geladenen Feldprediger . Um ihn für diese Stichelreden zu strafen , begab sich der Kronprinz nächtlicherweile mit einigen jungen Offizieren des Regiments in des Feldpredigers Wohnung , auf deren Hof eine große Pfütze war . Und nun wurden ein paar Scheiben eingeschlagen , Schwärmer in die Schlafkammer geworfen , und der Feldprediger aus dem Bett in den Hof oder mit andern Worten in die Pfütze gejagt . « Dies und Schlimmeres kam zur Kenntnis des Hofes , speziell der Königin , und als der Kronprinz erfuhr , » daß man davon wisse « , war er beflissen durch Versicherungen seiner Wohlanständigkeit den Effekt solcher Ausplaudereien abzuschwächen . Es lag ihm begreiflicherweise daran , den kaum besänftigten Vater nicht aufs neue gegen sich eingenommen zu sehen , und so schrieb er denn unterm 23. Oktober 1732 von Ruppin aus an General Grumbkow : » Ich lebe jetzt , weiß Gott so zurückgezogen , wie nur möglich ; der Regimentsdienst , die Exercitien , die ökonomischen Kommissionen , mit welchen mich der König bedacht , beschäftigen mich vollauf ; darauf folgt das Essen , die Parole , und wenn ich dann nicht über Land reite , so zerstreue ich mich durch Lektüre und Musik . Gegen 7 Uhr bin ich mit den Offizieren , den Capitainen oder mit Bodenberg ( wahrscheinlich Buddenbrock ) oder Anderen zusammen und spiele mit ihnen . Um 8 Uhr soupire ich , um 9 Uhr ziehe ich mich zurück , und lebe so einen Tag wie den anderen . Nur wenn die Post aus Hamburg kommt , lade ich mir etwa drei bis vier Personen zu Gast und speise mit denselben in meinen Zimmern , da ich die Ausgabe , zehn Personen solch theure Leckerbissen vorzusetzen , nicht machen kann . Meine einzige Zerstreuung besteht im Wasserfahren , oder daß ich einige Schwärmer in meinem vor der Stadt liegenden Garten steigen lasse . Das sind meine Vergnügungen , und ich wüßte kaum , was man anders in einem so untergeordneten Orte anfangen könnte . Natürlich wünsch ich von ganzem Herzen , daß dem König über das Alles die Augen geöffnet würden . Ich glaube kaum , daß es etwas Unschuldigeres giebt und daß man stiller leben kann . Man hat – unter uns gesagt – der Königin die Meinung beigebracht , ich sei über die Maßen ausschweifend , und sie scheint es zu glauben . Ich kann mir gar nicht erklären , wie man dazu kommt , denn wenn ich auch nicht leugnen will , daß auch mein Fleisch bisweilen schwach ist , so braucht man doch um einer kleinen Sünde willen nicht als der größte Wüstling verschrieen zu werden . Ich kenne Keinen , der es nicht eben so machte , Viele aber , die es schlimmer treiben , und doch spricht , ich weiß nicht wie es kommt , Niemand von ihnen . Ich gestehe , daß mir das sehr nahe geht , und wenn ich in der Lage wäre , würde ich den elenden Subjekten , welche solche Gerüchte unter der Hand verbreiten , meinen Zorn fühlen lassen . – Sie sehen , lieber Freund , daß ich sehr aufrichtig bin , und Ihnen ohne Hintergedanken alles sage ; denn ich weiß , daß Sie für meine Schwächen einige Nachsicht haben und wissen , ( oder doch wenigstens hoffen ) daß die Zeit mich weise machen werde . Ich thue mein Möglichstes , um es zu werden ; doch glaube ich kaum , daß Cato in seiner Jugend Cato war . « Wird den in diesem Briefe gemachten » Zugeständnissen « noch einiges zugelegt , so gewinnen wir mutmaßlich ein richtiges Bild von dem privaten und gesellschaftlichen Leben des Kronprinzen in Ruppin . Neben diesem privaten und gesellschaftlichen Leben aber ( oder richtiger wohl ihm vorauf ) existierte selbstverständlich noch ein anderes : das soldatische Leben , der » Dienst « . Der Dienst war das Corrigens der Debauchen . Der Kronprinz hatte sich vorgenommen , » daß sein Regiment kein Sallat-Regiment ( wie der König bei schlechten Regimentern sich auszudrücken beliebte ) werden sollte « , und machte sich daher , um ihn selber sprechen zu lassen , den Grundsatz zu eigen : » Ich exerziere , ich habe exerziert und ich werde exerzieren ! « Aber das Exerzieren allein tat es nicht . Ebenso wichtig oder noch wichtiger war die Beschaffung von Rekruten , besonders von Riesenrekruten . Und auch nach dieser Seite hin wünschte sich der Sohn dem Vater angenehm zu machen . Von Ruppin aus ( 15. September 1732 ) war es denn auch , daß er folgenden berühmt gewordenen Brief nach Potsdam hin richtete : » Allergnädigster König und Vater ! Ich habe die Gnade gehabt , jetzunt meines allergnädigsten Vaters Ordre mit dem neuen Werbe-Reglement in aller Unterthänigkeit zu erhalten , und werde auch beim Regiment in allen Stücken suchen zu conformiren . Bei die meisten Compagnien aber seind noch 8-zöllige Leute , incl . erstes Glied , und werden wir Mühe haben , solche dieses Jahr herauszukriegen . Auch habe aus dem Werbe-Reglement gesehen , daß wenn Offiziere große Kerls wissen so über 6 Fuß haben , sie solche angeben sollen , wenn sie nicht mit Gutem zu persuadiren wären . Hier unweit von Perleberg ins Mecklenburgische hält sich ein Schäferknecht auf , welcher 6 Fuß 4 Zoll gewiß haben soll . Mit Gutem ist nichts mit ihm auszurichten . Aber wenn er die Schafe hütet , so ist er alleine auf dem Felde , und könnte man ihn mit ein paar Offiziers und ein paar tüchtige Unteroffiziers schon kriegen . Es ist derselbe , da schon mal die Husaren nach seind geschickt gewesen . Ich habe Offiziers allhier , die sehr wohl dort bekannt seindt ; also wollte fragen , ob mein allergnädigster Vater befehlet , daß man ihn aufheben solle oder nicht , und wofern es mein allergnädigster Vater vor gut findet , so will ich schon praecautiones nehmen , daß die Sache gut gehen