sie es auch versuchen wollte , die Lene umzustimmen , und wenn es ihr auch gelingen würde , die Übermütige heimzuführen , können die Eheleute jemals wieder miteinander in Frieden leben ? Wo aber sonst anpacken , um dem Gebrochenen wieder auf- und weiterzuhelfen ? Wenn er nur nicht so kichern und wispern würde hinter ihr ; glaubt er , sie könne lachen , weiß er denn gar nicht , wie traurig sie ist ? Während die Hanne so grübelte und hastig nähte , hatte sich der Leopold in die Decke gewickelt und war bis zu ihrem Stuhl hingeschlichen . » Da schau her ! Da bin ich ! « Das Mädchen sprang auf und breitete ihre Arme aus , um den Schwankenden zu halten , wenn er wieder zusammenfallen sollte wie vor sechs Wochen , als sie ihn am Boden fand . Der Leopold schlang aber seinen Arm um ihren Hals , stützte sich fest auf ihre schmalen Schultern und wankte zurück zu seinem Bette . » Schau , schau , wie schwach ich bin , und du , Mädel , wie ... stark ! « Er setzte sich auf das Lager und lehnte seinen schweren Kopf an ihre Brust . » Ich kann morgen doch nicht auf die Strecke , ich kann dich auch noch nicht entbehren ... Hanne ... deine Frau Mutter ... freilich , freilich ... bist ein blutjunges Mädel ... aber schau ... dem Weis Leopold ist nichts geblieben als dein gutes Herz und sein kleiner Bub . « Wo waren jetzt die dunklen , ungeduldigen Gedanken von früher ? Daher gehörte sie , mögen die Nachbarn den Leopold schimpfen oder loben . » Sei nicht so kleinmütig , wirst bald wieder stark werden . Ich bleibe da bei dir , solange du mich dahaben willst , und gehe halt , wenn du mich nimmer brauchst « , sagte die Hanne fest . » Da wirst du lange bleiben müssen , Mädel ... « » So lang , bis ... « » Bis ? « Sie verschluckte einen Seufzer und setzte sich schweigend an ihre Arbeit . Wieder war über eine Woche um , und der Leopold saß nun schon neben der Hanne am Fenster , und sein schwacher Arm zitterte , als er den kleinen Buben vor sich auf dem Schoß halten wollte . » Mein Herr Sohn ist stärker , als ich bin « , witzelte er und zog mit den Lippen seinen Schnurrbart zwischen die Zähne . Es war Feierabend , und paarweise gingen die Nachbarn an dem Fenster vorüber , nur manchmal winkte einer flüchtig hinein zu den drei Menschen , aus den Mienen der meisten aber las man den Unwillen . » Sitzen beisammen wie verheiratete Leut « , brummte der Hausmeister , » bin neugierig , wann die Walterin Ordnung macht ; was zuviel ist , ist zuviel ! « » Jetzt ist er schon auf , Walterin , jetzt kann die barmherzige Schwester , dein Mädel , doch schon wieder zu dir kommen , ein verheirateter Mann ist und bleibt er halt doch « , raunte die Laternenanzünderin der Frau Walter zu und zog die Augenbrauen so bedeutsam in die Höhe , daß die Alte kirschrot im Gesichte wurde und ohne jede Antwort geradenwegs in die Stube des Leopold rannte . » Heimgehen ! « schrie sie kurz der Hanne zu , die , ohne den Kopf zu heben , in die Tasche griff und aus einem gestrickten Beutelchen zusammengelegtes Papiergeld nahm ; sie hielt es ihrer Mutter hin , sah ihr aber nicht in die Augen . » Mein Arbeitsgeld von dieser Woche , Frau Mutter « , sagte sie bittend , » es ist so viel wie alleweil , ich habe nichts versäumt . « Die Alte riß das Geld an sich , warf dem Leopold einen verachtenden Blick zu und schrie dann wieder : » Aufpacken und heimgehen ! « » Mutter ! Der Bub gibt die ganzen Nächte keine Ruh , der Leopold kann ihn doch nicht ganz allein pflegen , und ... « » Was geht das mich an ? Wer hat meine Kinder gepflegt ? Ich ! « » Mutter , ich bitt ... « » Schämst dich nicht ? Sitzt da bei einem verheirateten Mann ! Weißt , was die Leut sagen im Haus , und nicht nur die nächsten Nachbarn , nein , überall , weißt was ? « zeterte die Frau . » Na also , was denn in Dreiteufelsnamen ? « brummte der Leopold verbissen . » Daß sie eine Liebschaft mit dir hat « , kreischte das Weib und spuckte vor ihm auf den Boden . Der Leopold war kreidebleich , und der kleine Bube wackelte bedenklich auf seinen Knien , die erstaunten Augen wendeten sich mit Widerwillen von der Alten und suchten das Gesicht der Hanne . » Siehst , Mädel , das ist der Dank für dein gutes Herz . Sei nicht böse ; daß die Leut so schlecht sein können , habe ich nicht gewußt . Pack zusammen und geh mit deiner Frau Mutter ... Ich dank dir tausendmal ... ich kann nichts dafür ... Geh , es ist die höchste Zeit ... « Er stand auf , legte das Kind in sein Bett , knöpfte sich den Rock mit einem scharfen Rücken der rechten und der linken Achsel fest zu , als ob er hinaus müßte in eine frostige Wetternacht , und dann sagte er laut : » Den Leuten , die so niederträchtig über die Walter Hanne und den Weis Leopold geredet haben , sagen Sie , daß sie ein Gesindel sind , mit dem ein ehrlicher Kerl nichts mehr zu schaffen haben will . « » Gesindel ? Unsere Nachbarn ? « stotterte die Frau . » Ja , das seid ihr alle miteinander . Hanne , geh ! « » Du willst es , Leopold , du kannst mich also nimmer brauchen ? « fragte das Mädchen mit ersterbender Stimme