« Katta-Kottu faltete die Hände , und dabei stieg rauchend die erste Rakete zu den Sternen empor , und helle bunte Diamanten fielen aus dem Feuerkopfe der Rakete langsam hernieder . Tiko sah das Felsenschloß aufleuchten im Diamantenglanz und sagte dann hastig : » Frauen gegenüber behauptet man immer mehr , als man will - oft das Gegenteil von dem , was man denkt . Die Träume sind allerdings nicht ihrer Kürze wegen zu verdammen - umgekehrt ! - sie leiden fast alle an erschrecklicher Länge . Ich hatte das völlig vergessen . Die Träume sind lang und faul : sie ähneln der Schildkröte , während die Tat flink ist wie ein feuriger Tiger . « » Admiral ! « entgegnete die Prinzessin gereizt . » Vergleiche sind billig wie kleine Fische , und lange Schildkröten sind mir unbekannt . Ich könnte auch sagen , der Traum sei die Blüte des menschlichen Lebens , die uns durch ihren Duft und durch ihre Farbenpracht entzückt , während die Tat eine dicke Frucht ist , die man essen kann - essen ! Die Frucht ist nützlich - aber sehr plump . Die Blüte gibt uns doch mehr Glück . Ach Himmel , gib mir ein Zeichen , daß ich recht habe ! « Tiko lächelt , so wie er ' s oft zu tun pflegt , rudert ein wenig weiter in die Mitte des Sees hinein , besieht wieder seinen Siegelring und schildert der Prinzessin mit gesenktem Blick eine stürmische Meeresnacht , redet von Kommandobrücke und Sturzwelle , von Sprachrohr und Tauende , von wegfliegenden Mützen und brechenden Mastbäumen . Wie der Admiral wieder schweigt , starrt er der Prinzessin fest ins Auge - aber siehe ! - da wird ' s plötzlich so furchtbar hell - von oben dringt ein grelles , hellgrünes Licht hernieder - und im selben Augenblick schlägt dicht vor dem goldenen Kahn ein grüner Feuerball in die Mitte des Waldsees . Der goldene Kahn kippt um - und die Prinzessin wird mit dem Admiral in die Tiefe gerissen . Tiko hat gleich mit der Linken das Kleid der Prinzessin gepackt . Und Beide werden zusammen von den wilden Wirbeln immer tiefer ins Wasser gezogen - so sehr sich auch der Admiral mit den Beinen dagegen sträubt . Unten fährt er mit dem rechten Arm so tief in den Schlamm , daß er gleich fühlt , wie auch seine rechte Wange beschmutzt wird . Indessen - tatkräftig wie stets - arbeitet er sich bald aus diesem tiefen Sumpfgebiet raus und schwimmt mit der Prinzessin in der Linken an die Oberfläche des Sees , wo er mit stürmischen Halloh von den Kavalieren und Hofdamen begrüßt und mit der Prinzessin rasch ans Ufer gebracht wird . Am Ufer wird der Tiko von seinem dicken Diener sofort in ein Zelt getragen , von seinem roten nassen Gewande befreit , gewaschen und abgetrocknet . Und dann hilft der Dicke seinem Herrn in die Uniform . Nach zehn Minuten erscheint der Admiral in voller Gala wieder im Freien . Die Hofgesellschaft bereitet dem Retter der Prinzessin eine stürmische Ovation . Er dankt , indem er militärisch grüßt . Die blauen Ampeln wackeln . Man erzählt dem Gefeierten , daß ein hellgrünes Meteor , das wie ein dicker grader Pinselstrich aussah , vom blauen Himmel runter schräg in den See fuhr . Und die Wirbel , die durch das plötzliche Einschlagen des glühenden Weltkörpers entstanden , rissen die Beiden in die Tiefe ; sie waren zu zweit in die Mitte des Sees gerudert . Die andern Boote hatten sich vom Ufer nicht entfernt und kamen so mit dem Schreck davon . Tiko lächelte auch bei diesen Berichten wie sonst , besah wieder seinen Ring und ließ sich zur Prinzessin führen , die soeben aus ihrer Ohnmacht erwacht war . Man hatte ihr schon , als sich der Admiral ihr ehrfürchtig näherte , die ganze Geschichte erklärt . Die Katta-Kottu rief ihrem Retter gleich lachend zu : » Ich habe gesiegt ! Das Meteor war ein Zeichen des Himmels ! Mein Gebet ward erhört - nicht wahr ? Jetzt werdet Ihr wohl , mein lieber Admiral , überzeugt sein , daß das Traumglück höher zu stellen ist als das Tatglück . « » Mitnichten , « versetze der schneidige Tiko , » der Himmel wollte das Tatglück preisen . Die gnädigste Prinzessin wäre nicht am Leben geblieben , wenn ihr nicht das Tatglück des Admirals Tiko treu zur Seite gestanden hätte . « » Ah ! « sprach nun die Katta-Kottu mit verzogener Unterlippe , » der Herr Admiral ist rechthaberisch und will für seine Rettung bedankt sein . Ich danke ! Ich danke wirklich ! Jedoch - ich muß bei meiner Überzeugung bleiben ; ohne Traumglück wird zudem kein Mensch eine große Tat begehen . « Tiko räusperte sich vernehmlich und flüsterte : » Der Mensch wird nichts vollbringen , wenn er im Traumglück stecken bleibt . Wer im Sumpfboden des Waldsees stecken bliebe , würde auch nichts mehr vollbringen . « Darauf schrie die Katta-Kottu , daß es dem Tatmenschen in den Ohren gellte : » Und dennoch ist das Traumglück das einzig wahre Glück ! « Tiko entgegnete ruhig : » Gnädigste Prinzessin , die menschlichen Zungen sind ungleich ; was der einen Zunge süß , kann der andern bitter schmecken . « Katta-Kottu erwiderte still : » Admiral , Ihr habt eine sehr lose Zunge ! Ich wollte Euch noch von den Träumen erzählen , die uns wie alte Erinnerungen und liebe Tote umranken - aber - ich wünsche Euch eine gute Nacht ! « Da versetzte Tiko hart und laut : » Der Admiral Tiko wünscht der Prinzessin Katta-Kottu die beste Besserung ! « Er verbeugte sich kurz , machte links um Kehrt und ging davon . Vor dem Zelt der Prinzessin trat der König dem tapfern Mann in den Weg , umarmte seinen treuen Diener und frug : » Was willst Du nun haben : das Felsenschloß oder das