Quellchen sang seine einförmige träumerische Melodie , als wolle es Alles ringsumher einsingen in Schlaf und Traum . Leise rieselte der silberne Strahl vom Fels hernieder , leise rauschte der Wald und leis und mild dufteten die weißen Blüthen , auf der Wiese leuchtete und flimmerte das Sonnengold und dahinter ruhten die tiefen Waldgründe , noch unberührt von den Strahlen , im grünen , duftigen Dämmerschein . Es wehte seltsam daraus hervor , der Waldeszauber hatte sich aufgethan und umfing den Ort mit seiner ganzen geheimnißvollen Gewalt , umfing auch die Beiden auf der stillen Bergwiese . Er nahm sanft und unwiderstehlich von dem finstern Antlitz des jungen Priesters all den Haß und all die Bitterkeit , die so oft dort eingegraben standen , und legte dafür auf das rosige Kindergesicht des jungen Mädchens einen milden träumerischen Ernst , wie er selten dort weilte ; er spann leise , unsichtbare Fäden hinüber und herüber von Einem zum Andern , ein zartes luftiges Gewebe ; er wob es fest und fester , und zwischen ihnen rieselte fort und fort der silberne Strahl und flüsterte ihnen die uralte ewige Melodie , die so oft schon zwei Menschenherzen in den Traum gesungen oder – daraus erweckt hat . Da auf einmal brach der Bann , der ganze Zauber zerrann , das luftige Gewebe aus Sonnengold , aus Blumenduft und Quellenrauschen zerriß , als habe eine fremde Hand jäh hineingegriffen . Benedict war plötzlich aufgefahren , und als Lucie bei seiner heftigen Bewegung emporsah , da traf sie wieder jener wild flammende Blick , wie neulich mitten im Tanze , traf sie nur einen Moment lang , um sich dann sprühend wieder nach der andern Seite zu wenden . Erschreckt folgte sie der Richtung seines Auges ; drüben am Rande der Wiese war der junge Graf Rhaneck soeben aus dem Walde hervorgetreten und blieb in sichtlich unangenehmer Ueberraschung stehen , als er das schwarze Benedictinergewand neben der hellen Gestalt des jungen Mädchens erblickte . Halb überrascht , halb bestürzt erhob sich Lucie ; aber sie athmete tief auf beim Anblick des Grafen , seine Erscheinung löste den seltsam beängstigenden Traum , der sie so fest umstrickt gehalten , daß sie alles Andere darüber vergaß . Unwillkürlich that sie einen Schritt ihm entgegen . Benedict sah es ; er wurde auf einmal todtenbleich und trat langsam noch weiter zurück , bis tief in den Schatten der Felswand . Ottfried hatte indessen auch bemerkt , daß er gesehen worden sei ; er kam rasch über die Wiese und näherte sich den Beiden . „ Ah , mein Fräulein , welch ein unverhofftes Glück , Sie hier zu finden ! Sieh da , Hochwürden ! “ Er grüßte mit einer kalten Verneigung den jungen Priester und wandte sich dann sofort wieder zu Lucie . Wie hätte ich ahnen können , daß meine einsamen Jagdstreifereien mir zu einer solchen Begegnung verhelfen würden ! Noch war es mir nicht vergönnt , Sie nach dem Feste begrüßen zu dürfen ; ich danke doppelt dem Zufall , der mir heute diese Gunst gewährt . “ Ottfried wußte diese galanten Phrasen so unbefangen hinzuwerfen , als sei es in der That nur der Zufall , der ihn hergeführt , als habe er nicht bereits gestern und heute das ganze Gebiet von Dobra umstreift , um ein solches Zusammentreffen herbeizuführen , als sei er nicht seit einer vollen Stunde unterwegs , um Lucien , die auf ’ s Gerathewohl in den Wald gelaufen war , auf den verschlungenen Pfaden desselben zu folgen , bis er sie endlich , nach mancher Mühe und manchem Abirren von der rechten Spur , auffand . Lucie selbst hatte freilich keine Ahnung hiervon ; desto richtiger schien Pater Benedict den „ Zufall “ aufzufassen ; er hatte den Gruß des Grafen stumm erwidert und lehnte jetzt drüben an der Felswand , das Auge mit einem durchbohrenden Ausdrucke auf die Beiden gerichtet . Bei jeder andern Gelegenheit hätte Lucie eine solche Begegnung mit großer Genugthuung begrüßt ; sie war nun einmal entschlossen , dem Verbot des Bruders , das ihr jeden fernern Verkehr mit dem Grafen untersagte , ganz offen zu trotzen , und es traf sich sehr glücklich , daß dieser sich ihr gerade hier nahte , wo Bernhard weder sich einmischen , noch es verhindern konnte ; aber sie kam heute nicht zur Freude und Genugthuung darüber , der finstere Beobachter dort drüben peinigte sie unaussprechlich , das Bewußtsein seiner Nähe raubte ihr allen Halt und alle Unbefangenheit ; sie konnte den harmlos neckischen Ton nicht wiederfinden , in welchem sie neulich mit Ottfried verkehrt hatte , und antwortete nur verlegen und zerstreut auf seine wieder reichlich aufgebotenen Galanterien . [ 85 ] Auch der junge Graf schien sich unbehaglich zu fühlen in der Nähe jenes stummen Zuschauers , der ihm einen sichtlichen Zwang auferlegte . All ’ seine Artigkeiten und Liebenswürdigkeiten gingen nur bis zu der Schranke , die man einer fremden Bekanntschaft gegenüber beobachtet , aber der Zwang war ihm augenscheinlich sehr lästig , und er machte einen kecken Versuch , ihn abzuschütteln . „ Wie ich sehe , mein Fräulein , waren Sie soeben im Begriff , zu gehen ! Sie erlauben doch , daß ich Sie durch den Wald geleite ? Wir stören ohnedies hier Herrn Pater Benedict “ – er warf einen Blick auf das noch immer am Boden liegende Buch – , „ der mit