? Warum soll unsere Verlobung besonders ernst sein ? Weil es hier im Hause gespenstisch still und feierlich ist , weil dein Vater streng war und ich mich bewähren muß . Davon wird sich unsere Verlobung nicht anstecken lassen . Ich werde ja natürlich hierherkommen , um zu zeigen , ob ich mich bewähre , aber uns wirklich sehen , uns eigentlich sehen , wollen wir uns draußen . Wenn ich höre , wie es da draußen bläst und an den Fensterläden rüttelt , möchte ich dich gleich nehmen und hinaustragen . « Fastrade lächelte : » Würde das nicht gegen das Gesetz sein , wie der Baron Port sagt ? « Egloff schlug mit der flachen Hand auf die Sofalehne und lachte laut : » Gegen das Gesetz des Baron Port zu sündigen , wird eine Wohltat mehr sein . « Während sie sprachen , betrachtete Fastrade genau Egloffs Gesicht . So nahe gesehen , war es ihr fremd , die eigensinnige Knabenstirn unter dem glattgescheitelten Haar war ihr bekannt , aber da waren zwei sichelförmige Fältchen zwischen den Augenbrauen . Auch war die rechte Augenbraue ein wenig höher als die linke , das gab wohl dem Gesichte den hochmütig spöttischen Ausdruck . Die Augen waren sehr dunkel , aber wenn sie in die auflodernde Flamme des Kamins sahen , wurden sie braun wie die Flügel der großen , schwarzen Herbstfalter , wenn die Sonne sie bescheint . Sie sah auf seine Hand nieder , welche die ihre hielt , eine breite , weiße Hand mit langen , schmalen Fingern , die sich seltsam nervös zuspitzten . Fastrade dachte daran , gehört zu haben , daß Egloff sehr stark sei . Von diesen Händen genommen und in den Frühlingswind hinausgetragen zu werden , mußte vielleicht gut tun . » Ach Gott , meine Erziehung , « sagte Egloff , » meine Erziehung war dumm , ich wurde unmenschlich verwöhnt , und doch war alles wieder verboten . Als ich mich dann später gierig auf meine Freiheit warf , enttäuschte sie mich , ich hatte mehr erwartet . Überhaupt , an meiner ganzen Generation hier in der Gegend ist etwas versäumt worden . Unsere Väter waren kolossal gut , sie nahmen alles sehr ernst und andächtig . Es war wohl dein Vater , der gern von dem heiligen Beruf sprach , die Güter seiner Väter zu verwalten und zu erhalten . Na , wir konnten mit dieser Andacht nicht recht mit , nach einer neuen Andacht für uns sah man sich nicht um . Und so kam es denn , daß wir nichts so recht ernst nahmen , ja selbst die Väter nicht , nicht einmal die Großmütter . Da entstand wohl auch die Lust , jedes brave Ideal einmal an die Nase zu fassen . « Über Fastrades Gesicht ging ein schmerzlicher Ausdruck , plötzlich wie eine Vision , sah sie die weißen Korridore des Krankenhauses , die Säle mit den Reihen der Betten , in denen auf weißen Kissen die bleichen Gesichter lagen , diese große Herberge der Leiden , in der sie numeriert und nach Klassen geordnet aufgespeichert waren . » Und es ist doch eine so furchtbare Sache « , sagte sie leise . » Das Leben ? Natürlich , « meinte Egloff ruhig , » eine Bestie , die nicht zu zähmen ist , da ist nichts zu machen . Früher ließ ich die Bestie Bestie sein , jetzt werde ich acht geben müssen , daß sie dir nicht zu nahe kommt « , und er drückte Fastrade fester an sich . Sie lächelte wieder . » Aber hier in Paduren , « sagte sie , » darfst du niemanden an die Nase fassen . « » Aber das Portsche Gesetz , « rief Egloff lustig , » das fassen wir an die Nase , wir wollen ein Brautpaar sein , über das sie hier in der Gegend auf allen Schlössern die Hände über dem Kopfe zusammenschlagen . « In der Zimmerflucht begann es jetzt lebendig zu werden , Baronesse Arabella ging hin und her , der Baron ließ sich durchführen , und endlich erschien Christoph und meldete , es sei serviert . Im Eßzimmer saß der Baron bereits am Tische , den Kopf gebeugt , das bleiche Gesicht müde und kummervoll , Baronesse Arabella und Couchon standen wartend hinter ihren Stühlen . Als Fastrade ihren Verlobten Couchon vorstellte , sah die alte Französin mit ihren fast hundertjährigen Augen kokett zu Egloff auf , lächelte mit dem zahnlosen Munde und murmelte : » Joli garçon . « Hier setzt man sich mit Gespenstern zu Tisch , ging es Egloff durch den Sinn . Dann begann die Mahlzeit . Die Baronesse führte eine fast fieberhaft angeregte Unterhaltung , es war , als fürchte sie , eine Pause könnte entstehen und Unliebsames bringen . Sie sprach von den Egloffs , die sie gekannt hatte , von einer Fürstin Coronat , Dietz Egloffs Großmutter mütterlicherseits , sie machte Verwechslungen in der Verwandtschaft , worüber man dann lachen konnte . Als nun aber doch eine Pause entstand , sah der Baron Egloff streng an und fragte : » Wird noch viel Wald geschlagen werden in Sirow ? « Fastrade blickte zu Egloff hinüber , wirklich , er errötete wie ein Knabe , als er antwortete : » Ach nein , ich denke , das wird genügen . « » Ja , unsere Wälder , « fuhr der Baron mit erhobener Stimme fort , » unsere Wälder - « , dann brach er jedoch mutlos ab , wie es ihm jetzt oft geschah , wenn er den Anlauf dazu nahm , wie früher eine bedeutsam Ansicht auszusprechen . Die Baronesse begann wieder schnell zu sprechen , sie sprach von dem Fisch , der eben gegessen worden war , einem großen Schlei ; die Schleie aus dem kleinen See dort unten im Park waren ja berühmt ihres reinen Geschmackes wegen , und nun sprach man auch von anderen Fischen . Die