den kürzern zogen ! « Er blickte in Schippers Gesicht und vergnügt lachten die beiden einander an . » Aber die Gschicht mit der Kitzgeiß is mir zwider . Wie steh ich denn vorm Hornegger da ! « Schipper zögerte mit der Antwort . » Wann der Herr Graf befehlen ? Der Franzl brauchet ja nix z ' wissen davon . « » Hast recht , du Gauner ! Verräum die alte Mutter , daß kein Mensch mehr was findt von ihr . Da komm her ! « Graf Egge griff in die Tasche und zog ein rotledernes Beutelchen hervor , wie es die Bauern führen , wenn sie zu Markte gehen . Er drückte ein Goldstück in Schippers Hand . » Halt ' s Maul ! Da hast ein Pflaster . « » Vergelts Gott , Herr Graf ! Aber was sagen wir dem Franzl wegen die vier Schuß ? « » Drei auf den ersten Bock und zwei davon gfehlt , in Gottesnamen ! « » Sie , Herr Graf ? Und fehlen ? Dös wird der Franzl schwerlich glauben . Es tät auch dem gnädigen Herrn Grafen an Abbruch in seiner Jägerehr . « Graf Egge lachte zufrieden . » Du Teufelskerl ! Du denkst aber doch an alles ! So studier dir halt was Feineres aus ! « Schipper wußte eine bessere Ausrede flink zu finden ; und als er ging , um den in der Nähe des Standes liegenden Gemsbock auszuweiden und die Geiß mit ihrem Kitz für ewige Zeiten in einem Steinloch verschwinden zu lassen , trat Graf Egge den Heimweg zur Jagdhütte an . Während des ganzen Weges beschäftigte ihn der Gedanke an das herrliche Krickel , das ihm der kommende Morgen bescheren mußte - nebenbei aber auch die schmerzende Stelle auf der Stirn und das leise Gekribbel in seinem Knie und Schienbein . 7 Graf Tassilo war am Morgen nicht zum Frühstück erschienen . Als Kitty nach ihm fragte , hieß es , ihr Bruder wäre zeitig ins Dorf gegangen und noch nicht zurückgekehrt . So blieb die Kleesberg ihre einzige Gesellschaft , eine sehr stille . Tante Gundis Augen hatten übernächtigen Glanz , und bei der gemessenen Würde , mit der sie den Schinken schnitt und in das krachende Butterbrötchen biß , tat sie zuweilen einen Atemzug , der wie ein Seufzer klang . Nur langsam belebte sich das Gespräch . Dabei wurde das Abenteuer beim Wetterbach mit keiner Silbe mehr erwähnt , als wäre in ihnen beiden jede Erinnerung bereits erloschen . Nach dem Frühstück brachte Kitty einen Spaziergang in Vorschlag . Tante Gundi war einverstanden . » Wohin ? « Kitty überlegte . » Die Hauptsache ist ein guter ebener Weg , damit du dich nicht ermüdest . Ich meine ins Dorf ? Da siehst du doch auch ein bißchen Menschen . Das wird dich zerstreuen . « Gundi Kleesberg schien aus diesen Worten etwas herauszuhören , was ihr mißfiel . Sie legte würdevoll das Haupt zurück und erklärte : » Nein ! Wir gehen nach der Waldschwaige . « » Wie du willst ! Auch kein übler Weg ! « Zur Waldschwaige , einer zu Schloß Hubertus gehörigen Meierei , führte aus einem Winkel des Parkes ein für den Verkehr der Sommergäste gesperrter Waldpfad . Graf Egge war den Touristen nicht gewogen ; sie liefen ihm in Wald und Berg häufig zur Unzeit in die Quere ; die harmlose Freude , die sie am Singen und Jodeln fanden , und ihre Vorliebe , auf steilen Gehängen Steine zu lösen , rührten in ihm die Galle des Jägers auf ; er machte sie für manchen mißglückten Pirschgang verantwortlich , ließ im kahlen Gestein der höheren Berge die roten Merkzeichen der Touristensteige von den Felsen abkratzen und sperrte im Wald jeden Pfad , an dem er Eigentumsrecht besaß , mit der Inschrift : Verbotener Privatweg , herrenlos umherlaufende Hunde werden erschossen . So durfte Tante Gundi sicher sein , auf dem Weg zur Waldschwaige keinem Menschen zu begegnen als höchstens einem Holzarbeiter oder einem Knecht der Meierei . Es war ein stiller Spaziergang . Die Kleesberg schwieg beharrlich ; sie schien mit ihren Gedanken beschäftigt und hatte keinen Blick für die Morgenschönheit des Waldes . Kitty wurde der krampfhaften Anstrengungen , ein Gespräch in Gang zu bringen , schließlich müde und begann Unterhaltung für sich allein zu suchen . Sie wanderte bald zur Rechten , bald zur Linken in den von Lichtern durchzitterten Wald hinein und pflückte , was sie an Blumen fand . Dabei summte sie mit halblauter Stimme ein Liedchen , und manchmal stand sie still , mit beiden Armen den Wirrwarr der gepflückten Blumen umschlingend , tief atmend , die Wangen glühend , mit träumendem Lächeln . Es war ein prächtiger , von zierlichen Grasrispen umschlossener Strauß , den sie nach Hubertus brachte , als sie mit Tante Gundi gegen zwölf Uhr in das Schloß zurückkehrte . Während die Kleesberg in der Veranda Atem schöpfte , eilte Kitty in das Speisezimmer , um den Tisch mit ihren Blumen zu schmücken . Da sah sie auf der Tafel vier Gedecke aufgelegt . Ein Gast in Schloß Hubertus ? Kitty flog zur Treppe und traf mit der Kleesberg zusammen . » Tante Gundi ? Wir haben einen Gast ? « » Einen Gast ? Wen ? « » Ich weiß nicht ! « Mit wehenden Fahnen ging ' s über die Treppe hinauf in Tassilos Zimmer . » Aber Tas , wer kommt denn heute ? « Tassilo erhob sich vom Schreibtisch . » Einer meiner Freunde : Maler Forbeck . « Kitty starrte den Bruder an , so verblüfft , als hätte er die Ankunft eines chinesischen Würdenträgers verkündet . Und während zarte Röte ihr Gesichtchen überhuschte , stammelte sie : » Merkwürdig ! Du bist mit ihm befreundet ? Wann und wo hast du ihn denn kennengelernt ? « » Im vergangenen Winter , bei Professor Werner . « » Werner ? Professor Werner ? Das ist