Sie . « Er fand das Mädchen im Erker . Es brannte noch kein Licht , nur der Schein der Ofenflammen leuchtete über den Teppich . » Gertrud « , sagte er , » wie soll ich dir danken ! « Und als er die Hände ergriff , brannten sie heiß in den seinen . » Wofür ? « fragte sie . 114 » Für alles , Trudchen ! – Du warst doch ruhig , Mama gegenüber ? « setzte er dann hinzu , als sie schwieg . » Ganz ruhig ! « erwiderte sie , » ich dachte an dich ; aber fest bin ich geblieben , ich will keinen Ehekontrakt ! « » Du törichtes Mädchen ! Ich kann ja Unglück haben , schlechte Ernten oder dergleichen – dann leidest du mit ? « Sie nickte und lächelte . » Freilich – und helfe dir mit allem , was ich besitze . Und wenn wir schlechte Ernten haben und nichts , nichts glücken will , gar nichts mehr unser ist , dann « – sie hielt inne und sah ihn glückselig an aus den lieben verweinten Augen , » dann hungern wir zusammen , nicht ? du ? « Und der Hochzeitstag kam . Anders wie sonst ein solches Freudenfest hub er an . Es war unheimlich still in dem Hause , das noch in tiefster Trauer stand . Die Zimmerflucht hatte man geöffnet und erwärmt und über Trudchens Tür hing eine Girlande aus ernstem Tannengrün . Gestern war unermüdlich die Klingel gezogen worden , und ein kostbares Geschenk nach dem andern eingetroffen , und die ganze Pracht an schwerem Silberzeug , Majoliken , Teppichen und anderen kostbaren Dingen hatte man auf eine lange Tafel gestellt im Erkerzimmer . 115 Ein Gärtnerbursche hantierte noch leise im Saal , um den improvisierten Altar mit Orangenbäumen zu dekorieren . Der feine Duft von Räucherwerk schwebte in der Luft und die Flammen des Kamins spiegelten sich in den Glasbehängen des Kronleuchters und dem glänzenden Parkett des Fußbodens . Draußen aber wehte trügerische , weiche Luft . Es war der erste März . Frau Baumhagen hatte schon seit dem Morgen geweint und gestöhnt , und zwischen den Anordnungen für die Trauung waren Befehle erlassen , die Reise betreffend . Die großen häuserartigen Koffer standen fertig gepackt in der Garderobe . Übermorgen sollte es fortgehen ; zunächst nach Heidelberg zu einem berühmten Arzt . Um Trudchens Aussteuer hatte sich die Mutter nicht bekümmern können , mochte sie sich die Einrichtung selbst aussuchen . Trudchens Geschmack war ja sowieso höchst wunderbar : wenn sie blau gewollt , hätte das Mädchen sicher rot gewählt – so war es von jeher . Ach , dieser Tag war ein schrecklicher in ihren Augen , er beschloß qualvolle Wochen . Seit dem Begräbnis des Kleinen , wo das Kind eine so leidenschaftliche Szene gemacht , war man noch kälter denn sonst aneinander vorübergegangen . Gertruds Augen konnten so groß , so fragend blicken , es stand immer die leise Anklage darin : » Warum störst du mein Glück ? « – » Wenn man doch erst im Coupé säße ! « 116 Jetzt waren die Damen alle bei der Toilette . Um fünf Uhr sollte die Trauung stattfinden . Die alte Sophie half Trudchen , sie wollte es sich nicht nehmen lassen . Das bedeutungsvolle Kleid hatte Trudchen schon angelegt , nun kniete Sophie vor ihr und knöpfte die weißen Atlasschühchen zu . » Fräulein Trudchen « , seufzte die Alte , » wie wird ' s so öde werden im Hause ! Das Walterchen tot , und Sie nun fort . « » Ich werde glücklich sein , Sophie ! « Die weiche Mädchenhand strich über das runzlige Gesicht , das traurig zu ihr emporsah . » Das walte Gott ! das walte Gott ! « murmelte die alte Frau gerührt und erhob sich . » Nun kommt wohl Schleier und Kranz ? Aber Fräulein , dazu bin ich zu ungeschickt , das wird – da ist Frau Fredrich schon – « Frau Jenny kam eben durch das Wohnzimmer des jungen Mädchens , sie war in tiefschwarzer duftiger Krepprobe , und aus den blonden Haarwellen leuchtete eine weiße Kamelie . Sie sah erschreckend bleich aus und hatte rotgeweinte Augen . » Ich will dir helfen , Trudchen « , sagte sie matt und begann den Schleier auf dem braunen Haar der Schwester zu befestigen . » Wenn ich denke , Trudchen , wie du mir den Kranz aufgesetzt hast , weißt du noch ? Ach , wenn man in der Stunde ahnen könnte , welch unendlichem Leid man entgegengeht ! « 117 » Jenny « , bat Trudchen , » weine nicht so viel . Sieh , wie ich herunterkam , als Walterchen gestorben war und Artur dich so treu im Arme hielt , dachte ich , welch eine Fülle von Trost ihr noch hättet in euch selbst . Das ist doch erst das rechte , wahre Glück , wenn zwei so beieinander stehen in Kreuz und Not . « » Oh « , sagte Frau Jenny , und um ihre Lippen zuckte es verächtlich , » glaube mir doch , Artur ist schon halb getröstet . Er kann von etwas anderem reden , er kann essen und trinken und ins Geschäft gehen , er hat sogar schon Skat gespielt . Dieses vielgepriesene Glück ! Lieber Gott ! « » Ach , Jenny , du darfst nicht die tiefe Trauer von ihm verlangen , wie sie ein Mutterherz empfindet ; er – « » Du wirst es auch noch einsehen « , unterbrach die junge Frau . » Die Männer sind alle Egoisten ! « Trudchen erhob sich jäh von ihrem Sessel . Sie schwieg , doch ihre Augen hefteten sich vorwurfsvoll auf die Schwester , als wollte sie sagen : » Sind das deine Segensworte , die du mir auf den Weg mit gibst ? « Aber ihre Lippen sagten nur : » Nicht alle ,