sie auch ; sie empfand es besonders stark in diesem Augenblick , wo die langen Wimpern sich über die kalten Augen gesenkt hatten ; das ovale blasse Gesicht unter den hochgeschwungenen Brauen , deren Schwärze so seltsam mit der hellen Haarfarbe contrastirte , umflossen von der goldige Masse dieses wundervollen Schleiers , bot einen unbeschreiblich reizenden Anblick . So war sie wirklich , die Ahnfrau dort oben ; genau so setzte sich der schlanke Hals auf die feinen Schultern ; genau so war die Haltung des kleinen Kopfes ; einzelne kurze Löckchen fielen der Mode gemäß auf die alabasterweiße Stirn , und um den kleinen Mund lag ein gedankenvolles Lächeln . Sie spielte mit dem Elfenbeinfächer und strich liebkosend mit seiner glatten Fläche über ihre Wange . Army stand da drüben am Stamme der große Linde und sah gedankenvoll zu ihr herüber . Da war sie nun im Hause seiner Väter ! Mit welch ’ freudigem Herzklopfen hatte er sie erwartet , und nun schien es ihm , als flöge sie am liebsten , einem gefangenen Vöglein gleich , wieder hinweg aus dieser Einsamkeit in lautes , fröhliches Leben hinaus . Sie war so kühl ; selbst ihre wirklich reizend eingerichteten Zimmer , die ihm so viel Nachdenken und Mühe gekostet , würdigte sie kaum eines Blickes . Himmel ! Es war doch eigentlich unbegreiflich leichtsinnig ! Die Kosten betrugen mehr , als er zwei Jahre lang Gage und Zuschuß bekam . Aber bah – wenn er erst jene kinderkleine Hand dort fest in der seinen hielt , dann war ja diese ganze Angelegenheit überhaupt eine Lappalie ! So hatte auch Großmama beschwichtigend zu seiner Mutter gesagt , die mit bangen Blicke die Tapezierer betrachtet und die neuen Livreen des alten Heinrich und des Dieners , der mit dem Goldfuchs und Blanka ’ s Reitpferd gekommen war , die nun an der lang verödeten Marmorkrippe standen . War doch sogar eine wirkliche Köchin auf diese Zeit gemiethet worden und hantirte nun in der großen Schloßküche herum – und dies Alles für jene kleine Fee , die da so theilnahmlos gegenüber saß ! Army seufzte und blickte hinüber zu dem imposanten Gebäude , das in der grellen Mittagssonne dalag ; die glühende Luft zitterte auf dem spitzen Schieferdache , und dort in Blanka ’ s Zimmer bog sich eben die hübsche Kammerjungfer heraus und schloß die Fenster . „ Wie unvernünftig die Jungfer ist ! “ rief Blanka und sprang aus dem Stuhle empor , „ sie weiß , daß ich die Wärme liebe , und zudem diese entsetzliche feuchte Luft in den alten hohen Zimmern ! Nelly , sag ihr ’ s – sie soll die Fenster offen lassen . “ Die Kleine lief wirklich nach dem Schlosse ; sie war augenscheinlich froh , weg zu kommen aus der drückenden Langeweile . „ Welches sind eigentlich meine Zimmer , Army ? Man findet sich in diesem Fenstergewirre nicht zurecht , “ fragte Blanka . „ Dort , Cousine , “ erklärte er und trat näher zu ihr ; „ dort im zweiten Stocke ; Dein Ankleidezimmer stößt dicht an den Thurm . “ „ Ah , das ist also die Thür , die so kunstvoll durch den grünen Stoff verborgen wird , – ich konnt ’ s nicht ergründen , ob hinter den festgenagelten Falten ein alter Wandschrank oder eine Thür verborgen sei . Uebrigens , “ fuhr sie fort , „ warum gab man mir nicht das Thurmstübchen ? Es muß reizend sein mit seinen runden Fenstern , und ich hätte doch Aussicht in ’ s Land hinein gehabt . “ „ Es thut mir wahrhaftig leid , Blanka , “ sagte er , „ ich hatte dieselbe Idee , aber Großmama scheint besondere Gründe – “ „ So ? Spukt es dort vielleicht ? “ unterbrach sie ihn lebhaft . Army lachte . „ Leider nicht , Cousine ; wenigstens weiß ich nichts davon ; es müßte denn der Junker von Streitwitz umgehen , der sich einst um Dein reizendes Ebenbild erschossen hat , wie die Chronik berichtet . “ Sie überhörte die letzten Worte . „ Army , ich bitte Dich , verschaffe mir das Thurmzimmer ! “ Ihre Stimme hatte den süßen Ton eines bittenden Kindes . „ Ich werde noch einmal zur Großmama gehen , Blanka . “ „ Aber bald , Army , bald ! “ rief sie , und lächelte ihm zu . Er sah sie ganz entzückt an . „ Gewiß ! Gleich ! “ stotterte er , denn so strahlend hatte sie noch nicht einmal vor ihm gestanden , so lange sie hier war . „ Blanka , “ fügte er dann hinzu , „ ich habe Sorge , Du langweilst Dich hier gründlich . “ Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht . „ Ich bitte Dich ! “ rief sie , „ sprich das Wort nicht aus , erzähle mir lieber etwas , Vetter , bis ich hinauf muß , um zu Mittag Toilette zu machen ! – Für wen macht man hier eigentlich Toilette ? “ setzte sie hinzu , und zuckte die feinen Schultern . „ Sag ’ einmal , “ rief sie dann , und schaukelte schon wieder im Stuhl , „ wer ist das junge Mädchen , gegen das Deine Großmama – nimm es mir nicht übel – grenzenlos unartig war ? “ – „ Fräulein Lieschen Erving . “ „ Das weiß ich , aber wer ist ihr Vater ? Sie sprach von ihrer Equipage – “ „ Der Vater ist der reichste Mann in der Umgegend , Blanka , Besitzer einer Papierfabrik – daher die Lumpenmalice der Großmama – Besitzer weitläuftiger Forsten , in denn wir Gelegenheit haben werden , spazieren zu gehen , da sie an unsern Park grenzen . “ „ Und warum kann Großtante das Mädchen nicht leiden ? “ „ Ja , Blanka , was fragt die Großmama nach einem Warum ? Sie hat von jeher eine unerklärliche Abneigung gegen