und wiederholte sie : » Den Frieden ? « Er zog wie im Spiel den Handschuh Justs von Burlebecke an ; dann sprach er : » Den Frieden ? ... Geh ' grad ! ... den Frieden ? Weshalb sollt ich auch den Frieden zu finden wünschen ? Ich bin kein gelehrter Mann wie hier der Herr Student , der den heidnischen Philosophum , den Horatius , auswendig weiß ; ich kann ' s nicht sagen , wie ' s mir zumute ist . In meiner Jugend habe ich Freude gehabt am bunten Leben ; – hab ' ich denn den Frieden suchen wollen , als ich ein Mönch wurde ? Ja , ja – bei Sankt Veit , es wird wohl so sein ! Ei ja , dann hab ' ich ihn gefunden . Ich bin freilich ein alter Gesell , und da hab ' ich mein Genügen zu Corvey ; aber – geh ' grad ! – die Zeiten haben mich gelassen , wie ich war , als ich anfing mich zu besinnen in der Welt . Was Blut und Feuer ? ! Da das uns vom Herrgott bestimmt war , so mag auch Er – sein Name sei gepriesen – die Rechnung beschließen . Sie wird wohl stimmen , sowohl für ihn als für uns . « Die Alte lachte rauh : » Da seid Ihr also auch auf dem Trost , der uns gesungen wird seit den Tagen des Königs Nebukadnezar . Die Stolzen beugen sich , und der Herr lacht über sie – « » Und dieses alles , weil gestern der Lump , der Monsieur Fougerais , von Höxter abmarschiert ist ! « rief jetzt der Student ungeduldig dazwischen . » Zum Teufel , den Frieden haben wir erst dann , wenn niemand mehr sofort nach dem Prügel im Winkel greift , wann er sich darauf gespitzt hat zu hören : Vivat Doktor Luther ! und es ihm vom andern Tisch herkrächzt : Vivat Clemens der Zehnte – oder umgekehrt ! Der Fougerais ist fort – – Nunc est bibendum , nunc pede libero Pulsanda tellus – das Lied vom Trinken und Tanzen ist zwar schon nach der Schlacht bei Actium gesungen und auf den Niederfall der Königin Kleopatra von Ägypten gemünzt ; aber ich münze es häufig auf was anderes , und tausend Jahre nach mir wird man ' s auch so halten . Item , man hat Jerusalem mehr als einmal wiederaufgebaut , Mutter Leah . « » Doch die Fremden hausen auf der Wohnstätte des Samen Abrahams , junger Herr . Die Kinder von Juda und Israel irren als ein Spott und Spuk zerstreuet ; sie haben keinen Ort mehr , da sie Herren ihres Hauses und Leibes sind . Auch für Euch ist noch keine Zeit , den Siegestanz zu tanzen , junger Herr . Wollt Ihr wirklich dem Herrn von Fougerais und dem großen Marschall Turenne nachsingen und tanzen ? Sie haben Höxter leer genug gemacht . « » Meines hochwürdigsten Herrn zu Münster glorreiche Verbündete ! « murmelte der Bruder Henricus . » Lasset das Tanzen noch eine Weile , Herr Studente . « In diesem Augenblicke erfüllte von neuem ein heftiges Getöse die Gasse und näherte sich dem Hause der Kröppel-Leah . XIV Wann die Hochwasser sich verlaufen haben , dann hängt der Schlamm noch für lange Zeit an den Büschen und überdeckt Wiesen und Felder , und es bedarf mehr als eines klaren Regens und heitern Sonnenscheins , um das Land der Wüstenei wieder zu entledigen . Und wenn die Flut gar in die Städte und Stuben der Menschen drang , dann ist das , was sie hineintrug und zurückließ , gleichfalls nicht so bald ausgekehrt und vor die Tore abgefahren . In diesen schlechten und stinkenden Tagen sieht aber der Herr mit Vorliebe auf solche leichte , unverwüstliche Gesellen , die lachend über den Schmutz weghüpfen und ihre Hand zur Hülfeleistung gern und lachend da anbieten , wo sich mancher Ehrbare , Wohlweise und Hochansehnliche mit Ekel und Unlust abwendet und die Sache sich selber überläßt . Der Herr der Heeresscharen hatte nach dem französischen Abzug in Höxter seine Freude an dem relegierten Helmstedter , Herrn Lambert Tewes . » Inkommodieren sich Euere exzellenten Liebden nicht « , rief der Student . » Redet das Beste hinter meinem Rücken von mir ; ich werde mich erkundigen , was für einen neuen Unfug da die alte Bosheit , Meister Beelzebub , in Huxar ausgebrütet hat . Hab ' ich es nicht ein Dutzend Male gesagt – neque tectum neque lectum , das ist die einzig stichhaltige Devise für diese Nacht ! « Er sprang hinaus , doch die diesmaligen Hausfriedenbrecher kamen ihm bereits an der offenen Pforte entgegen , an ihrer Spitze sein Oheim Ehrn Helmrich Vollbort , der Pfarrherr bei Sankt Kilian . Der , Ehrn Helmrich , hatte , während am Bett der Kröppel-Leah über den Handschuh Justs von Burlebecke gehandelt wurde , in der Stummerigen Straße sein Zwiegespräch mit dem Bürgermeister Thönis Merz eifrig fortgesetzt und willige Horcher im erbosten gemeinen Wesen von Huxar gefunden . » So haben sie wiederum der Stadt Negotien nach ihrem Willen geordnet , die Herrn von Corvey « , hatte er zornig gesprochen . » Wird sich lutherische Bürgerschaft auch diesmal wieder den Maulkorb selber überhängen ? Lutherisches Kirchenamt wird reden und sich nicht den Mund verbieten lassen ! « » Wir haben doch auch geredet , Ehrwürden ; – aber was hilft ' s ? « meinte der Bürgermeister . » Was es hilft ? O ihr närrischen Leute , klingt es euch denn noch nicht genug in die Ohren von dem Gnaden- und Segen-Rezeß , den euch der von Galen , so sich Bischof von Münster und euer Landesherr nennt , über dieselben gleich einer Schlafhaube ziehen wird ? Behaltet nur das Wort in der Kehle und die Faust im Sack nach euerer faulen Art und wartet das nächste Jahr ab . Den Hechtsfang und