’ s hoffen ! “ gähnte Frau Rätin , die ihr Kind nicht verstand , „ stelle sie nur nicht zu sehr auf die Probe ! Weißt du was ? Wenn deine Hochzeit vorüber ist , thue ich ein Dankopfer - mir graut vor der nächsten Zeit ! “ „ Mir auch , “ sagte Aenne leise und ging aus dem Zimmer . Droben saß sie dann auf ihrem Bette und grübelte . „ Sagen muß ich es ihm und bitten will ich ihn , daß er mich dennoch nimmt . Ich will mir Mühe geben , “ flüsterte sie und preßte die Hände zusammen , „ er darf mich nicht verlassen , er soll auch mit mir Geduld haben ! “ Und dann erinnerte sie sich seiner Beschreibung des öden trostlosen Lebens neben der ungeliebten Frau . „ Eine Hölle “ , hatte er gesagt ! Und sie wollte trotzdem diese Schwelle überschreiten ? Sie versuchte , es sich vorzustellen ob sie ihn immer würde ertragen können , ihn und die Kinder . Und sie streckte die Hände aus wie abwehrend und schlug sie gleich darauf vor ihr glühendes Antlitz . „ Ich will nicht , ich kann nicht ! “ stöhnte sie . Und nun dachte sie an Heinz , und die Röte der Erregung wich der Blässe des starren harten Trotzes . „ Es muß sein ! “ sagte sie , „ es muß sein ! “ [ 085 ] Wochen vergingen und es blieb alles beim alten . Aenne hatte ihren Verlobten nur selten gesehen , er war völlig in Anspruch genommen von seinem Beruf infolge der Anwesenheit des Herzogs , der ohne Günthers Begleitung keinen Pirschgang unternahm . Zu einer Aussprache hatte sie keine Gelegenheit gefunden , aber auch den Mut nicht . Wenn sie in seine Augen blickte , die stets einen Schimmer von Rührung und Zärtlichkeit bekamen , sobald sie auf ihr ruhten , preßte ihr die Angst den Mund zu . Was sollte dann werden , wenn er ihr antwortete : „ Nein , Aenne , nein – laß uns auseinander gehen , ich weiß , was es heißt – ohne Liebe heiraten ! “ Ja , was sollte dann werden ? Weiter leben im Hause der Eltern ? Unter den Augen von Heinz , in der Erfüllung der geringen Pflichten , die nicht den tausendsten Teil ihrer jungen Kräfte erforderten ? Nein ! Andere Arbeit brauchte sie , schwere Pflichten , die sie so in Anspruch nahmen , daß sie nicht Zeit fand , nach rechts und links zu sehen ! Erst nach der Hochzeit wollte sie ihm alles sagen , dann mußte er sie behalten , mußte Geduld mit ihr haben ! – – – – Droben im rechten Flügel des Schlosses , den der Regierende zu Jagdzeiten bewohnte , schimmerte allabendlich die Reihe der hellen Fenster in die Nacht hinaus , und auf dem sonst so stillen Schloßplatz war reges Leben . An den Straßenecken klebten Programme : „ Herzogliches Hoftheater zu Breitenfels “ , vor dem Gasthofe droben hielten abends lange Reihen von mehr oder minder feinen Equipagen , denn die Bewohner der umliegenden Städtchen , Dörfer und Rittergüter kamen , um den Vorstellungen beizuwohnen , die für sie einen seltenen Genuß boten . Es war ja anerkannte Thatsache , daß das herzogliche Hoftheater über vorzügliche Kräfte verfügte . Aenne saß beinahe jeden Abend in der Loge der herzoglichen Beamten auf einem der beiden Plätze , die dem Oberförster gehörten ; den andern Platz nahmen abwechselnd Fräulein Stübken , die Mutter oder Tante Emilie ein ; Aenne war es gleichgültig – wer . Sie sah und hörte nicht , was sonst um sie her geschah , sie ging völlig auf in den Tönen , und hier allein vergaß sie ihre ewig quälenden Gedanken . Diese Plätze befanden sich in den Seitenlogen des zweiten Ranges des winzigen Theaterchens . Es war heiß dort innen und dunkel , Aenne merkte es nicht . Gegenüber , auf seiten der Herzogin-Mütter , sah sie in der Prosceniumsloge Abend für Abend die hohe Frau mit ihren Hofdamen , Frau von Gruber , Fräulein von Ribbeneck , [ 086 ] und dem Kammerherrn . Heinz hatte sie nicht wieder erblickt , sie wußte nur , daß er sofort beurlaubt worden , daß er den Abschied eingereicht habe und sich mit unerhörtem Fleiß in seine neuen Pflichten einzuleben bemüht sei . Ihre Durchlaucht hatte das gnädig dem Medizinalrat anvertraut und auch , daß sie glaube , eine ganz vorzügliche Acquisition gemacht zu haben . Es war , als ob sich alle die tobenden Wässer anschickten , ruhig und ehrbar in den Bahnen dahin zu fließen , die sie sich selbst gewählt hatten , als vernünftige Bächlein , die bestimmt waren , zu nützen und zu arbeiten , bis sie dereinst in dem großen Meere untertauchten . Aenne erfuhr auch eines Tages , daß der dritte Weihnachtsfeiertag für die Hochzeit des Herrn Hofmarschalls ausersehen sei . Sie ertrug ’ s kaum , wenn von ihm die Rede war , aber sie nahm sich zusammen , nur erschien sie still , gedrückt und merkwürdig gleichmäßig . Die Mutter hielt das für die natürliche Folge des Brautstandes , dem Vater aber gefiel ihr Aussehen gar nicht . „ Nervös “ , sagte er , „ sie wechselt zu oft die Farbe , und in ihren Augen flackert es , als hätte sie Fieber . “ Er verschrieb ihr Chinin und verordnete Spaziergänge . „ Nimm die Kinder mit , wenigstens die großen , “ schlug die Mutter vor , „ es wird dich zerstreuen ! “ In Aennes Herzen bäumte sich jäh etwas auf . Sie ertrug seit jenem Tage , wo der Junge und das Mädel nach Kinderart ihr ins Gesicht gerufen . „ Du liebst uns ja gar nicht “ , die kleinen Geschöpfe kaum noch , sie konnte sich zu keiner Liebkosung mehr aufraffen , sie fühlte sich erkannt von ihnen – Kinder sind größere