trat um Allerheiligen als Knecht bei Ole Peters ein . Hier fand er andächtige Zuhörer für seine Geschichte von dem Teufelspferd des Deichgrafen ; die dicke Frau Vollina und deren geistesstumpfer Vater , der frühere Deichgevollmächtigte Jeß Harders , hörten in behaglichem Gruseln zu und erzählten sie später allen , die gegen den Deichgrafen einen Groll im Herzen oder die an derart Dingen ihr Gefallen hatten . Inzwischen war schon Ende März durch die Oberdeichgrafschaft der Befehl zur neuen Eindeichung eingetroffen . Hauke berief zunächst die Deichgevollmächtigten zusammen , und im Kruge oben bei der Kirche waren eines Tages alle erschienen und hörten zu , wie er ihnen die Hauptpunkte aus den bisher erwachsenen Schriftstücken vorlas : aus seinem Antrage , aus dem Bericht des Oberdeichgrafen , zuletzt den schließlichen Bescheid , worin vor allem auch die Annahme des von ihm vorgeschlagenen Profiles enthalten war und der neue Deich nicht steil wie früher , sondern allmählich verlaufend nach der Seeseite abfallen sollte ; aber mit heiteren oder auch nur zufriedenen Gesichtern hörten sie nicht . » Ja , ja « , sagte ein alter Gevollmächtigter , » da haben wir nun die Bescherung , und Proteste werden nicht helfen , da der Oberdeichgraf unserm Deichgrafen den Daumen hält ! « » Hast wohl recht , Detlev Wiens « , setzte ein zweiter hinzu ; » die Frühlingsarbeit steht vor der Tür , und nun soll auch ein millionenlanger Deich gemacht werden – da muß ja alles liegenbleiben . « » Das könnt ihr dies Jahr noch zu Ende bringen « , sagte Hauke ; » so rasch wird der Stecken nicht vom Zaun gebrochen ! « Das wollten wenige zugehen . » Aber dein Profil ! « sprach ein dritter , was Neues auf die Bahn bringend ; » der Deich wird ja auch an der Außenseite nach dem Wasser so breit , wie Lawrenz sein Kind nicht lang war ! Wo soll das Material herkommen ? Wann soll die Arbeit fertig werden ? « » Wenn nicht in diesem , so im nächsten Jahre ; das wird am meisten von uns selber abhängen ! « sagte Hauke . Ein ärgerliches Lachen ging durch die Gesellschaft . » Aber wozu die unnütze Arbeit ; der Deich soll ja nicht höher werden als der alte « , rief eine neue Stimme ; » und ich mein , der steht schon über dreißig Jahre ! « » Da sagt Ihr recht « , sprach Hauke , » vor dreißig Jahren ist der alte Deich gebrochen ; dann rückwärts vor fünfunddreißig , und wiederum vor fünfundvierzig Jahren ; seitdem aber , obgleich er noch immer steil und unvernünftig dasteht , haben die höchsten Fluten uns verschont . Der neue Deich aber soll trotz solcher hundert und aber hundert Jahre stehen ; denn er wird nicht durchbrochen werden , weil der milde Abfall nach der Seeseite den Wellen keinen Angriffspunkt entgegenstellt , und so werdet ihr für euch und euere Kinder ein sicheres Land gewinnen , und das ist es , weshalb die Herrschaft und der Oberdeichgraf mir den Daumen halten ; das ist es auch , was ihr zu eurem eigenen Vorteil einsehen solltet ! « Als die Versammelten hierauf nicht sogleich zu antworten bereit waren , erhob sich ein alter weißhaariger Mann mühsam von seinem Stuhle ; es war Frau Elkes Pate , Jewe Manners , der auf Haukes Bitten noch immer in seinem Gevollmächtigtenamt verblieben war . » Deichgraf Hauke Haien « , sprach er , » du machst uns viel Unruhe und Kosten , und ich wollte , du hättest damit gewartet , bis mich der Herrgott hätt zur Ruhe gehen lassen ; aber – recht hast du , das kann nur die Unvernunft bestreiten . Wir haben Gott mit jedem Tag zu danken , daß er uns trotz unserer Trägheit das kostbare Stück Vorland gegen Sturm und Wasserdrang erhalten hat ; jetzt aber ist es wohl die elfte Stunde , in der wir selbst die Hand anlegen müssen , es auch nach all unserm Wissen und Können selber uns zu wahren und auf Gottes Langmut weiter nicht zu trotzen . Ich , meine Freunde , bin ein Greis ; ich habe Deiche bauen und brechen sehen ; aber den Deich , den Hauke Haien nach ihm von Gott verliehener Einsicht projektiert und bei der Herrschaft für euch durchgesetzt hat , den wird niemand von euch Lebenden brechen sehen , und wolltet ihr ihm selbst nicht danken , euere Enkel werden ihm den Ehrenkranz doch einstens nicht versagen können ! « Jewe Manners setzte sich wieder , er nahm sein blaues Schnupftuch aus der Tasche und wischte sich ein paar Tropfen von der Stirn . Der Greis war noch immer als ein Mann von Tüchtigkeit und unantastbarer Rechtschaffenheit bekannt , und da die Versammlung eben nicht geneigt war , ihm zuzustimmen , so schwieg sie weiter . Aber Hauke Haien nahm das Wort ; doch sahen alle , daß er bleich geworden . » Ich danke Euch , Jewe Manners « , sprach er , » daß Ihr noch hier seid und daß Ihr das Wort gesprochen habt ; ihr andern Herren Gevollmächtigten wollet den neuen Deichbau , der freilich mir zur Last fällt , zum mindesten ansehen als ein Ding , das nun nicht mehr zu ändern steht , und lasset uns demgemäß beschließen , was nun not ist ! « » Sprechet ! « sagte einer der Gevollmächtigten . Und Hauke breitete die Karte des neuen Deiches auf dem Tische aus . » Es hat vorhin einer gefragt « , begann er , » woher die viele Erde nehmen ? Ihr seht , soweit das Vorland in die Watten hinausgeht , ist außerhalb der Deichlinie ein Streifen Landes frei gelassen ; daher und von dem Vorlande , das nach Nord und Süd von dem neuen Kooge an dem Deiche hinläuft , können wir die Erde nehmen ; haben wir an den Wasserseiten nur eine tüchtige Lage Klei ,