' , und sie wünschte uns viel Glück zu unserm Vorhaben . In der Türe , die zur Wohnstube führte , erschien eben die schlanke Gestalt eines noch ganz kindlichen Mädchens , dessen brünettes reizendes Gesicht über und über lachte , daß die Zähne nur so blitzten und in den rosigen Wangen zwei tiefe Grübchen sich zeigten . 108 » O , was süße Veilchen ! « rief sie , als Korl ihr unbeholfen sein Sträußchen hinhielt , » viel Dank auch , Herr Lorensen . Und vergessen Sie man nich , daß Sie mich abmalen wollen , wenn Sie wiederkommen . « » Nein , « sagte Korl mit einer fast heiseren Stimme und verdächtig schimmernden Augen , » das vergesse ich nich , Fräulein Dobbers . « » O , wie werd ' ich Sie vermissen , Herr Lorensen , wenn ich Morgens die Ladens nich aufkriege . « » Dummes Gör ! « schalt Madame Dobbers , » als ob hier kein Ein wär , der dir die Ladens aufmacht . « Das Mädchen schwieg und lächelte Korl noch immer an ; so ein rechtes übermütiges Lächeln war ' s , das die zwei tiefen Grübchen nur noch reizender machte . Und Korl sah so blaß aus und so ernst und schluckte ein paarmal ganz komisch , als wollte er etwas sagen , und konnte doch nicht . » Adieu , Pine Dobbers , « kam es endlich von seinen Lippen und seine große Hand streckte sich dem Mädchen entgegen . » Auf Wiedersehen ! Auf Wiedersehen , Herr Lorensen ! Wie lange bleiben Sie denn aus ? « fragte sie . Er hielt ihre Hand noch immer , und die Augen groß auf sie heftend , sagte er langsam , jedes Wort betonend : » Drei Johr bliew ick ut , Pine Dobbers . « Sie erschrak ein wenig vor diesem feierlichen Ernst seines Wesens . » Drei Jahre ? « wiederholte sie . » Zeit genug , daß aus dummen Gören vornünftige Deerns werden , « erklärte Madam Dobbers trocken . » Adjüs , Herr 111 Seeberg , adjüs , Herr Lorensen , kamen ' s gesund na Huus , un wat Ehr leewe Mudder is , Herr Seeberg , an de bitt ick ock en Komplement von mi to bestellen . « Und damit hatte sie uns die Hand geschüttelt und wir standen plötzlich draußen auf der Straße , und ich starrte Korl Lorensen ganz vorbast an : » Nu segg mi mal , Korl – – « Aber er wandte den Kopf weg . » Du bist wohrhaftig dull verleewt , Korl ? « Keine Antwort . Dann sagte ich nach einer Pause : » Je , ick hew se ja gar nich weddersehen , tid se ut de Flensborger Panschon torück keem ; wat en söte lütte Deern is se worn ! Wo old mog se denn sin , Korl ? « » O , söstein , « sagte Korl . » Un du ? « » Ick bin negentein un en half . « » Herrje ja ! Un nu – wat sallt denn dat bedüden mit di un de lüttje Deern ? « » Nix , Albert , gar nix . Ick hew ehr man in letzter Tid Morgens ümmer de Ladens opslagen , weil dat de Bäckergesell nich glick bi de Hand wär , und weil dat se ümmer , tid se ut de School is , ehr Mutter Posten verwalten mutt in Laden Klock sös , denn de is man swach un Pine mutt dat Finbrod vorköpen . « » Da täuwst du nu woll en lütten tidiger , eh de Gesell to helpen kümmt ? « » Ja , da täuw ick en büschen op de Straat , « gab er zu . Süh ! Süh ! Korl Lorensen , dachte ich , ist ' s möglich , hast all so wat in Kopp ? Un ick , de ick anderthalb Jahr öller bin as du , hew noch mit kein ein Gedanken an ' n lütte Deern dacht . » Ja , Korl , nu wat denkst du di nu dabi ? « » Gor nix , Albert , « versicherte er noch einmal . » Good Nacht , ick mutt slapen , ick sall morgen fröh mit klaren Ogen in de Welt kieken . « » Na , Good Nacht , Korl , also op ' n Banhof um Klock achten . « » Op ' n Banhof um Klock achten , « wiederholte er , » Good Nacht ! « 112 Ob Korl geschlafen hat , weiß ich nicht : ich tat jedenfalls kein Auge zu , und als ich so zwischen fünf und sechs Uhr früh aufstand , müde und zerschlagen vom Abschiedsweh , Reisefieber und von unbestimmter freudiger Erwartung , da blieb mein Auge , das aus dem Fenster schweifte , zufällig an Bäcker Dobbers ' Hause hängen , und richtig , da stand Korl Lorensen und half Pine Dobbers zum letzten Male die Läden aufschlagen , und als er damit fertig ist – sie hat derweil in der Ladentür gestanden und zugeschaut – winkt sie ihn ins Haus hinein , und dann sind alle beide auf der Diele verschwunden . » Verdori ! « sage ich vor mich hin , » so ' n Slef , so ' n bannig dummer Jung und – so ' n Glück ! Kiek de Pine Dobbers , un wat de lütte Deern nüdlich warn is ! Wie kommt die Rose to ' n Liemputt ? « Denn für mehr als einen guten , herzensguten Menschen und ganz brauchbaren Tischlergesellen hielt ich ihn trotz seiner Künstlerideen 113 damals nicht ; ich dachte immer , er wäre man bloß anstecken von sin Onkel Eduard . Es dauerte ziemlich lange , bis er wieder herauskam aus dem Bäckerhause und über den Markt schlich , mit so ' n bißchen torkeligem Gang wie ein Betrunkener . Eine ganz