ein Tau des Himmels fallen möge – und du hast wohl recht ! Aber auch ohne Frömmigkeit kann man der Welt müde werden . Unter den Flügeln deiner Macht habe ich dieses Reich lange Jahre regiert , mit welchen Mitteln ? Mit Gewalt , Bestechung , Wortbruch ... und mit schlimmern , die ich nicht aussprechen mag . So werden die Reiche der Welt verwaltet , aber ich bin es müde . Was ist mir dieses Engelland ? Ich bin kein Normanne , nicht einmal ein Sachse ! Fremdes Blut fließt in meinen Adern . – Und die Schätze , mit welchen du mich , Großmütiger , überhäufst – für wen sammle ich sie ? – Für den Rost und die Motten ! ‹ Hier sah ich gleich , daß Herr Thomas an den Tod von Gnade dachte , und auch der König war davon gerührt . Eine Träne rollte auf seiner Wange , denn Herr Heinrich hatte ein weiches Herz . › Sunt lacrimae rerum ‹ , murmelte der Kanzler vor sich hin . › Von wem ist dieser Vers , Armbruster ? Du warst ja ein Kleriker ! ‹ wandte er sich von neuem gegen mich , als wollte er die Maske des Gleichmutes , die einen Augenblick gefallen war , wieder vornehmen . › Von dem römischen Poeten Virgilius ‹ , antwortete ich ohne Anstand , › und er bedeutet , daß man die menschlichen Dinge nicht zu stark pressen soll ; denn sie sind innerhalb voller Tränen . ‹ Also wollte ich meinem Herrn und Könige zu Hilfe kommen . › Nimm mir ab das alte Joch ‹ , bat der Kanzler , › statt mir ein neues aufzubürden , das mich zum Doppelsinnigen und Zweideutigen macht . ‹ Einen andern Kanzler suchen ? Unmöglich . Herr Thomas war unentbehrlich und das konnte nicht sein Ernst sein . So sagte sich Herr Heinrich , wie ich mir es denken muß , denn er brach plötzlich in die Worte aus : › Du bist ehrgeizig , ehrgeizig , ehrgeizig ! – Du machst dich kostbar , du Überkluger , weil du dich unersetzlich weißt . Sieh , Thomas , das gefällt mir nicht . Ein fröhlicher Geber , ein fröhlicher Nehmer ! ‹ › Dein Kanzler muß ich bleiben , denn ich glaube , unsere Sterne und unsere Geburtsstunden stehen zueinander in Beziehung ‹ , erwiderte Herr Thomas ; › aber zwinge mich nicht , dein Primas zu werden ! ‹ › Greif zu , greif zu ! ‹ schrie Herr Heinrich , durch diesen Beginn von Nachgiebigkeit angefeuert . › Halt ein , o König ! ‹ rief zu gleicher Zeit der Kanzler – mit einem Blicke , ehrwürdiger Herr , den ich nie vergesse , mit dem Blicke eines Sterbenden . Er fuhr mit der Hand an die Stirn , als brenne ihn dort eine Wunde , und seine Stimme sank zum Geflüster herab : › Wohin werde ich geführt ? In welche Zweifel ? In welchen Dienst und Gehorsam ? In welchen Tod ? ‹ Dann erhob er sie wieder fast drohend zur Frage : › Bist du meiner gewiß , o König ? ‹ › Gewisser als meiner selbst ‹ , versicherte Herr Heinrich , der kein feines Ohr besaß und deshalb die geflüsterten Worte überhört hatte . › Genug des Rätselns ! – Ich brauche dich , Thomas ! Und sage nicht : was geht mich Engelland an ? Meine Gunst hat dich längst über die Sachsen weggehoben und ich habe mehr für dich getan , als für irgendeinen Normann . ‹ Hier verzog ein Blitz des Hohns das Antlitz des Kanzlers ; aber Herr Heinrich achtete dessen nicht und schrie ungeduldig : › Keine Widerrede mehr ! Ich erhebe dich so hoch ich will und du , gehorche ! ‹ Da neigte Herr Thomas sein bleiches Haupt und sprach : › Was du verhängst , das geschehe ! ‹ IX IX So begab sich denn der Kanzler mit unbeschränkter königlicher Vollmacht im Gehorsame seines Herrn nach Engelland zurück , und dort formte und bildete er mit seinen geschickten Fingern die Bischöfe , die den Primas zu wählen hatten , wie geschmeidigen Ton , bis sie aus seiner Meisterhand als seine Geschöpfe hervorgingen und ihre Stimmen zu seinen Gunsten vereinigten . Alles verlief aufs beste . Herr Thomas wurde ernannt und der normännische Bischof von Wincester legte ihm mit bittersüßer Miene und großer Feierlichkeit seinen brüderlichen Segen aufs Haupt . Da gelangte eines Tages eine unglaubliche Mär in die Normandie . Meinem Herrn und Könige wurde berichtet , sein Kanzler habe alle Pracht des weltlichen Lebens mit einem Male und gänzlich von sich getan . Zu dem üblichen Gastmahle seiner Bischofsweihe habe er gegen alle Art und Sitte nicht seine Brüder , die Bischöfe , und übrige vornehme Pfaffheit nebst der Blüte des normännischen Adels geladen , sondern er habe Armut und Schwären , die Bettler und Krüppel von den Landstraßen und Zäunen holen lassen , um seine weiten Säle und seine bischöfliche Tafel würdig zu füllen . Der König hielt dieses staunenswerte Ereignis für erfunden , oder wenigstens von den Neidern und Feinden seines Lieblings ins Große getrieben . Er machte sich über seine normännischen Hofleute lustig , die solches neue und unerhörte Ding verdroß . › Herren ‹ , schäkerte er mit ihnen , › das müßt ihr meinem Kanzler schon lassen , über Miene und schickliche Tracht jeden Standes weiß er Bescheid . In allem zeigt er Geschmack ! Euch hat er in der Vollendung des Höflings vorgeleuchtet und euch alle an feinem ritterlichen Anstand übertroffen . Jetzt gibt er seinen neuen Standesgenossen , den Bischöfen , das hohe Beispiel der echten apostolischen Lebensart . Ein seltener , oh , ein einziger Mann ! ‹ Als neue Kunden die erste bestätigten , hinzufügend , der Primas habe sein kostbares Bischofsgewand gleich nach der feierlichen Handlung der Weihe wieder abgelegt und wandle mit magerem , verfastetem Angesicht in einer groben