und was sie doch wieder am meisten interessierte , nach seiner Blumen- und Obstzucht , von der er ihr am Weihnachtsabend bei Strehsens schon einmal flüchtig erzählt hatte . Bornstein , der selbst ein grosser Blumenfreund war und dem überdies daran lag , ihr Dahlow so verlockend wie möglich zu schildern , machte wahrhaft märchenhafte Beschreibungen von seinen Treibhäusern und Mistbeeten . Mehlmann , sein Obergärtner , war eine Spezialität für seltene Arten von Blumen und Früchten . Er hatte auf der letzten grossen Blumen- und Obst-Ausstellung in Treptow eine der höchsten Auszeichnungen bekommen . Lenas noch kurz zuvor so verschlafene Augen wurden gross und grösser . Blumen , und seltene dazu , waren ihre Passion . » Ich bringe Ihnen einen Strauss Orchideen mit , Fräulein Lena , wenn Sie ein bischen nett mit mir sind - aber das Beste wäre schon , Sie kämen selbst heraus . « Bornstein sah das Mädchen mit bittender Frage an , aber sie schien ihn durchaus nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen . So fügte er , wie vor acht Tagen , nur um etliches verstärkt hinzu : » Mit Strehsens natürlich . « » Aber ich bekomme keinen Urlaub ! « » Na , noch besser . Diese albernen Postonkels . Das fehlte gerade ! Dann schwänzen Sie eben ' mal . « » Darauf steht augenblickliche Entlassung . « » Mein Gott , wie kann man sich in solchen Drill begeben , wenn man ein so fesches Mädel ist wie Sie , Lena . Warum sind Sie nicht auch Putzmacherin wie Ihre Schwester ? Da könnten Sie den ganzen Tag thun und lassen was Sie wollten . « Lena seufzte ganz heimlich auf . So wie Herr Bornstein jetzt sprach , hatte sie schon die ganze letzte Woche über gedacht . Der regelmässige Dienst fing an ihr schrecklich langweilig und drückend zu werden . Aber sie wollte ihrem neuen Freunde nicht Recht geben und behauptete , sich in diesem » Drill « , wie er sagte , riesig wohl zu fühlen . Sie war doch etwas - königliche Beamtin . - » Auch was rechts « , brummte er . So unter Scherzen und Streiten kamen sie endlich vor Lenas Hausthür an . » Nun aber wirklich Gute Nacht ! « Er hätte ihr für sein Leben gern einen Kuss gegeben , aber sie sah ihn so merkwürdig verwundert an , als er sich zu ihr herabbeugte , dass er es vorzog , sich mit dem schmalen , rosigen Streifen , zwischen Handschuh und Jacketärmel zu begnügen . Lena wurde puterrot , aber sie freute sich doch . » Und wann darf ich Ihnen die Orchideen bringen ? « Einen Augenblick lang sah sie ihn zögernd und schwankend an . Dann sagte sie rasch entschlossen ohne Ziererei und Koketterie : » Sonntag Abend bei uns . Von sieben ab bin ich dienstfrei . « Bornstein war es nicht ganz zufrieden . Er fürchtete die stille Schwester mit ihrem ruhigen , vornehmen Ernst , aber dennoch sagte er freudig zu . Am Ende war es immer besser als nichts . - Die gute Frau Wohlgebrecht hatte wieder einmal einen kräftigen Zorn auf Lotte . Nach einem steifen Neujahrsbesuche hatte das Kind sich nicht mehr sehen lassen . Irgend etwas war da wieder nicht in Ordnung . Wenn die alte Wohlgebrecht auch die Bildung nicht gepachtet hatte , ihre gesunden Augen hatte sie doch im Kopf und ein X für ein U liess sie sich noch lange nicht machen . Zunächst nahm sie ihren Gerhart ins Gebet , der auch nicht gerade in rosiger Laune herumlief und mehr Zeit in seinen modernen Klubs und Vereinigungen verbrachte , als ihr lieb war . Viel war ja nicht aus ihm herauszubekommen . Er machte dunkle Andeutungen über die Beschränktheit der Weiber , über verrottete , unmoderne Vorurteile , über erbärmliche Rücksichten auf Brauch und Herkommen , die einem Seele und Sinne zernagten , was er aber eigentlich damit meinte , und ob sich etwas , alles , oder gar nichts von seinen dunkeln Reden auf Lottchen Weiss bezog , daraus konnte Frau Wohlgebrecht absolut nicht klug werden . Nicht viel anders erging es ihr bei Lotte selbst , als sie an einem eisig kalten Abend um die Mitte Januar zu ihr herumkam . Der Name Gerhart schien ihr die Lippen eher zu schliessen als zu öffnen , und doch hatte Frau Wohlgebrecht ihren Kopf darauf gesetzt , dem armen Kinde , das sie so blass und traurig fand wie nie zuvor , zu helfen . Sie versuchte es hier , sie versuchte es da , bis sie endlich auf die rechte Spur gekommen schien . » Na und Herzchen , wie stehts denn mit dem Jahresabschluss und dem Geschäft ? « Da hielt Lotte sich nicht länger , und in Thränen ausbrechend legte sie eine umfassende Beichte ab . Frau Wohlgebrecht hörte dem langen Bericht stillschweigend zu . Das war so recht etwas für sie , trösten und helfen können . Denn getröstet musste das liebe Geschöpf werden , und geholfen werden musste ihm erst recht , das stand fest in dem goldenen Herzen der alten Frau . Während Lotte sprach , unterbrach Frau Wohlgebrecht sie mit keinem Wort . Nur ab und zu klopfte sie dem Mädchen zärtlich auf die Schulter oder streichelte Lottes nervös verschränkte Hände , um ihre Teilnahme kund zu thun . Erst als Lotte die heftigsten Anklagen gegen sich selbst erhob , ergriff Frau Wohlgebrecht das Wort und protestierte ganz entrüstet . » Was reden Sie nur da , Kindchen ? Glauben Sie etwa , es ginge Andern nicht so ? Wenn zwei so arme , unerfahrene Dinger wie Sie und Ihre Schwester in Berlin auf anständige Weise glatt durchkommen , so ist das eine Ausnahme , aber eine grosse , sag ' ich Ihnen . Was denken Sie denn , was hier alles herumläuft und Arbeit sucht ? Eins schnappt sie dem andern vor der Nase weg