Hut , von dem Martin eben gesprochen , wohl haben blitzen sehen . Denn es war heute kein Vortrag gewesen , da die Gräfin krank war , und gerad als beide die Glockenschläge gezählt , hatte der Heidereiter schon das unten gelegene kleine Haus des Parkhüters passiert und ging im Gespräch mit dem ihm seit lange befreundeten Ilseburger Obersteiger auf die große Straße zu . Hier aber verabschiedeten sie sich , weil sich ihre Wege trennten . Das Gespräch mit dem alten Freunde , der ihn unter anderem gefragt hatte : warum er so vor der Zeit versauern wolle ; er solle sich was Junges ins Haus und in die Ehe nehmen , das mache selber wieder jung , hatte doch eines Eindrucks auf ihn nicht verfehlt , und er dachte noch halb ärgerlich und halb vergnüglich darüber nach , als er keine zehn Schritte vor der Brücke stehenblieb und durch den Werft hin , der hier mannshoch den Weg einfaßte , Martins und Hildens ansichtig wurde . Sie hatte den Kopf müd und glücklich an seine Schulter gelehnt und schien aller Welt vergessen . Baltzer Bocholt war nicht der Mann des Aufhorchens und Belauschens , aber ebenso gewiß stand ihm vor der Seele , daß dies der Augenblick sei , der ihm Aufschluß geben müsse , ob Grissel recht gehabt oder nicht , und so ging er vorsichtig und immer sich duckend auf die große Straße zurück , um von dieser aus in einem weiten Bogen erst bis an den Garten und dann an die Rückseite seines Hauses zu kommen . Und nun hielt er an dem Gatter und stieg die paar Erdstufen hinunter , wo er letzten Sonntag das Gespräch mit Grissel gehabt hatte . Niemand , so schien es , sah ihn , und einen Augenblick später war er durch die Hoftür in Flur und Stube hineingehuscht und stand an dem herabgelassenen Vorhang , in dessen Schutz er jedes Wort hörte , das die beiden unten sprachen . » Und ich sag es ihm « , sagte Martin . » Und wenn er nein sagt , was er eigentlich nicht darf , dann gehen wir in die weite Welt . Alle beid . Und du mußt nur Mut haben . « Hilde schwieg . » Und weißt du , wo wir dann hingehen ? « fuhr Martin fort . » Ich weiß es . Dann gehen wir zu dem preußischen König . Der kann immer Menschen brauchen , weil er immer Krieg hat . Oder doch beinah . Aber wenn der Krieg aus ist , dann ist alles gut und hat jeder gute Tage , weil er streng ist , aber auch gerecht . Und er sieht alles und weiß alles , und wenn ein armer Mann kommt mit einem Brief in der Hand und ihn hochhält , den läßt er gleich rufen und vor sich kommen und fragt ihn nach allem ; und wenn er merkt , daß ihm ein Unrecht geschehen , dann läßt er die Reichen und Vornehmen einsperren . Und wenn ' s auch ein Graf ist . Und jeden Armen macht er glücklich . « Aber Hilde schüttelte den Kopf und sagte : » Nein , nein , Martin ; es ist besser hier . Und ich will nicht , daß du Soldat wirst . Und von der Grissel weiß ich ' s ganz genau , sie wohnen all unterm Dach und frieren oder kommen um vor Hitze . Und sie hungern auch . Und wenn sie nicht gehorchen , so werden sie totgeschossen . Und mancher auch , weil er bloß eingeschlafen ist . O nein , Martin , das ist nichts für dich ; das ist ein Jammer , und wir müssen warten und Geduld haben . « » Ach , Hilde , sage nur nicht das ! Ich will auch nicht zu den Preußen , wenn du ' s nun mal nicht willst ; aber rede nicht von Warten und Geduld . Immer Geduld und wieder Geduld . Ich kann es nicht mehr hören . Und immer bloß so verstohlen sich sehen und nie sich haben in Ruh und ungestört ; und so vielleicht Jahre noch . Ach , ich wüßte schon , wie du mir zu Ruhe helfen und das Herz wieder froh machen könntest ! Und dann , Hilde , ja dann wollt ich auch Geduld haben und warten . Ein Wort nur ! Ein einziges ! Sag es ... Versprich mir ... « » Ich kann ' s nicht ! « » Ach , du kannst schon , so du nur willst und mich liebhast ! Es ist ja so gut , als wären wir allein oben . Und alles schläft , und ist keiner , der uns sieht oder hört . Und ich denke noch an letzten Sonnabend , als wir das Lied gesungen hatten und der Vater eingeschlafen war . Weißt du noch ? Aber du hast es vergessen ! « » Wie du nur bist ! Ich hab es nicht vergessen ! « Und er küßte sie leidenschaftlich und sagte : » Sieh , Hilde , so will ich dich küssen und drücken , so ! Und du sollst jetzt nichts sagen , kein Wort , nicke nur leise mit dem Kopf ... Oh , nun ist alles gut ! Und ich komm ... « » Um Gottes willen , nein ! Ich will alles , was du willst ! Alles ! Nur nicht unter diesem Dach ! Es wäre mein Tod . Ich kann dir nicht sagen , wie sehr ich mich fürchte . « » Wovor ? Vor mir ? « » Nein , vor ihm ! Und er ist überall . Und daß ich dir ' s nur gesteh , es ist mir oft , als ob die Wände Ohren hätten und als wär ein Auge beständig um mich und über mir , das alles sieht . « » Und das ist auch ! Aber vor dem Auge fürcht ich