: » Macht Eure Sache gut nachher . « Als sie aber dicht an Tschun vorüberkam , umwehte ihn ein seltsamer Duft von Sandelholz , Moschus und unbekannten Blumen . Ein Duft , der jahrtausendalten Rezepten nachgebildet sein mochte , der Tschun völlig fremd war und der ihn doch irgendwie an die Taitai erinnerte . Der Duft einer Frau , die sich pflegt und schmückt und vielleicht am meisten sich selbst Idol ist . Dann waren sie fort , all die wunderlichen Gestalten , und Tschun rieb sich die Augen , als ob er erwache . Fremder und unwirklicher wie irgendwelche Traumerscheinungen waren sie gewesen - und waren doch das wirkliche China . Jetzt erst fielen Tschun die dunklen Dinge ein , die man in Peking flüsternd erzählte , und die in den Straßenballaden Kantons offen besungen wurden . Was mochte von alledem wahr , was erlogen sein ? - Er entsann sich , einmal gehört zu haben , daß die Kaiserin durch Zauberei jeden nach Belieben zwingen könne , sie zu lieben oder zu hassen . Er erinnerte sich auch , daß Sin schen , der weitgereiste Vetter , behauptete , es gäbe Berge , die scheinbar sicher und ruhig wie andere Berge dastehen und aus denen doch plötzlich mit Grollen und Beben vernichtende Lohe hervorbricht . Einige der Knaben hätten nun gern von der Kaiserin Erlaubnis Gebrauch gemacht und sich die Gärten besehen . Aber der Palastwächter , mit dem Kristallknopf und der schwarzen Feder , war sichtlich nur zu froh , daß alles so gut abgelaufen ; er wollte sich keinen neuen gefahrvollen Begegnungen aussetzen und drängte die Knaben zum Theater . Eine Marmortreppe , an der zwei bronzene Ungeheuer mit rollenden Augen , drohenden Hörnern und hyänenhaftem Lächeln Wache hielten , führte zu einer breiten Veranda empor . Rote Lacksäulen trugen die geschnitzte Decke , an der sich goldene Drachen zwischen azurenen Wolken jagten . Durchsichtige Hornlaternen , auf denen rote Glückszeichen gemalt waren , schwebten zwischen den Säulen , und lange , seidene Quasten , mit Nephritperlen , hingen von ihnen herab . Weihrauchbehälter , bronzene Tiere , Porzellantische und Sitze standen umher . Von der Veranda trat man durch geschnitzte Türen in die große kaiserliche Loge , die die ganze Breite der Bühne einnahm . Zwei kleine Räume schlossen sich an jeder Seite daran . » Dorthin zieht sich die Kaiserin während der Vorstellungen manchmal zurück und speist oder ruht , « erklärte der Palastwächter . Nur einen kurzen Blick durfte Tschun hineinwerfen . Decken und Zwischenwände waren aus so feingeschnitztem Holzwerk , daß er wirkliche Bambushaine mit Schmetterlingen und Vögeln zu sehen wähnte . Vielleicht sollten diese der Herrscherin sanfte Träume bringen , wenn sie da ruhte auf dem Kang mit den vielen seidenen Kissen und Decken . Sträuße von seltsamen Blumen aus Korallen und Agat , Beryll und blassem Mondstein standen in gläsernen Kästen . Einen geschnitzten Toilettentisch gewahrte Tschun mit tausenderlei Werkzeugen eines geheimen Kults . Und überall war da dieser seltsam fremde , durchdringende Wohlgeruch . Doch nun mußten die Knaben in die Räume hinter der Bühne . Da war ein Gewühl von Menschen und Dingen ! Die seltsamsten Dekorationen standen umher : Wolken , Drachen und Phönixe , Tiger , Affen und namenlose Ungetüme in wilden Verzerrungen . Alles aus bemalter , vergoldeter Pappe und rückwärts auf leichten Bambusgestellen ruhend . Die Schauspielertruppe der Kaiserin , die von ihren Palastwächtern . gebildet wurde , war beim Anziehen . Tschun sah da schwere golddurchwirkte Gewänder und gestickte Mäntel , wie sie sonst nur die Gestalten uralter Bilder tragen , und seltsame Kopfputze mit mehrere Fuß langen Fasanenfedern . - Es war ein mythologisches Stück , das gegeben werden sollte . Helden des Kriegsgottes , in goldenen Rüstungen , Helmen und schreckenerregenden Masken , probten ihre Kampfesstellungen , ihre dräuenden Gebärden mit geschwungenen Hellebarden . Die Schauspieler , die Damenrollen zu geben hatten , schritten zierlich auf hohen Sockelschuhen , rafften mit schmalen Fingern die schimmernden Gewänder , neigten und verbeugten sich voll zimperlicher Grazie , nach den Vorschriften ältester Hofetikette . Ihre geschminkten Gesichter schienen erstarrt zu einem ewigen Lächeln , und sie sprachen mit hohen dünnen Stimmen , die von weither zu kommen schienen . Tschun war ganz verwirrt von allem , was er sah , und dabei empfand er wieder einen gewissen Stolz : es war doch noch viel schöner als die schönsten Feste der Fremden ! Auch die Knaben wurden nun geschminkt und angezogen . Die kleineren , zu denen Mahan gehörte , sollten erst in der Schlußapotheose , als Schwarm glückbringender Fledermäuse , zwischen dem Gewölk schwirren . Tschun , weil er schon groß und stark war , kam in die Schar der Bogenschützen , die zu Anfang dem Kriegsgott voranzogen und dann auf der Bühne blieben . Es gab ein langes Warten . Die von der Kaiserin befohlene Mahlzeit wurde gebracht , in Näpfchen , die auf großen , gelb gedeckten Brettern standen . Und alle warfen sich bei diesem Anblick nieder , wie es Brauch ist beim Empfang kaiserlicher Gnadenspenden . Einmal auch kam Li lien ying , nachzusehen , wie weit die Vorbereitungen gediehen . Tschun hörte die Eunuchen sagen , wie sehr er sich doch für das Theater interessiere . Dann meinte einer von ihnen : » Es ist eigentlich keine Zeit für frohe Feste . « Ein anderer , ganz Junger stimmte bei : » Ja , wer weiß , vielleicht werden auch wir in den nächsten Tagen abgesetzt - und dann war es alles umsonst ! « Doch ein Aelterer entgegnete bestimmt : » Das wird unser alter Buddha nie zulassen . « - Sie sprachen nun leiser , aber Tschun konnte doch noch manches hören . - Es schien , daß der Kaiser am vorhergehenden Tage von Tzü Hsi aus Peking herbeigerufen , einige Stunden bei ihr hier im Sommerpalast geweilt hatte . Er hätte einen heftigen Auftritt zwischen den beiden gegeben , und die Kaiserin habe die Verhaftung