kleine Heidlein getauft werden , und ich sollt ihm richtig zum Gevatter stehen ; was mich gar stolz und narret machte . Da wollt ich ihm denn gern ein ansehnliches Godengeschenk geben und beriet mich dessentwegen mit allen vornehmen Leuten , dabei denn die einen meinten : einen silbernen Becher ; die andern : einen schönen , guten Frauentaler ; wieder eine riet mir zu einem Paar feiner Schühlein und eine andere zu einem Rosenkranz mit vielen Ablaßpfennigen dran . So wollt ich mir also vom Weidhofer mein Jahrgeld geben lassen für die Tauf , was zu der Zeit war : sieben Gulden und dreißig Kreuzer als Viehbub nebst einem härenen Hemd und ein Paar Schuh ; dasselb , was auch der Ochsenbub Lohnung hatte , doch zwei Hemden . Der Ziehvater aber gab mir eine gute , silberne Uhr samt Kette , einen funkelnden Tauftaler und einen feinen , beinernen Muslöffel , wobei er sagte : » G ' halt dein Geld und hebs gut z ' samm ! Soviel hat der Weidhofer alleweil , daß er eine Taufgab richten kann ! « Wohl zufrieden mit solcher Rechnung machte ich mich nun geschwind daran , noch allerhand kleine Dinge zu schnitzeln und zu schneiden für mein Godenkind ; denn was ich auf der Alm gemacht hatte , war alles bei dem Feuer verbrunnen ; wie denn die Nandl auch berichtet hatte , daß der Ambros schon oft gesagt , da er noch auf der Alm war : » Dem Hias , dem scheinheiligen Tropfen , heiz ich noch einmal ein , daß er sein Lebtag mehr kein Feuer braucht ! Dem laß ich den roten Gockel noch aus seiner Kammer springen ! « Also schnitt ich vielerlei ; ein zierlichs Tischzeug für mein Godenkindl , aus Messergriff , Löffel und Gäbelein bestehend , die Gabel mit zwei Zinken ; auch ein hübsches Dockenköpflein , woraus mir alsdann die Ziehmutter eine Wickeldocke nähen mußte ; dazu noch mancherlei Tiere und Häuser , mit denen es dereinst gut spielen könnt . So kam der große Tag , an dem ich schon lang vor der Morgensonn auf war , die Angebinde bald hierhin , bald dorthin ordnete , an meinem Festtagshabit umbürstete und stäubte und den Flaum auf meinem Hütl wohl zwanzigmal anders steckte , bis er mir gut genug deuchte . Mit einer andächtigen Zärtlichkeit fuhr ich dann den kleinen Balg , nachdem ihn seine Mutter gebadet hatte , in der Kammer auf und ab und wickelte sein Schnullerläppchen mit einer ernsten Sorgfalt , während meine Ziehmutter , die Meßmerin , den Taufstaat der Kostkinder aus der Kommodlade nahm und samt dem Wickelkissen mit dem blaugeblümelten Überzug aufs Bett des Kindleins legte und dazu meinte : » Da , steckts ' n gleich in das Gwandl ; meinerthalben soll ihm ein ordentlichs Taufzeug nit mangeln ! Es ist das nämliche , in dem du schon gschrien hast . Vielleicht schlagt ' s ihm einmal zum Glück aus ! Ist keins mehr dringsteckt , seitdem daß du ' s anghabt hast selbigsmal zu deiner Tauf ! « Drauf gab sie dem Kind noch einen Weichbrunn und ging wieder ; mir aber wurde eine Stund schier zum Tag , bis es endlich Zeit war , daß wir uns richteten . Da flog ' s ! Auf ja und nein steckt ich in meinem Festgewand und lief darnach aufgeregt in die Stube der Nandl , sie bittend , daß sie mit meinem Godenkind noch ein Augenblicklein in meine Kammer schauen möcht . Und da sie eingetreten , überreicht ich ihr meine Angebinde und wünscht meinem Täufling einen guten Gsund , worauf die Mutter Nandl feuchte Augen bekam , viel Worte des Danks für mich hatte und dem nobel aufgeputzten Kindl unter zärtlichen Liebkosungen sagte , daß ich ein gar werter Gode sei , und er sollt mir ja einmal danken . Was mich herzlich lachen machte : denn der Zwack begann bei der Red seiner Mutter plötzlich zu schreien und zu kreischen , als hätt man ihm , weiß was , übel getan . Nun nahm die Nandl das Weichbrunnkrügl , segnete und weihte mich und den Täufling und wand sich ein rotes , geweihtes Wachs um die linke Hand und den rechten Fuß , auf daß weder ihr noch uns etwas Böses widerfahren könnt ; denn es lagen Beispiele mehr denn genug vor , wo der Teufel , wenn so ein armes Würmlein getauft wurd , darüber , daß ihm wieder eine Seel auskam , also wütig ward , daß er mit der ganzen höllischen Bosheit und Gewalt derweil auf die Wochnerin losfuhr und sie nicht selten um Leib und Leben bracht . Indem trat die Weidhoferin festlich angetan in die Stuben ; denn sie ließ es sich nicht nehmen , das Bürschlein selber aus der Tauf zu heben . » Erstlich « , sagte sie , » bin ich dies Geschäft schon so gewohnt von den Kostkindern ; und dann , so ein Bubl , wie der Mathiasle , könnt das Kind doch leicht unrecht angreifen oder gar fallen lassen ! « Verschmachte mir zwar schon recht , solch eine Geringschätzung meiner Person ; doch ließ ichs gut sein und dachte , die Meßmerin laß sich nicht anschauen , die gäb gewiß reichlich , und die Nandl könnts wohl brauchen . Was auch eine richtige Rechnung gewesen ; da dann die Weidhoferin ein kleines Trüchlein auskramte und allerhand schöne Silbersachen für das Büblein , eine feine Vorstecknadel für die Mutter und einen Lederbeutel voll blanker Silbergroschen auf den Tisch legte . Darnach nahm sie den Täufling , und gings also dahin . Da stieg ich wie der welsch Gockel vom Weidhof neben meiner Ziehmutter her und zur Gottsackertür hinein . Der Meßmer , mein Ziehvater , stand im weißen Chorhemd vor der Sakristei und blies ins Rauchfaß , daß die Funken flogen ; nun wir kamen , lief er geschwind hinein , und wir stellten uns vor die Kirchentür ; denn mit