Grottfuß , über diesen Hochmut heimlich empört , war auch abgebogen , ohne mehr als seinen Knopfstock mit dem blauen Lasurstein ein wenig von der Schulter gegen Einhart zu neigen . So waren sie auseinandergegangen . Einhart war unsäglich ermattet und unzufrieden . Rein in der Idee . Rein nur im Sohinträumen von etwas , das er nicht kannte . Er war wie ein rechter Zigeuner jetzt wieder . Auch recht verwahrlost äußerlich , kann man sagen . Wenn auch seine runde Wirtin , die dick war wie ein Faß , und die immer weinte über allerlei Eigenes und Fremdes , dafür sorgte , daß wenigstens der Rock gebürstet und die niedergetretenen Stiefel geputzt waren . Hände und Gesicht konnte sie doch dem zwanzigjährigen , dunkelsträhnigen Menschen nicht mehr waschen . Die Haut blieb grau und die Nägel schmutzig und alles hing achtlos an ihm , wie die fetten , glänzenden Strähne um seine Stirn . Einhart lief jetzt allein und sehr aufgewühlt . Er war es zufrieden , Grottfuß , der ewig theoretisierte , los zu sein . Er lief nach Hause , und nachdem er eine Leinwand nach der andern hervorgeholt und genau betrachtet , überkam ihn ein langes Sichvergessen . Was in ihm hinging , ist nicht leicht zu sagen . Er hatte ein sehr liebendes Anschauen in allem . Worte und Namen standen nicht zwischen ihm und seiner Welt . Es war gegen ein Uhr gewesen , als er sich so noch im Hut , und den Krückstock in der Linken , auf einen Stuhl am Bette niedergelassen . Nun saß er die Augen manchmal geschlossen . Was ihm vorüberging , war eine lange , graue Reihe von Menschen und Dingen , wie in einer Stadtstraße . Auch die von daheim - und schwüle Nächte . Ein eigentümlicher Reigen von Gefühlen , darin kein Drang ihn weckte , aufzustehen , und sich zu rühren . Er hatte wie ein hartes Leid auch . Irgendwo mußte es zu finden sein . Er hätte nicht gewußt , wie sich hinbewegen ? Eine Angst war es , ein einziger , physischer Druck , daß die Adern an seiner Stirn manchmal heftig pulsten . Auch an die Landstraße hatte er denken müssen , wo er einmal hinausgewandert in der seligen Ahnung nach Wunderdingen . Seltsame Verschlafenheit fast , in der alles Begehren untergesunken , wie auch Hunger jetzt und Durst . Er hatte da allerhand gemalt , das er starr ansah : Geigenspieler , nacktes Gesindel mit bronzenen Leibern , sehnsüchtigen Blickes . Aber auch das alles hatte jetzt Klang und Glanz verloren . Daß er es verabscheute , wie die graue Leere . Er fühlte sich ganz hoffnungslos . Er begriff nicht , wie das alles so schnell schal geworden . Er nahm eine Schere und stieß eine Leinwand nach der andern durch und schnitt ein Bild nach dem andern aus dem Rahmen , ohne aus seinem Sinnen aufzuwachen . Alles war glanzlos und sinnlos und nüchtern , dünkte es ihm , wie einem , der plötzlich nicht mehr Musik - nur noch den Lärm daraus im Ohr behält . Er konnte nichts finden , das ihn jetzt hätte halten können . Nicht er selber , noch irgend ein Heilbringer . Auch Herr Soukoup nicht , mit seinen großen Kunstforderungen , noch gar Meister Teodor mit seinen Idyllen . Alles war grau in grau , kleinlich-wirklich , nichtig , bekannt , gut und tüchtig und sonst nicht viel , ein rechtes Herkommen der Seele von langeher , immer wieder wie Blumen kommen - : » nur keine Wunderblume darunter ! « In diesem Augenblick trat jemand ein . Die Wahrheit zu sagen , Einhart sah heut durch die Wände . Wie er so geträumt mit offenen Augen , es mußten Stunden vergangen sein , es war gegen vier Uhr jetzt , und er war noch von früh an ungegessen und ungetrunken , hatte er ein Spüren in allen Fasern . So hatte er feine Tritte schleichen hören , und hatte schon am Anklopfen gemerkt , daß hinter der Tür Fräulein Reseda Einlaß begehrte . Es ist ein wahres Wunder , daß sie gerade an seiner Tür pochte , wo er , ein rechter , vogelfreier Zigeuner , vielleicht schon morgen diese ganze Welt voll Herkommen würde verlassen haben , vielleicht schon heute , vielleicht schon im nächsten Augenblick , weil ihn der Drang nach etwas Wunderbarem von neuem angepackt und hingenommen . Aber jetzt stand Fräulein Reseda in aller Sanftheit vor ihm . Einhart war nicht einmal aufgestanden , so erstaunt war er . Er sah sehr verlassen aus und lächelte . Fräulein Reseda erkannte an seinen Augen , daß er erst allmählich in diese wirkliche Welt sich nach Hause fand . Seine Augen sahen herum , wie einer , der von etwas zu viel Licht geblendet sieht . Fräulein Reseda ging freundlich näher . » Werden Sie böse sein , wenn ich einmal zu Ihnen eintrete ? « sagte sie sehr fein . Einhart sah , daß es ein vornehmes Fräulein war . Obwohl der Kropf leicht aus der Mantille heraussah , hatte sie eine ganz erwählte , stille Rede , die Hände fein und schmal voll blauen Aderwerkes . Einhart konnte wirklich jetzt nur lächeln . Schon weil auch Fräulein Reseda aus Güte lächelte . » Oh oh , was Sie da haben ! « sagte sie wie mit flüchtigem Blick in leichtem Vorwurf , auf die bunten Leinwandfetzen am Boden weisend , halb verlegen . Übrigens war , wie Einhart jetzt noch genauer sah , Fräulein Reseda bucklig . Aber ihr Auge war tief und braun , ihr Gesicht blaß und schmal , mit einem behaarten Wärzchen am Unterkinn , und ihre Bewegung in allem fast fromm und verhalten . » Ich wollte schon immer einmal kommen , « sagte sie » weil ich dachte , daß ich Ihnen etwas nützen könnte . Sie leben allein und sind gewiß noch jung und unerfahren , « sagte