! « Schweigend , von oben bis unten musterte der Wirt meine Kumpane , murmelte in sich hinein und ging . Nebst Schrepfeisen begab ich mich wieder in unsere Kammer und setzte mich ratlos auf mein Bett , während jener behaglich nochmals in die Federn kroch . Seinen Verlust hatte er bereits verschmerzt ; denn er hub ein meckernd Lachen an : » Hehe , Lehrgeld war das ! Hehe , nicht mehr gegreint ! Heute verloren , morgen gewonnen ! Wahrlich , Johannes , ich verspreche Ihm einen halben Dukaten Tageslohn , so Er als Apotheker mir und dem Pomponio Dienste leistet . Morgen beginnet der Markt in Jung-Bunzlau . Da werden wir als ruhmreiche Heilkünstler auftreten und aus Rindsschmer Gold machen . Ist Er dabei ? Nicht ? Na , was will Er denn sonsten beginnen ? Ist ja kahl wie ein abgehäuteter Esel , hat nicht mal Lumpen , seine Blöße zu decken , und seine Zeche muß der Pomponius zahlen . Nun freilich , das tut der Pomponius aus Kameradschaft . Er aber , Johannes , sollte doch darauf sinnen , wie Er ' s dem guten Pomponio vergelte . Den Teufel auch , umsonst ist der Tod . Gläubet Er etwan , daß ihm die Kleider gehören , so ihm der Pomponius durch den Wirt besorgen läßt ? Nur geliehen sind sie , und so Er sie nicht wieder hergeben will , bleibt Ihm schon nichts übrig , als mit uns zu halten . Siehet Er das ein , hehe ? « - Ich schwieg eine Weile , und fragte kläglich : » Und ich soll an jedem Markttag einen halben Dukaten haben ? « - » Freie Herberg und Zeche dazu ! « versicherte Schrepfeisen . - » Nun , wohlan ! So will ich Euer Gehilfe sein . « - » Brav ! « erwiderte Schrepfeisen ; » was Er zu tun hat , will ich Ihm gleich sagen . Wir haben Salben zum Verkauf nötig , Mixturen , Latwerge , Pflaster , Pillulen . Alles muß Er täglich bereiten . Die Leute reißen sich darum , wie Enten um ausgeschütteten Unflat . « - » Doch wie soll ich als Anfänger in der Apothekerei die Medikamente zustande bringen ? « - Der Bucklige lachte : » Rindstalg mit Wachs und etwas Würze , Brotküglein mit Zimmet , Bier oder Tinte vermischt . Und wenn ich nichts als Hühnerdreck hätte , ich wollte dem dummen Volk eine Salbe bereiten . « - » Machet solche Salbe allein , « sagte ich ungehalten ; » dazu bedürfet Ihr keines Dritten . Ich wenigstens möchte ein echter Heilkundiger werden , nicht ein Quacksalber . « - » Hoho ! « brausete Schrepfeisen auf . » Will Er die Nase hochhalten , da Er doch Ursach hätte , fein demütig zu sein ? Mit berühmten Heilkünstlern hat Er zu tun , und wenn ich sage , daß man dem Volke Hühnerdreck aufschmieren könne , so meine ich nur , daß es leichtgläubig ist , und daß wir uns seine Leichtgläubigkeit zunutze machen könnten . Mitnichten aber will ich unsere Medikamenta schlecht machen . Einfach zwar sind die Verrichtungen , so wir von Ihm , Johannes , erwarten ; indessen tun wir zu den Salben , Mixturen und Pillulen stets etliche Tropfen von einem Lebenswasser , das in heimlicher Kunst bereitet und tausendfach erprobt ist . « Obwohl mir auch nach dieser Beschönigung die Sache nicht richtig vorkam , ward ich doch den Quacksalbern gefügig . Allzusehr schon hatte ich mich mit ihnen eingelassen und durch den abends genossenen Wein mein Gewissen wie meinen Verstand benebelt . Wie ich nun , gleichermaßen auch der Bucklige , Gewand erhalten und mich bekleidet hatte , gingen wir zur Wirtsstube hinab , wo drei Teller mit Morgensuppe dampften . Pomponius bezahlte den Wirt , und wir setzten unsere Wanderung fort . Noch vor Abend waren wir in Jung-Bunzlau , wo auf dem Ringe Buden gezimmert wurden . Meine Begleiter ratschlagten , welcher Stand für unsern Warentisch am besten geeignet sei , und der listige Schrepfeisen tat den Vorschlag , mit dem Lammwirt ein Abkommen zu treffen , daß wir neben seiner Tür unsere Waren auftischen durften . Da Pomponius reiche Zeche machte , war ihm der Wirt gefällig , und nun gingen wir an unsere Geschäfte . Einen Teil seines Kellers gab der Wirt zum Laboratorio her . Von Steinen ward innen eine Feuerstätte errichtet , und meine Kumpane kauften Töpfe , Tiegel , gegerbte Felle , aus denen Pflaster gemacht werden sollten , Phiolen , auch Mehl , Zucker , Zimmet , getrocknete Kräuter , Wachs und Rindstalg . Schrepfeisen brachte noch eine Flasche mit himmelblauer Flüssigkeit und sprach wichtig : » Hier vertraue ich Ihm unser Lebenswasser an . Tut Er in jeglich Medikamentum etliche Tropfen davon , so ist es sicher heilsam . « Nun hub ein Schmelzen und Sieden , Mörseln , Schmieren und Pillendrehen an , und bald stank das Laboratorium nach verbranntem Fett . Schrepfeisen mahnte zur Eile und gab auf meine Frage , wie dies oder jenes zu bereiten , halben Bescheid unter meckerndem Lachen . Als ich das Laboratorium verlassen durfte , war ich mißmutig , Schrepfeisen aber rieb sich die Hände ; denn viele Tiegel , Phiolen und Latwerge waren zum Verkauf fertig , auch für das Auge einladend , die Gefäße mit buntem Papier beklebt , die Pillulen versilbert und in Schächtelchen verpackt . An diesem Abend hielten wir uns vom Trinken zurück , um andern Tages frische Kraft zu haben . Schon in der Frühe ward ich wach vom Lärmen , so auf dem Marktplatz erscholl , wo man die letzten Hammerschläge tat , mit Handwagen Waren herbeischleppte und die ersten Käufer durch schreiendes Ausbieten herbeilockte . Wir hatten aus Brettern eine Erhöhung gezimmert und darauf einen langen Tisch gestellt , wo unsere Medikamenta prangten . An der Mauer des Gasthauses war ein Thron für den Doctorem Schrepfeisen .